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Der Kluge reist im Zuge. Oder: Kein Job wie jeder andere.

Der Kluge reist im Zuge. Millionen von Schweizerinnen und Schweizern kennen den Slogan aus der Bahnwerbung. 1958 entstanden, prägte er über Jahrzehnte die Schweiz und noch heute kennen ihn Hunderttausende. Genial einfach. Personalmarketing war damals noch unbekannt. Das ist heute anders. Die Staatsbahnen in der Schweiz und in Deutschland stehen auch heute für ausgezeichnete (Personal-) werbung. Die Deutsche Bahn lanciert eine gross angelegte, wiederum auf einem genial einfachen Slogan basierende Personalwerbekampagne: „Kein Job wie jeder andere“. Der Name ist Programm und steht für eine ungemein grosse Berufsvielfalt. Aber auch bei der Schweizerischen Bundesbahn (SBB) tut sich einiges – zum Beispiel auf Facebook. Doch bleiben wir zuerst einmal in Deutschland.

Die Deutsche Bahn: eine vielfältige Arbeitgeberin

Die Deutsche Bahn ist ein echter Big Player auf dem Arbeitsmarkt mit fast 300’000 (!) Mitarbeitenden. In den nächsten Jahren sucht das Unternehmen Jahr für Jahr 7’000 neue Arbeitskollegen. Unglaublich, diese Zahlen. Mag sich die Lage aus Arbeitgebersicht auf dem Arbeitsmarkt aktuell vielleicht etwas entspannen – Auszubildende, Studienabgänger, Fachkräfte, Servicefachkräfte und ganz allgemein Berufserfahrene jeglicher Couleur sind und bleiben Mangelware (sorry für den Ausdruck). Auch wenn die Zeiten dieses Facebook-Fundstücks

… längst vorbei sind: in den üblichen Rankings der Top-Arbeitgeber spielen Deutsche Bahn oder SBB (Schweizer Bahn) nicht in der allerersten Liga. Oft zu unrecht, wie ich meine, denn zu den Trümpfen der Arbeitgeber im öffentlichen Verkehr zählen eine sinnhafte Tätigkeit, gute Zukunftsperspektiven und tausende spannender Berufe. Da ist definitiv…

Kein Job wie jeder andere

So simpel wie treffend lautet die Aussage, mit der die Deutsche Bahn den Arbeitsmarkt aufmischt (und auch die Bundeswehr zum Teil – aber nicht annähernd so gut wie die DB). Die Bahn lanciert eine crossmediale Kampagne mit Kino- TV- und Youtube-Spots. Das sieht dann so aus:

Aber auch Printanzeigen werden geschaltet, welche dann wiederum auf das Herzstück der Kampagne leiten: die neue Karrierewebseite. Dominantes optisches Erkennungsmerkmal sowohl in den Printanzeigen wie auch auf der neuen Karrierewebseite: farbige Bubbles, welche Kernaussagen zu den einzelnen Berufsbildern bzw. Zielgruppen prominent sichtbar machen und zum Nachdenken anregen. So steht zum Beispiel auf dem nebenstehenden Printplakat für Ingenieure: Adlerauge. Was auf den ersten Blick nach Pierre Brice und den guten alten Winnetou-Filmen tönt, ist passend zum Sujet und gefällt. Auch die Karriere-Webseite wirkt frisch und aufgeräumt, die Bubbles haben einen hohen Wiedererkennungswert. Es gibt sicher weiss Gott einfacheres, als die Vorzüge einer Arbeitgeberin mit 200’000 Mitarbeitenden und erst noch die ganze Berufsvielfalt übersichtlich abzubilden: ich finde, das ist insgesamt gut gelungen – auch wenn vielleicht die Bildersprache und die Mitarbeitendenporträts etwas gestelzt wirken. Für mich bleibt einzig nicht nachvollziehbar, warum die Stellenbörse nach einer Registrierung verlangt. Trotzdem: eine sehr schön gelungene und moderne Seite.

Kurz nachgefragt: Robindro Ullah, Deutsche Bahn

Die Lancierung der Kampagne war für mich Grund genug, meinen Blogger- und Branchenkollegen Robindro Ullah, seines Zeichens Leiter Personalmarketing und Recruiting Region Süd der Deutschen Bahn kurz zu befragen:

Robin, Gratualtion zum frischen Auftritt. Gefällt mir sehr gut. Und trotzdem die Frage: „Kein Job wie jeder andere“ – das kann ja jeder behaupten. Was wollt ihr damit aussagen?

„Wir bieten als Arbeitgeber mit 500 Jobprofilen ein breites Spektrum an Entwicklungsmöglichkeiten. Egal, was für einen Abschluss der Bewerber hat, er kann bei der DB auf unterschiedlichstem Niveau ein-, um- und aufsteigen. Die Bandbreite reicht von der Fachkraft für Verkehrstechnik und Logistik über den Immobilien-Kaufmann bis zum Bauingenieur und IT-Experten und das an über 2.000 Standorten rund um den Globus. Bei der Bahn ist kein Job wie jeder andere. Als Teil unserer Unternehmensstrategie DB2020 haben wir uns zum Ziel gesetzt, bis 2020 zu einem der zehn besten Arbeitgeber Deutschlands zu werden.“

Hmm, ein ambitiöses Ziel. Aber ich glaube, ihr schafft das. Auffällig an Eurem Auftritt sind ja die Bubbles mit Aussagen wie Frischling, Rohdiamant oder sogar Rakete. Ziemlich aussergewöhnlich, finde ich.

