Blog


Bäckerei sucht Frisöre: Mit Frechmut grosse Brötchen backen

WP_20140719_18_11_26_ProAlles nur geklaut? Personalreferentin Katja Pötzsch vom Oder-Spree Krankenhaus in Beeskow staunte nicht schlecht, als sie kürzlich bei einem Auslug nach Warnemünde am Fenster einer Bäckerei diese Werbung entdeckte. Sie schrieb mir: „Bei dieser Personalwerbung musste ich unweigerlich an Sie und das Vorgehen der Verkehrsbetriebe Zürich denken“. In der Tat. Hat da jemand bei uns in Zürich gespickt? 

In den letzten 3 Jahren habe ich in unzähligen Vorträgen über Vorgehensweisen und Personalmarketingkampagnen berichtet, die bei den VBZ und anderswo in der Praxis funktioniert haben. Ich war überrascht, dass niemand die Ideen kopierte. Doch jetzt ist es passiert – so scheint es mindestens. Und das wäre absolut gut so! Die Bäckerei Junge ist mit 170 Verkaufsgeschäften und 3000 Mitarbeitenden ein grosses Traditionsunternehmen im Norden Deutschlands. Und ein überaus sympathisches dazu, wie zum Beispiel dieses kurze Video über die Junge Azubi-Tage zeigt.

Über eine Million Brötchen gehen Woche für Woche über die Theke. Auch Junge sucht ständig Nachwuchs – nicht nur Azubis und gelernte Fachkräfte, sondern auch Quereinsteiger. So wie die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ), die 2013 unter anderem mit diesen Sujets um neue Trampilotinnen geworben haben:

Kellnerin im Kinojpg

Bildschirmfoto 2013-10-13 um 08.51.43

Bildschirmfoto 2013-10-13 um 08.50.16

Die Adaption der VBZ Kampagne von Junge Die Bäckerei

WP_20140719_18_11_26_Pro

Sammelmappe4

Sammelmappe10

 

0x176a8b00

Spicken erlaubt

Das Vorgehen der Grossbäcker aus Deutschland zeugt von einer guten Portion Frechmut. Das gefällt mir natürlich, denn nach meiner Auffassung ist Spicken im Personalmarketing nicht verpönt, sondern vielmehr erwünscht (sofern es sich nicht um direkte Konkurrenten auf dem Arbeitsmarkt handelt). Hier meine Gedanken dazu aus der Essenz „Frech“ des Frechmut-Buchs. 

Spicken erlaubt

Doch haben sich die Norddeutschen wirklich von den VBZ inspirieren lassen? Oder hätte ich das nur gerne und bilde mir das in meinem unendlichen Ego einfach ein? Ich habe bei Sabine Quaritsch in der schönen Hansestadt Lübeck nachgefragt. Sie ist für das Marketing von Junge verantwortlich:

Interview mit Sabine Quaritsch, Marketingleiterin Junge Die Bäckerei

Frau Quaritsch, wer ist die Bäckerei Junge?

SQUSabine Quaritsch: „„Junge Die Bäckerei“ ist ein großes familiengeführtes Traditionsunter-nehmen, das 1897 in Lübeck gegründet wurde. Wir sind mit unseren Geschäften in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg und Niedersachen vertreten und sorgen im ganzen Norden täglich für den „Echten Genuss“ – so lautet unsere Markenbotschaft. Wir verstehen uns als Bäckerei, die der handwerklichen Tradition verpflichtet ist. Dabei setzen wir auf so viel Handarbeit wie möglich und so wenige Technik wie nötig. Hier ein paar Kennzahlen zu unserem Unternehmen:“ 

  • 170 attraktive Geschäfte
  • 3.000 leidenschaftliche Mitarbeiter
  • 38.000 duftende Kaffees pro Tag
  • 1.000.000 frische Brötchen pro Woche
  • 40.000.000 begeisterte Kunden im Jahr
  • 120.000.000 Euro solider Umsatz

Für diesen Werbespot werde ich mich bei meinem nächsten Besuch in Norddeutschland in einer Ihrer Filialen den Bauch vollschlagen! Im Ernst: Sie erhalten immer wieder Auszeichnungen für innovative Produktideen wie zum Beispiel der konsequenten Verwendung von Meersalz. Welche Rolle spielen in Ihrer Firmenphilosophie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?

Sabine Quaritsch: „Das Deutsche Institut für Servicequalität kürt uns seit Jahren im Rahmen von bundesweiten Marktforschungsstudien zum Sieger. Das erfüllt uns mit Stolz und ist Bestätigung für die tägliche Arbeit unserer 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wer über lange Zeit erfolgreich sein will, braucht an jeder Stelle im Unternehmen die Leidenschaft der Mitarbeiter, die bei Junge überall zu spüren ist. Wir wissen, dass unsere Erfolg auf den Schultern unserer Belegschaft ruht! Viele sehen uns als Vorreiter in der Branche. Wir setzen auf innovative Ideen, die konsequent umgesetzt werden. Das gilt für unsere Produkte, die ausschließlich nach eigenen Rezepturen gefertigt werden, genauso wie für unsere hochwertig und mit viel Liebe zum Detail eingerichteten Geschäfte, aber auch für unseren Umgang untereinander.“

Die Personalwerbekampagne, in der Sie speziell Quereinsteiger ansprechen, erinnert mich stark an eine der Trampilotinnen-Kampagnen der VBZ. So, jetzt aber einmal Butter bei die Fische, Frau Quaritsch: Zufall oder hat da die „Junge-Spionageabteilung“ ihre Finger im Spiel?

Sabine Quaritsch: „Ja, Ihr Vortrag auf dem Foodservice-Forum in Hamburg über die Rekrutierungskampagne der VBZ hatte uns nachhaltig beeindruckt und inspiriert. Wir freuen uns, dass Ihnen unsere Umsetzung gefallen hat. Dass wir durch Ihre Kampagne inspiriert wurden, ist nicht zu verleugnen. Bitte suchen Sie aber keine Bäckerinnen bei uns im Norden. Wir sprechen auch keine Trampilotinnen an. Versprochen!“

Abgemacht, lassen Sie uns diesen „Nichtangriffspakt“ schliessen. Wie gross ist denn Ihr Personalbedarf? Und haben Sie Nachwuchssorgen bzw. Fachkräftemangel? Wenn ja, in welchen Berufsgruppen zeigt sich dieser besonders?

Sabine Quaritsch: „Jedes Jahr suchen wir mehrere hundert neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ein Großteil davon sind Saison- und Aushilfskräfte. Hauptsächlich benötigen wir neues Personal für den Verkauf in den Geschäften (Expansion und Fluktuation). Nachwuchssorgen in anderen Unternehmensbereichen haben wir nicht“

Wie war die Resonanz auf Ihre Vorgehensweise und die aussergewöhnliche Ansprache von Quereinsteigern?

Sabine Quaritsch: „Sie war exzellent. Wir hatten die Kampagne testweise in Mecklenburg-Vorpommern gefahren. Zukünftig werden wir sie auf ganz Norddeutschland ausweiten, um Quereinsteiger anzusprechen.“

Das Team um Marketingchefin Sabine Quaritsch und den Leiter der Unternehmenskommunikation, Gerd Hofrichter, hat begriffen, was Sinn und Zweck von Fachmessen mit „Praxis-Case“ Vorträgen sind: Kopf einschalten – gut zuhören – und sich von guten Ideen anderer inspirieren und vor allem zum „Tun“ anstiften lassen. Eine Prise Frechheit, etwas Mut, und dann gut mit ganz viel Tun und Leidenschaft kneten und reifen lassen – mit diesem pragmatischen Vorgehen bäckt Junge grosse Personalmarketingbrötchen. Und wer weiss: Vielleicht gibt es in den Junge-Bäckereien vielleicht sogar einmal ein Frechmut-Brötchen?!

 „En Guete“ und auf Wiederlesen.

Kommentare ( 2 )

Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *