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Deutschland – Schweiz an der Recrution Convention Zürich: Der Halbzeitstand.

Als spitzzüngigen Blogger mit bisweilen „ätzenden“ Blogs – so hat mich Steffen Riedel von HR-Today in seinem Leitartikel letzte Woche bezeichnet. Anlass war mein Artikel zum aktuellen Stand von „Mobile im Schweizer Personalmarketing“ und die „Blog-Fachzeitschrift-Partnerschaft“ von HR-Today und diesem Blog. Heute zeige ich mal wieder meine Wandlungsfähigkeit – ich kann nämlich auch ganz anders. Zwei Dinge stimmen mich heute ausserordentlich milde. Erstens: eine wundergute Veranstaltung, die zweite Recruiting Convention Zurich, das innofizielle Klassentreffen der Schweizer Recruiting Afficionados. Zweitens: eine Wild-Card von Prospective Captain Matthias Mäder, die es mir ermöglicht, quasi aus der ersten Reihe zu bloggen und mir dabei den Jugendtraum eines Sportjournalisten zu erfüllen. Das Lake Side Stadion direkt am Zürichsee ist – wie bereits im Vorjahr – komplett ausverkauft, bis zum Anpfiff verbleiben nur noch wenige Minuten – hören wir uns also noch ganz schnell den Fans um.

Hohe Erwartungen

Ein Kurzumfrage vor Spielbeginn belegt: die Fans erwarten nichts weniger als ein Zusammentreffen zweier Teams auf höchstem Niveau, ein Spiel, das hält, was die Affiche verspricht.

Gisela Meier von der Allianz Schweiz AG war bereits bei der ersten Austragung vor einem Jahr dabei. Auch für dieses Jahr erwartet Sie wieder „viele Informationen über die neuesten Trends im Personalmarketing“ und freut sich darauf, „mit altbekannten und neuen Kolleginnen und Kollegen zu netzwerken“.

Auch Roland Staub, Geschäftsführender Partner von Corporate Management Selection kennt die Atmosphäre bereits aus dem Vorjahr. Ein Mann mit feinem Humor, darum erlaube ich mir, auf sein Markenzeichen hinzuweisen: für den heutigen Festtag hat er aus seiner Hosenträgersammlung seine Besten herausgesucht. Roland Staub freut sich nicht nur auf die Referate, sondern auch auf den Erfahrungsaustausch mit Kollegen und ist insbesondere an qualitativen KPI’s für die unterschiedlichen Suchkanäle interessiert.

So, nun aber genug der Worte. Wir schalten noch ganz kurz ab zur Werbung, danach geht’s gleich nach nur 34 Sekunden mit der Teamvorstellung weiter.

Die Teams.

Kurz zum Heimteam. Die Recruiting Convention wurde auch dieses Jahr von der Prospecitve Media AG organisiert – perfekt organisiert, das steht bereits jetzt fest. Kopf der Mannschaft ist Matthias Mäder, hier im Bild ganz links oben zu sehen, wo er ziemlich vollmundig einen überzeugenden Sieg verspricht. Mal schauen, ob er wirklich Luft für die ganzen 90 Minuten hat. Immerhin: Beobachter wissen, dass derzeit vor allem auch Marketingchefin Bea Schellenberg, die Organisatorin des Events, in einer bestechenden Form ist.

Mit in der Startelf der Schweizer Mannschaft dabei ist Gianni S. Raffi. Im Mittelfeld zieht Regisseur Men Keller von Coca-Cola die Fäden. Und im Sturm soll Aurelia Ehrensperger vom Gottlieb-Duttweiler Institut für Panik in den gegnerischen Abwehrreihen sorgen.

Aber auch die Gastmannschaft aus Deutschland ist hochkarätig besetzt. Sie wird angeführt von Dominik A. Hahn von der Allianz, einer festen Grösse im Personalmarketing und einziger Teilnehmer mit einer eigenen Sportmarke.

Libero Alexanda Götze (oder Libera?) sorgt für frischen Wind und viel Zug im Spiel nach Vorne. Dort soll es – einmal mehr – Wolfgang Jäger richten. Er ist mit den modernen Medien seit Jahren auf Du und Du, Experte unter anderem für Mobile-Recruiting. Der umtriebige Professor von der Hochschule RheinMain ist seit Jahren ein Garant für frische Ideen und damit seiner Zeit oft weit voraus. Einfach ein guter Typ, wenn ich das mal so salopp sagen darf. Nun aber geht’s endlich los.

Dominik A. Hahn, Allianz Deutschland AG: 3.5 Jahre Social Media und das Aus des „post-and-pray-Prinzips“.

Dominik A. Hahn ist Referent Personalmarketing bei der Allianz SE (wussten Sie eigentlich was „SE“ heisst? ich nicht…) und privat auch noch Blogger. Er startet launig in den Tag, mit ein paar lockeren Sprüchen (und einem – vermutlich mit Photoshop geschönten? – Schnappschuss vom Oktoberfest) hat er den Saal schnell im Griff. Der Medienwissenschaftler und Blogger postuliert nichts weniger als das Aus des „Post and Pray Prinzips“ in der Personalgewinnung. Damit meint er das Ende der viele Jahrzehnte überauernden Haltung in den Personalabteilungen, Stellen auszuschreiben und darauf zu hoffen, dass sich dann schon eine geeignete Bewerberin oder natürlich ein Bewerber bewirbt, die oder der einigermassen auf das Profil passt. Bereits heute unternimmt die Allianz viel, um mit porenziellen Bewerbern in Kontakt zu kommen und zu bleiben. Sie zwitschern, youtuben, posten und bloggen – kein Zweifel, die Allianz beherrscht den modernen Mehrkampf. Die Kanäle sind gut aufeinander abgestimmt, im Fokus steht der Dialog, wie hier auf der Karriereseite auf Facebook, wo schon mal Karrieretipps spielerisch mit Fussball verbunden werden. Dabei beweist der Weltkonzern auch Humor, so zum Beispiel mit den fast schon kultigen „Interview ohne Worte“ – was man sich ja gerade auch im Fussball ab und an wünschen würde.

Dominik Hahn lüftet exklusiv für die Schweiz auch das Geheimnis, welche Posts bei der Allianz Facebookseite die meisten Likes generieren: Attraktive blonde Frauen und Essen aus der Kantine. Muss ich mir für meinen Blog merken. Vor allem Ersteres… Zurück zum Thema: Der Allianz-Personalmarketer folgert, dass Personaler bzw. die Recruiter mehr und mehr zu proaktiven Sourcern werden und künftig wie Vertriebler denken und agieren müssen. Das Ende des „Post and Pray“ Prinzips eben. Wenn man dann noch im Ausblick von den geplanten Aktivitäten der Allianz – vor allem der Karrierewebseite der Zukunft – hört, könnte man durchaus neidig werden. Ein spannender Vortrag mit einem unglaublich lockeren, dabei aber immer auch glaubwürdigen Redner, dem man gerne zuhört. Leider ist sein Gastspiel nur kurz und nach einer fiesen Blutgrätsche muss er viel zu früh das Feld räumen.

Ich werde versuchen, Dominik als Kommentator für die zweite Halbzeit der Recruiting Convention 2012 zu gewinnen.

Neu ins Spiel kommt nun also Alexandra Götze, Personalmarketingchefin von Accenture.

Alexandra Götze, Accenture: Recruiting Ambassadors.

Alexandra Götze ist eine erfahrene Referentin – in der Schweiz ist aber auch sie noch nie aufgetreten. Von der Deutschland-Schweiz Polemik spürt sie gar nichts, im Gegenteil, wie sie mir kurz vor Beginn der Veranstaltung bestätigt. Sie freut sich darauf, länderübergreifend voneinander zu lernen. Die aufgestellte Personalmarketingchefin von Accenture hat sowieso keine Berührungsängste. Das beweist sie auch mit ihrem Vortrag. Auf diesen freue ich mich speziell. Denn auch wir von den VBZ versuchen ja, mit unseren „Social Media Ambassadoren“ die bestehenden Mitarbeitenden als Botschafter für das Personalmarketing zu gewinnen. Jetzt bin ich gespannt, wie dies Alexandra Götze in einer ganz anderen Branche, der Unternehmensberatung, tut und welche Erfolge sie damit hat. Über das Wirken von Alexandra Götze wurde in der Blogosphäre schon öfters berichtet.

Speziell am Vortrag von Alexandra Götze: Sie hat keine Folien mitgebracht und verspricht stattdessen, ganz einfach „ein bisschen aus dem Nähkästchen“ zu plaudern. Unkonventionell. Mutig. Gleich zu Beginn hängt sie die grosse Herausforderung von Accenture, genug Talente zu finden, an einer firmeninternen Anekdote über den „war for talents“ auf. Es geht ihr aber nicht um die Schlagzeile, sondern um das Vorgehen von Accenture, um die Talente anzusprechen. Die launige Präsentation lädt zum stresslosen Zuhören ein – also, was soll ich mich da abmühen, schliesslich bloggt Kollege Walter Schärer live auf dem Prospective Blog. Dahin verlinke ich Sie jetzt ganz einfach mal und gönne mir ein kleines Päuschen.

Was, schon fertig? Eine ganz tolle, ja temparamentvolle und definitiv auch humorvolle Präsentation von Alexandra Götze! Infotainment vom Feinsten undtatsächlich: Sie hat keine einzige Folie gezeigt. Die Zeit ist wie im Flug vergangen. Gleichzeitig bröckelt dank der smarten und eloquenten Referentin auch mein zugegebenermassen stereotypisches Bild „typischer“ Botschafter/innen grosser Beratungsunternehmen: diese stecken bei mir tendenziell in der Schublade „eher trocken, langweilig und mit von Praktikanten perfekt gestylten Charts“. Danke Alexandra, ich bin wieder von einem Vorurteil befreit.

Noch ein kurzes Wort (des Dankes…) an bzw. über Speedblogger Walter Schärer. Er ist einer der bekanntesten und aktivsten Blogger der Schweiz. Mehr noch: es gibt definitiv keinen Blogger, der schneller bloggt. Unglaublich, wie schnell er die wesentlichen Informationen erfasst und gleichzeitig auf Papier bzw. direkt in den Blog hämmert. Ganz grosse Klasse, Walter.

Davon abgesehen ist vom Schweizer Team noch nicht allzu viel zu sehen. Das ändert sich nun mit dem smarten Gianni S. Raffi.

Gianni S. Raffi, Helsana: Wie erfolgversprechend ist Direct Search über Social Media?

Gianni Raffi spricht über ein vielbeachtetes Vorgehen des Schweizer Krankenversicherers Helsana. Diese haben mit ihm ganz einfach das Headhunting für ihre freien IT-Stellen ingesourct. Mit anderen Worten: die Helsana und Gianni Raffi machen ernst mit „Active Sourcing“, dem neuen Zauberwort der Recruiting-Szene. Wobei – „ganz einfach“ ist das Insourcing dieser für die HR-Spezialisten in den Unternehmen natürlich nicht. Wie erfolgversprechend ist denn Direct Search über Social Media? Diese zentrale Frage steht denn auch gleich am Anfang des Vortrags von Gianni Raffi, der thematisch perfekt an die beiden vorgängigen Referate anknüpft.