„Erstmalig haben wir es meiner Meinung nach geschafft, die Komplexität des Gesamtkonzerns DB je Anzeige auf drei Begriffe zu reduzieren. Klar gibt´s nach wie vor die ganzen Infos und alles, was man wissen muss. Aber für den ersten Blickfang haben wir lediglich ein Bild / ein Mitarbeiter und drei dazu / zu ihm passende Begriffe. Es ist deutlich greifbarer als unsere bisherigen Bilderwelten.“

Schöne Idee, muss ich sagen. Ihr schaltet Eure Kampagne ja in verschiedensten Medien. Beseht da keine Gefahr, sich zu verzetteln?

“ Nein 😉 wir haben da sehr lange geplant und sind sehr ins Detail gegangen. „

Tolle Idee, mögen sich möglichst viele Menschen (wie ich 1985) für die berufliche Schiene bei der Bahn entscheiden. Wer noch mehr Hintergrundinformationen will findet diese bei Saatkorn oder dem Meta-HR Blog meines Berliner Kollegen Christoph Athanas. Doch nicht nur in Deutschland sorgt in diesen Tagen die Bahn für frischen Wind auf dem Arbeitsmarkt, sondern auch hierzulande.

Die SBB trumpfen mit einer tollen Facebook-Fanpage auf

Die Facebookseite scheint mir – für Schweizer Verhältnisse – abzugehen wie Pressluft. Bereits über 4000 Fans sind mehr als beachtlich. Ich habe Sarah Dovlo, Social Media Manager bei den SBB, um ein paar Hintergrundinformationen gebeten. Voilà:

Kurz nachgefragt: Sarah Dovlo, Social Media Manager SBB

Sarah, Deine erste Bilanz wenige Wochen nach dem Start mit Eurer Facebook-Fanpage?

„Wir sind heute genau 4 Wochen online. Die erste Woche waren wir „still“ unterwegs, ohne Bewerbung. Nun bewerben wir die Seite und sprechen mit der Techie Challenge gezielt Informatiker an – wir sind zufrieden, wie die Seite anläuft und freuen uns, dass die User unsere Beiträge kommentieren und wir hier die Möglichkeit haben, mit potentiellen Mitarbeitern in den Dialog zu treten. In den kommenden Wochen werden wir unseren Fokus auf Optimierung legen (bspw. können wir dann bei den Posts direkt auf einzelne Profile von Mitarbeitern im Tab „arbeiten bei der SBB“ verlinken; Sprachtargeting ist erst ab 5K likes möglich, dann fügen wir auch italienisch hinzu).“

Ihr seid relativ spät mit einer Karriere-Fanpage an den Start gegangen – warum?

„Wir haben uns für die Strategie-Entwicklung Social Media HR generell Zeit genommen (ich bin seit Februar 2012 bei SBB für Social Media im HR angestellt), innerhalb einer Social Media Pilotgruppe mit  HR Beratern die Strategie  konkret für Facebook besprochen, die verschiedenen Bedürfnisse abgeholt und erst dann die Agentur vor 2 Monaten gebrieft.“

Ich finde, das hat sich gelohnt. Speziell gelungen finde ich wiederum den Stellenmarkt, der ist wundergut eingebunden. Das ist sicher sehr aufwändig.

„Eigentlich war der ursprüngliche (Design) Vorschlag der Agentur noch aufwändiger 😉 aber technisch so nicht umsetzbar. Wir sind aber mit der Einbindung des Stellenmarktes auch so happy. Die HR Berater haben die Möglichkeit auf dem Jobcenter direkt die Stellenanzeige mit einem Klick auch auf FB zu publizieren. „

Gefällt mir gut – und kommt mir bekannt vor. Das trägt die Handschrift von Prospective, welche auch den VBZ-Stellenmarkt perfekt in die Facebookseite eingebunden haben. Sarah, sag mal, ganz unter uns: welche weiteren Social Media Aktivitäten habt ihr sonst noch in der Pipeline? Twitter? Oder gar Pinterest?

„Twitter sind wir am prüfen – wobei ich davon eher absehe. Ich glaube nicht, dass das einfache twittern von Stellen uns mehr Bewerbungen generiert und stelle auch in Frage, dass wir unsere Arbeitgebermarke emotional auf Twitter verkaufen können ;-).“

Vielen Dank, liebe Sarah, ich wünsche Euch, dass sich viele spannende Berufsleute künftig sagen: Der Kluge arbeitet beim Zuge – oder so. Mir gefällt Eure Facebookseite ausserordentlich gut. Speziell dabei ist sicher die Schweizer Eigenart, dass sie zweisprachig ist. Damit schaffen die SBB den Spagat der Mehrsprachigkeit irgendwie – auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht etwas eigenartig aussieht. Was mir auf der Facebook-Seite noch etwas fehlt, ist das persönliche Element, ein Hinweis auf die Personen, welche die Seite betreiben und Kommentare schreiben. Das hole ich hiermit gerne nach: buckmanngewinnt proudly present: Sarah Dovlo, Social Media Manager SBB!

Auf Wiederlesen!

P.S. Ach ja, übrigens: Stewardessen suchen weder die Deutsche Bahn noch die SBB. Und auch bei den VBZ haben wir keinen Bedarf. Diese Berufsgruppe gibt es derzeit nur im öffentlichen Verkehr in Österreich – womit ich auch noch über dieses Nachbarland berichtet hätte…

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