Blog


Der R-NG; ein feiner ( und preisgekrönter) Zug der Bahn.

«Jo do simmer dabei – viiivaaa Colo-ni-a!» Wenn die VDV Akademie nach Köln ruft, um der HR-Zunft der Verkehrsbranche ein Update über neue Medien und Social Media im Personalmarketing zu spendieren, ja dann sind halt Ferien Ferien und man geht da hin – Ehrensache und die Frau Gemahlin muss alleine mit den Koffern voller Ostseeerinnerungen (und vorsichtig geschätzten zwei Handvoll „Souvenirs“ aus den Hamburger und Berliner Shoppingmeilen) in die Schweiz zurückreisen. Also, um fünf Uhr in Karlsruhe raus aus den Citynightline-Federn und zu nachschlafener Zeit weiter nach Kölle.

Eine manchmal etwas verkannte Branche erwacht

Die Akademie des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen engagiert sich in wirklich vorbildlicher Form um Weiterbildung und Entwicklung der Branche. An dieser Stelle sei dem Team um den umtriebigen Michael Weber-Wernz und dieses Mal im Speziellen dem Veranstalter Stefan Hilger, einmal ein Kränzlein gewunden.

Ich hatte heute also wieder einmal die Gelegenheit, den Worten von Robindro Ullah, seit ein paar Monaten Chefrecruiter Süd der Deutschen Bahn, zu lauschen. Und das hat sich ganz speziell gelohnt. Denn was der studierte Mathematiker mit seinem neu zusammengestellten siebenköpfigen Team in München tut, hat einfach Hand und Fuss und hat für mich Vorbildcharakter. Mit dieser Meinung bin ich aber nicht alleine, denn für sein exzellentess Schulungskonzept hat Robindro Ullah immerhin einen HR-Excellence Award erhalten. Der Mann hat ja auch ordentlich Druck, schliesslich muss sein Team 150 Mitarbeiter anstellen – pro Monat notabene. Die DB hat das Recruiting in den letzten Jahren weiter professionalisiert und in mittlerweile sieben Regionen aufgeteilt. Damit werden den regionalen Unterschieden auf dem Arbeitsmarkt Rechnung getragen.

Die Systeme und Tools werden laufend weiterentwickelt. Und die Recruiter?

Alle sprechen ja derzeit von neuen Rekrutierungskanälen, von Social Media und Active Sourcing. Robindro macht man diesbezüglich nichts vor – er kennt die Kanäle wohl wie kaum ein Zweiter, und im Gegensatz zu Anderen die Meisten aus Erfahrung und nicht nur vom Hörensagen. Dass er also im Rahmen der Möglichkeiten und Einschränkungen eines Riesenkonzerns die Klaviatur moderner und auch bewährter Kommunikations-kanäle bestmöglich spielt, ist bei ihm eigentlich fast schon selbstverständlich. Doch Ullah geht nun weiter – bzw. einen Schritt zurück. Denn die neuen Kanäle verlangen auch nach neuen Fähigkeiten der Recruiter; nur Lackieren reicht da nicht, es braucht neue Motoren. Robindro Ullah hat die Bestandteile der „neuen Motoren“ unter dem Begriff Recruiter NG zusammengefasst; an dieser Stelle verabschiede ich mich von allen enttäuschten Leser/-innen vom Modelleisenbahnclub Bonstetten-Wettswil und vom Pufferküsserverein Bergisch-Gladbach, die aufgrund des Blogtitels auf die Ankündigung einer neuen Neigezuggeneration oder wenigstens einer limitierten Märklin-Serie gehofft haben. Aber denken Sie jetzt bloss nicht, ich hätte etwas gegen Modelleisenbahnen, glauben Sie mir, das hat durchaus seinen Reiz (was ich am Wochenende doch tatsächlich persönlich vor Ort recherchiert habe):

Tja, that’s life. Nun aber zurück zum Recruiter NG. NG steht für „Neue Generation“ meint damit neun zentrale Fähigkeiten, die in der Personalgewinnung künftig zentral werden – oder dies bereits sind oder sein sollten.

Die neu(e)n Kompetenzen der Recruiter Neue Generation

Recruiter der neuen Generation haben…

  • ein ausgesprochenes Flair für Kommunikation und entwickeln sich mehr und mehr zu Vertriebsprofis. Sie verkaufen das Unternehmen als Arbeitgeberin sowie die Jobs und werden so verstärkt Verkäufer und Marketer.
  • Verständnis für Informatikanwendungen und begreifen Zusammenhänge und Abhängigkeiten. Sie beherrschen Bewerbermanagementsysteme ebenso wie die Möglichkeiten der mobilen Endgeräte.
  • eine hohe Erreichbarkeit. Für sie ist klar, dass sich spannende und dialogbereite Bewerber nicht an den Bürozeiten orientieren. Dies bedingt in Verbindung mit den hohen Erwartungen der Linie und der vielen Reisen viel Flexibilität, aber auch die Kompetenz, abschalten zu können.
  • deutlich mehr als nur Anwenderkenntnisse in den Sozialen Netzwerken. Es braucht vielmehr echtes Backgroundwissen, wie die Netzwerke funktionieren, wie sie beeinflusst werden können, was funktioniert und was nicht. Darüber hinaus sind auch Kenntnisse neuer Tools wie zum Beispiel Local Based Networks (Foursquare) und ganz generell von Trends wichtig.
  • ein gehöriges Mass an Kreativität. Dies kommt zum Beispiel zum Tragen, wenn es um das Planen von Events geht. Dass dies bei der Bahn nicht nur leere Worte sind, beweist die DB aktuell mit der QR-Schnitzeljagd im Museum – und das nachts.
  • die Ausstrahlung, Aushängeschild des Unternehmens zu sein und es stilsicher zu repräsentieren. Gerade in den sozialen Netzwerken stehen die Recruiter mit ihrem aktuellen (!) Profil, also mit Bild, Namen und weiteren persönlichen Informationen für das Unternehmen ein. Sie sind nichts weniger als Botschafter des Unternehmens.
  • die nötige Schnelligkeit. Wie beim Start im Schwimmsport oder in der Leichtathletik, erfordern schnelle Medien ebensolche Reaktionen. Lange interne Freigabeprozesse sind da Gift im Kommunikationsgetriebe. Eine angemessen schnelle Reaktionszeit basiert auf dem technischen Grundverständnis der Systeme, der Sozialen Netzwerke und der Erreichbarkeit.
  • Kenntnisse in der Navigation. Nein, das Kapitänspatent müssen die Recruiter der Zukunft nicht auch noch haben. Aber das Wissen über die (Aufbau-) Organisation und die Funktionen, um Interessenten zielsicher über den geeigneten Einsatzbereich informieren und sie zur richtigen Stelle leiten zu können.
  • Netzwerkkompetenz. Dabei reicht das blosse Bespielen der Kanäle allein aber nicht mehr aus. Es geht darum, den Nutzen der einzelnen Kanäle für die aktuellen und künftigen Zielgruppen zu kennen, on- und offline Kanäle geschickt miteinander zu verlinken und so crossmediale Synergienpotenziale zu heben. Mehr noch: Netzwerkkompetenz heisst auch, über die HR-Grenzen hinaus zu denken; Personalmarketing clever mit Produktmarketing verbinden und so den Nutzen multiplizieren.

Mehr Informationen zu den Anforderungen der „Recruiter von morgen“ gibt es wie immer im Web, zum Beispiel hier bei Wolfang Brickwedde vom ICR.

Der Praxis-Schnelltest

Diese zum Teil neuen Kompetenzen waren im Fall des Recruitingteams Süd bereits bei der Anstellung zentrale Kriterien und die Basis, auf der nun ein intensiver Schulungs- und Entwicklungsprozess aufsetzt. Nun ist ja Robindro Ullah nicht nur ein sympathischer Typ, sondern auch ein einnehmender und eloquenter Redner (auch wenn er da noch nicht ganz an gewisse Schweizer Redner herankommt). „Da wollen wir doch einmal überprüfen“, habe ich mir gesagt, „wie gut seine Recruiter diese Anforderungen bereits verinnerlicht haben“. Schliesslich darf ich mich im Interesse meiner Leserinnen und Leser nicht einfach so blenden lassen. Weniger als drei Stunden nach Veranstaltungsende bitte ich aus dem ICE nach Zürich heraus eine der Recruiterinnen ganz spontan zum Twitter-Kurzinterview. Und sapperlott, tatsächlich: flexibel, schnell und mit den sozialen Medien auf Du und Du ist Stefania DeMarco, Recruiterin im Hochschulteam. Ich zwitscher hier einfach mal den Beweis.

Ich verleihe der sympathischen Recruiterin die höchste buckmanngewinnt-Auszeichnung (abgesehen natürlich vom Blogger Friendly Zertifikat): Für mich ist Steffi DeMarco nicht nur Recruiterin NG, sondern Recruiterin WG: Recruiterin Wundergut! Die Verleihung dieser exklusiven Wortkreation meiner Ehefrau an Einzelpersonen ist ein Ereignis, das in etwa so oft vorkommt wie die Blüte der Titanwurz. Also Steffi, bitte entsprechend hoch einordnen – und eventuell für eine saftige Lohnerhöhung nutzen. Auf jeden Fall vielen Dank!

Also, nochmal zum Mitschreiben: Die neuen Medien und damit verbunden neue Kommunikationsgewohnheiten der Zielgruppen sind Alltag. Nur logisch, dass damit verbunden auch jene, die mit diesen Menschen in Kontakt kommen wollen, über entsprechende und halt teilweise neue Skills verfügen müssen. Ich finde es für die ganze Branche des öffentlichen Verkehrs ermutigend, dass mit der Deutschen Bahn ausgerechnet ein Unternehmen des öffentlichen Personenverkehrs, und ein Staatskonzern dazu, eine solche Zugkraft entwickelt. Meine Hochachtung aus Zürich und auf Wiederlesen.

Kommentare ( 4 )

Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *