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Budgetkürzung: Stadtpolizei Zürich fahndet mit Witz nach Bewerbern

PW Kampagne 1„Panzerknacker“. So habe ich meine Gedanken zur Finanzierung von Personalmarketingaktivitäten im Frechmut-Buch betitelt. Dass ich dieses Thema nun ausgerechnet mit der Stadtpolizei Zürich in Verbindung bringe, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Wobei das prima passt: Denn die städtischen Kollegen der Stadtpolizei Zürich beweisen bei aller Ernsthaftigkeit in ihrem Job immer wieder viel Humor und eine Prise Ironie. Auch jetzt wieder und das gefällt mir.

Lassen Sie mich etwas ausholen. Oft höre ich in Gesprächen mit Kollegen, dass sie ja schon gerne auch etwas frischere Personalwerbung machen würden, aber halt das Geld fehle. Nicht immer, aber oft halte ich das für eine Ausrede. Ich habe diesen Gedanken in der Essenz „Tun“ des Frechmut-Buchs einen Abschnitt gewidmet – wenn Sie mögen, bitte:

Panzerknacker

„… selbstverständlich erhält man Budget nicht einfach so. Auch nicht im HR. Wer auf einen warmen Geldregen hofft, um dann vielleicht etwas Aufsehen erregendes im Personal-marketing zu tun, wird ewig warten. Wer aber mit einem starken Konzept oder einer zum kopfverdrehen schönen Idee in der Tasche für Unterstützung und finanzielle Mittel wirbt, hat ganz andere, bessere Karten. Um Unterstützung werben? Exakt, ja, und verkaufen, begeistern, wirbeln. Zuerst intern – und dann nach außen zu den Zielgruppen. Eine Portion Kreativität ist nicht nur bei der Ausgestaltung frechmutiger Personalgewinnungsideen gefragt, sondern auch bei deren Finanzierung. Oft braucht es nicht einmal den ganz großen „Hosenlupf “, also den ultimativen Kraftakt. Manchmal lassen sich durch das Verschieben von nicht benötigten Mitteln anderer Kostenarten ganz einfach die nötigen Finanzen beschaffen. Und mal ganz unter uns: Schöpfen Sie ganz generell Ihre budgetierten Mittel für die Personalbeschaffung wirklich aus? Schenken Sie den Forecasts im Personalcontrolling frühzeitig Ihre Aufmerksamkeit? Schauen Sie rechtzeitig in die Glaskugel der Jahresrechnung. Mit einer vorausschauenden Planung lassen sich Werbemaßnahmen für das Folgejahr vorziehen und vorhandene Mittel optimal ausschöpfen. Und wer auf digitale Kommunikation setzt, spart noch immer viel Geld, auch wenn die Kosten für die webbasierten Medien in den letzten Jahren gestiegen sind. Manchmal sind es aber auch überraschend einfache Vorgehensweisen, die weiterhelfen. Das Gespräch suchen mit den Zuständigen der Finanzabteilung zum Beispiel. Ihnen das Problem schildern und sie um Unterstützung bitten. Es ist ja ganz einfach und so, wie man es den Kindern beibringt: Wenn du etwas willst, musst du halt fragen. Dabei hilft es natürlich, wenn man gute Beziehungen schon vorher aufbaut und pflegt.“

Erfolgreiche Fahndung

Manchmal hilft aber auch alles Fragen, geschickt um Unterstützung werben oder selbst der Leidensdruck von aussen nichts. Die finanziellen Mittel sind dann einfach nicht da oder sie werden nicht gesprochen. So passiert bei den Kolleginnen und Kollegen der Stadtpolizei Zürich.  „Zürcher Stadtpolizei kämpft um Nachwuchs.“ So titelte der Blick am Abend und meinte damit auch die Budgetkürzung des städtischen Parlaments, das kein Gehör für die Personalmarketingnöte der Stadtpolizei hatte.

Die Stadtpolizei Zürich macht wie andere Blaulichtorganisationen aus meiner Sicht überdurchschnittlich gute Personalwerbung – hier, hier, hier oder hier wurde über andere gelungene Beispiele gebloggt. Aktuell macht die Stadtpolizei mit einer Kampagne auf sich aufmerksam, die auf unterschiedlichsten Kanälen crossmedial bespielt wird – unter anderem in den VBZ-Trams oder mit kurzen Werbespots. Diese richten sich ganz gezielt an neue Zielgruppen der Stadtpolizei, so zum Beispiel an Frauen oder an eingebürgerte Ausländer (korrekt und etwas hölzern als „Menschen mit Migrationshintergrund“ genannt – muss ich meinem in Deutschland geborenen Vater einmal sagen…):

Stelleninserat Stapo

Stapo 2

Aus der Not eine Tugend machen

Doch jetzt wird das Geld knapp. Der Gemeinderat der Stadt Zürich hat den Kollegen der Stadtpolizei kurzerhand das Budget für die Personalgewinnung gekürzt und auch einen Nachtragskredit abgelehnt. Das zwingt die Verantwortlichen der Stadtpolizei, verstärkt auf kreative Low-cost Lösungen auszuweichen. Und das tun sie richtig gut, wie ich finde. Sie nutzen die naheliegendsten und günstigsten Werbekanäle: ihre Streifenwagen. Die sind weiss Gott gut sichtbar und an 365 Tagen unterwegs.

PW Kampagne 1

Dieser Humor, dieser Schuss Ironie, kommt bei der Bevölkerung und den Zielgruppen an. Die Kampagne sorgt für Lacher. Einfach, aber gut, würde ich das einfach mal auf den Punkt bringen. Doch was meint der Chef des Stapo-Personal-dienstes, André Schmid, dazu? Ich habe ihn kürzlich getroffen und einfach mal nachgefragt:

Gespräch mit André Schmid, Chef des Personaldienstes der Stadtpolizei Zürich

Andi, die Stadtpolizei setzt offensichtlich auf Humor in der Personalwerbung. Aber ist das auch authentisch, widerspiegelt das den Polizeiberuf?

1399441847962André Schmid: „Der Polizeiberuf ist äusserst vielseitig und manchmal gefährlich und belastend. Es gibt aber auch andere Seiten. Zum Beispiel bei einem Einsatz im Rahmen einer Grossveranstaltung oder im Gespräch mit den Bürgern kann Polizeiarbeit auch unbeschwert sein. Ausserdem kann eine Prise Humor oft ein Türöffner im Kontakt mit anderen Menschen sein. Darauf setzen wir auch in der Rekrutierung.“

Die Beschriftung der Streifenwagen ist eine Art „low-cost-Idee“. Wie kam diese intern an? Gab es Kritik, zum Beispiel von den Gewerkschaften?

André Schmid: „Wir sind noch in der Testphase. Die Texte wurden intern von der Geschäftsleitung abgesegnet und findet grosse und vorallem positive Resonanz bei den Frontmannschaften. Allfällige Unsicherheiten beim Umgang mit BürgerInnen, welche die „Aufforderung zum Platznehmen“ allzu wörtlich nehmen, konnten mit einem Infoblatt entgegnet werden.“

Wirken die Kampagnen 2014? Können die Stellen besetzt bzw. die Aspirantenklassen gefüllt werden?

André Schmid: „Aus der Vergangenheit wissen wir, dass Kürzungen im Personal-werbebudget trotz Einsatz von kostengünstigen Social-Media-Auftritten sich stets unmittelbar auf die Bewerber-Zahlen Einfluss haben. Da wir an unseren Qualitätskritierien im Auswahlverfahren festhalten (nur rund 15% reüssieren im Selektionsprozess), benötigen wir eine entsprechende Anzahl von Interessierten für den Polizeiberuf. Vorallem auch dank den rund achtmal jährlich stattfindenden Informationsanlässen konnten wir bisher die benötigten Stellen besetzen.“

Eine der Absichten war es ja auch, mehr Frauen anzusprechen. Wie gut ist das gelungen?

André Schmid: „Die Stadtpolizei führt jährlich zwei Auswahlverfahren durch. Um verlässliche Aussagen bezüglich dem Frauenanteil machen zu können, ist es noch zu früh. Wir müssen erst das gerade anlaufende Auswahlverfahren analysieren, da die neue Personalwerbekampagne ja erst im Frühjahr gestartet ist. Ziel unserer Rekrutierungsbemühungen ist es jedoch, den Frauenanteil in den Aspirantenklassen klar auf über 20% steigern zu können.“

Coole Sache, danke Andi für das Gespräch.

Dass man mit guten Ideen manchmal nicht alleine ist, zeigt dieser Tweet von Recrutainment-Papst Jo Diercks aus Hamburg:

Übrigens: Die Stadtpolizei Zürich hat noch drei weitere Slogans, mit welchen ihre Fahrzeuge demnächst auf Streife gehen und nach neuen Arbeitskolleginnen und -kollegen fahnden werden:

  • «Team-Mitglied werden»
  • «Bezahlte Stadtrundfahrten»
  • «Wir fahnden nach Dir»

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