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Ba-ba, ba-ba. Mmh-mmh. Gaga-Texte in der Personalwerbung und drei Tipps.

IMG00216-20121104-1429Endlich Sommer. Es ist heiss, und wie. Und die Aussichten bleiben gut. Temperaturen von deutlich über 30 Grad machen in diesen Tagen das Bloggen nicht eben einfach. Zeit also für einen leicht verdaulichen Artikel mit hoffentlich hohem Schmunzelfaktor. Und für ein bisschen Blogger-Boulevard. Ich habe für Sie ein paar Texttrouvaillen in Stellenanzeigen und Homepages zusammengetragen. Es sind leider schlechte Beispiele – denn wirklich gute Stelleninserate bzw. -texte sind in etwa ein so seltenes Ereignis wie das Blühen des Titanwurz.

Als regelmässige Leser/-in wissen Sie um meine Leidenschaft für Musik aus den 80’s. Es war nun halt meine Zeit, damals stand ich an der Schwelle zum Erwachsensein und die Musik war ein wichtiges Element im spätpubertären Balzverhalten. Ein absoluter Kultsong der damaliger Zeit (und in den Diskotheken von Lloret del Mar) war dieser:

Weiss der Teufel, warum ich ihn so gut fand (und ehrlich gesagt, ich finde ihn immer noch cool, zumindest speziell). Auf jeden Fall passt der naja sagen wir mal spezielle Text gut zum Thema: er ist nämlich gelinde gesagt ein bisschen balla balla. Gaga. Genau so wie viele Texte in den Werbeinseraten für Stellen, sprich in Stelleninseraten. Seit meine Blogger Friendly Company Jobs.ch auf diesem Blog in einem Fenster stets aktuell freie HR-Stellen einblendet, ist die Versuchung, ein bisschen in den Inseraten herumzustöbern, noch grösser geworden. Ich bin ihr in diesen Tagen immer mal wieder erlegen. Ich weiss manchmal beim besten Willen nicht, ob ich lachen, mich ärgern, Mitleid haben oder mich aufregen soll. Nun ja, oft von allem ein wenig.

Stelleninserate sind Werbeinserate

… was denn sonst? In den Lehrbüchern für angehende HR-Fachleute in der Schweiz steht meist, dass Stelleninserate ausser dem Zweck der Stellenbesetzung auch einen generellen Werbenutzen hätten. Das ist wohl eher als Witz zu verstehen, denn was da in den Jobbörsen so zu lesen ist, kann ja wohl kaum als Werbeinserat bezeichnet werden. Schreckliches Design aus den Zeiten von Oswalt Kolle, langweilig und uninspiriert, lieblose und meist unpassende Stockphotos und Texte… ja die Texte sind noch das Beste, weil sie doch oft Anlass für ein herzliches Lachen bieten. Dazu später ein paar „Müsterli“. Für meinen Bloggerkollegen Jannis Tsalikis sind Stelleninserate gar der Einstieg in die Welt des Schmerzes. Recht hat er. Leider. Werbeinserate für das an sich emotionale Produkt Stelle haben zumeist die Ausstrahlung einer Halogenlampe.

Was mich erstaunt, ist die Tatsache, dass Stelleninserate offensichtlich in vielen Unternehmungen unter dem ja zumeist fein eingestellten Radar der Unternehmenskommunikation durchflutschen. Die Schnittstelle zur Kommunikationsabteilung und deren gestrenges Auge auf die externe HR-Kommunikation, üblicherweise eine gern in Anspruch genommene Ausrede für Personalwerbung ohne Frechmut, scheint bei den Stelleninseraten nicht zu greifen. Stelleninserate sind wohl die einzige Werbeform, die von Laien gemacht wird. So sieht sie leider auch oft aus. Ein grosses Problem ist offensichtlich die Sprache. Immer weniger Bürolisten scheinen der deutschen Sprache wirklich mächtig zu sein. Das hindert aber offenbar nicht Wenige daran, sich als Werbetexter zu versuchen. Das liest sich dann am Beispiel eines grossen Möbelhauses aus Frankreich so:

Conforama zwo

„Ausgebildet kaufmännische Grundausbildung“ ist mein Lieblingsausdruck, wobei natürlich auch Personnalassistent oder die Kommasetzung nach dem Zufallsprinzip beachtenswert sind. Immerhin macht das Inserat den Handlungsdruck deutlich: Ja, dieses Unternehmen braucht wirklich notfallmässig eine Person mit hervorragenden Deutschkenntnissen in seiner Geschäftsstelle.

Ralf Tometschek liebt Worte – und hilft mit seiner Agentur Wortwelt Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, ihre Sprachkultur zu entwickeln. Für ihn ist die Sprache in Stelleninseraten oft sogar noch weniger schlimm als die Haltung dahinter – und das will bei dieser Sprachunkultur in vielen Inseraten immerhin etwas heissen. Für ihn steckt hinter den auf den ersten Blick nichtssagenden Floskeln teilweise eine bedenkliche Haltung: “ Du sollst jung – und damit billig sein – und schon jede Menge Erfahrung mitbringen etc.“, bringt er es auf den Punkt. Und er ortet ein internes Silo-Denken, zum Beispiel, wenn eine Versicherung einen Vorstand „Nicht-Leben“ sucht, was dann so aussieht:

Inserat Vorstand Nicht leben

Ja, das mit dem Deutsch ist so eine Sache. Abgesehen von Fehlern sind viele Inserate nur so gespickt mit nichtssagenden Floskeln und Worthülsen. „Wir bieten ein interessantes, herausforderndes und vielseitiges Arbeitsgebiet in einem professionellen und dynamischen Umfeld.“ Wow, das spricht mich jetzt aber an. Ja es haut mich fast um. Wäre ich noch einmal jung, ich würde versuchen, diesen Satz (aus einem Inserat eines grossen Schweizer Telecomanbieters) als Wortmarke schützen zu lassen. Gefühlte zwölftausend Firmen bringen ihre Employer Value Proposition mit genau diesen Worten wahnsinnig treffend und aussagekräftig auf den Punkt. Jeder schreibt vom anderen ab – dummerweise immer den selben Mist. Inhaltlos, wertlos. Genau so nervig ist das grosskotzige, oft fast schon esoterisch angehauchten Geschreibe wie zum Beispiel aus einem Inserat für einen Personalvermittler: „Sie finden die richtigen Mosaiksteine und fügen diese gekonnt in komplexe Gebilde verschiedenster Anspruchsgruppen und Unternehmen ein.“ Und weiter: „Sie verfügen über einen Abschluss Ihrer Grundausbildung“. Ja klar, so kann man das natürlich auch sagen.

Grauenhaft

In einem meiner ersten Artikel auf diesem Blog habe ich mir einmal ein bisschen mehr Respect gewünscht und damit unter anderem die in der Schweiz (und ganz offensichtlich in der Personaldienstleisterbranche stark) verbreitete Unsitte angesprochen, dass Bewerbungen nicht beantwortet und eingesandte Unterlagen ganz einfach im Papierkorb landen. Natürlich hört ja niemand auf mich, auch nicht der ausgerechnet an meinem Wohnort ansässige Personaldienstleister. Dem ist nämlich folgendes wichtig zu sagen – weshalb er es gleich mit einem Ausrufezeichen versieht:

Vernichtet

Natürlich hat dieses Unternehmen auch ein Leitbild (muss man ja haben, kann man ja auch wunderbar copy-paste von anderen Unternehmen zusammensuchen und rüberkopieren):

Leitidee

Ziemlich dreist. Lassen Sie uns bei dieser Gelegenheit noch ein wenig durch den Fundus an Wortmüll dieses Anbieters stöbern. Gut gefällt mir zum Beispiel auch dieses Inserat:

von Anzügen und Autos ohne Logo

Also, kurz zusammengefasst: Schweizer Anzugträger mit eigenem Auto und der Bereitschaft zu Schichtarbeit vor! Aber natürlich nur, wenn Sie nicht schon 49 sind – das wäre dann doch etwas zu viel des Guten. Liebe Frauen, seien Sie bitte nicht enttäuscht, dass Sie für diesen Job im Aussendienst nicht geeignet sind. Das Unternehmen hat natürlich auch für Sie etwas Passendes:

Motivierte Mitarbeiter für am Telefon kurz

… für am Telefon… Üble Sache, würde Philip Maloney dazu wohl sagen. Der Privatdetektiv geht ja bekanntlich für die Berner Polizei auf Personalsuche. Aber das ist ein anderes Thema. Wobei – der schräge Privatdetektiv jagt ja unermüdlich Ehebrecher, Einbrecher, Herzensbrecher und andere Verbrecher. Ein richtiger Hunter also – genau so einer wird in der Zentralschweiz gesucht:

Hunter kurz

Ich glaube, man muss die Sache wohl oder übel ganz einfach mit Humor nehmen. Noch viel mehr zum Thema finden Sie beim besten Agenten der Schweiz, dem Jobagenten. Cornel Müller und seine x28 AG, die hinter jobagent.ch stehen, haben Witziges, Skurriles und unfreiwillig Komisches rund um Stelleninserate zusammengetragen.

Bilder sprechen lassen

Eine Alternative zu Wortballast und mühevollem Texten wäre es ja, Bilder sprechen zu lassen. Womit wir bei den unsäglichen Fotos aus den Bilderdatenbanken wären – diese regen mich ehrlich gesagt fast noch mehr auf. Ich kann sie nicht mehr sehen und schon gar nicht mehr ertragen, diese weichgespülten iStockphotos mit glücklichen Menschen, typischerweise: Ein Mann, graumeliert. Eine Frau mittleren Alters, weiss, Deux-Pièces, gerne mit Brille. Ein dunkelhäutiger Mann, alternativ auch Asiate. Zur Abrundung: Eine jüngere Frau, ziemlich hübsch. Das soll dann wohl Diversity ausstrahlen. Dieses Thema gibt so viel her, dass ich daraus wohl demnächst einen separaten Artikel mache. Aber ein Beispiel muss ich doch jetzt schon bringen – sorry, liebe Sunrise (immerhin bin ich Kunde bei Euch, ich darf das…):

sunrise short

Finde den Fehler, heisst das fröhliche Ratespiel. Aber vielleicht habe ich es ja auch ganz einfach nicht gecheckt und Sunrise ist Vorreiterin in Sachen Konzepte gegen die Demographie und die Alterung der Gesellschaft. Sollten also im Telekomkonzern tatsächlich neu Männer bis 50 für eine Lehre bei Sunrise angesprochen werden, dann ziehe ich meinen Hut – sowohl für die Strategie wie für die visuelle Umsetzung im Web.

Zurück von der Bildersprache in die Wortwelt. Viele der Texte sind schlicht inakzeptabel – aber das muss man wohl einfach akzeptieren.

Tipps

Ich gebe es zu – ein wenig ablästern macht ab und an Spass. Ich habe aber mal gelernt, dass man lösungs- und nicht problemorientiert sein sollte. Also, ich versuche es mit drei konkreten Tipps:

  1. Überprüfen Sie das Layout Ihrer Stelleninserate – spricht sie das wirklich an? Wenn nein – Sie werden überrascht sein, was heute in Sachen online-Stelleninserate für wenig Geld möglich ist. Wenden Sie sich vertrauensvoll an die Agentur Ihres Vertrauens, zum Beispiel an Prospective in Zürich und Berlin, die das neue Stelleninserat der VBZ umgesetzt haben.
  2. Organisieren Sie sich so, dass Stelleninserate von Menschen getextet oder redigiert werden, die der deutschen Sprache wenigstens einigermassen mächtig sind. Und führen Sie nullkommanichts das Vieraugenprinzip ein. Das ist das Mindeste!
  3. Qualifizieren Sie Mitarbeitende, welche für diese Werbeinserate verantwortlich sind. Sofort.

Vielleicht noch ein Gratistipp: Wenden Sie sich an eine Agentur, die davon etwas versteht. Lassen Sie sich ein paar Textbausteine oder was auch immer herstellen. Oder schauen Sie sich mein Vitalpaket an. Tun Sie, was Sie wollen – aber unternehmen Sie ums Himmels Willen etwas.

Auf Wiederlesen.

P.S. Vielleicht fragen Sie sich ja, was es mit dem Artikelbild auf sich hat? Tja, dieses Kunstwerk steht an einem Strand ganz weit weg von hier. Das Foto hat die Comic-Künstlerin Aldona Kaczkowski alias Workingbeauty exklusiv für mich geschossen (naja, fast). Es ist gleichzeitig eine Anspielung darauf, dass heute fast alles schon irgendwie markentechnisch geschützt ist – wohl bald auch die Aussicht auf das Meer. Und es ist eine Anspielung auf einen meiner nächsten Artikel. Der handelt davon, dass auch das Bloggen nicht ganz ohne Gefahren ist und Firmen wie Getty Images es darauf angelegt haben, Geld von Bloggern einzutreiben (by the way, liebe Getty Images, ich warte noch auf eine Antwort auf meine Mail…)

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