Die Helsana sucht, wie viele andere Schweizer Unternehmen auch, händeringend nach ICT-Fachkräften. Gianni Raffi erzählt anschaulich vom Druck, ja, der puren Notwendigkeit, etwas zu ändern. Der Markt ist ausgetrocknet, der Konkurrenzkampf gross. Darum setzt die Helsana in einem Versuch auf Direct Search und hat dafür den ehemaligen Headhunter Raffi angestellt. Dieser zieht ein positives Résumée. Sechzig Prozent der IT-Stellen der Helsana konnten besetzt werden, mehr als ein Drittel davon über Direct Search. Es geht also darum, geeingete Kandidaten ausfindig zu machen, sie anzusprechen, mit ihnen in Kontakt zu bleiben. Das Ende des „post-and-pray Prinzips“, würde es Domink Hahn nennen. Gianni Raffi zeichnet denn auch in seinem Vortrag ein anschauliches Bild über die Entwicklungen im Berufsbild der Recruiter (einem Thema, zu welchem übrigens auch Robindro Ullah viel zu sagen hat, zum Beispiel hier). Active Search verlangt ganz neue Kompetenzen der HR-Profis, das Rollenverständnis bewegt sich immer stärker in Richtung eines Beraters und Verkäufers und macht dies am Rollenmodell des Institute for Competitive Recruiting von Wolgang Brickwedde auf:

Bei der Suche nach und dem Ansprechen von geeigneten Kandidaten setzen die Helsana und Raffi auf die hoch frequentierten Social Media Plattformen, die auch in der Schweiz starke Nutzungszahlen haben. Diese an sich nicht neuen Informationen sind hier übersichtlich dargestellt, darum möchte ich sie Ihnen nicht vorenthalten:

Gianni S. Raffi zieht ein positives Fazit seines Wirkens, nicht nur was die nackten Anstellungszahlen betrifft. Auch das Image der Helsana auf dem IT-Arbeitsmarkt wurde deutlich gestärkt, sie wird durch das mutige und innovative Vorgehen verstärkt als attraktive Arbeitgeberin wahrgenommen. Auch in Bezug auf „time-to-hire“ lohnt sich das Vorgehen, es sind deutlich weniger Interviews pro Anstellung nötig, der Prozess beschleunigt sich. A propos lohnen: das Einsparpotenzial bei externen Headhuntern und Executive Search Unternehmungen beziffert die Helsana mit rund einer halben Million Franken. Pas mal.

Bedingt durch die beiden Auswechslungen wird noch einige Minuten nachgespielt, dann gehen die Teams und die Zuschauer in den wohlverdienten „Pausentee“. Prof. Dr. Jäger, Men Keller und Aurelia Ehrensperger laufen sich für die zweite Halbzeit warm.

Über die zweite Halbzeit berichtet dann Dominik A. Hahn auf seinem Blog.

Und auch HR-Today online berichtet bereits heute Dienstag über meinen kurzen Blogger-Input und dann in den nächsten Tagen ausführlicher. Ich wünsche Ihnen schon jetzt beim Lesen viel Vergnügen und sage Ihnen, wie immer

Auf Wiederlesen.

 

Kommentare ( 8 )

  • Jörg Buckmann über’s Bloggen | Prospective sagt:

    […] Der Beitrag zur Halbzeit der Recruiting Convention auf blog.buckmanngewinnt liest sich hier. […]

  • Alex Götze sagt:

    Lieber Jörg, vielen Dank für die lieben Worte- Es freut mich, das es gefallen hat und ich mit Vorurteilen aufräumen konnte. Man hat es mir aber auch leicht gemacht: Tolles Publikum die Schweizer! Liebe Grüsse Alex PS: Das nächste Mal bitte kein Profilfoto von mir….gaaaanz unvorteilhaft :-)

    • Jörg Buckmann sagt:

      Liebe Alex, war mir ein Vergnügen, Dich heute nach 2011 wieder einmal an einer Tagung getroffen zu haben. Dein Vortrag war wirklich schlicht „Hammer“. Etwas weniger „Hammer“ findest Du Dein Profilfoto. Ok, es ist natürlich ein ungeschriebener Bloggerehrenkodex, dass nur Fotos geschaltet werden, die der abgebildeten Person gefallen. Ich habe Darum Dein Foto entfernt, wir haben ja immerhin draussen an der frischen Morgenluft noch ein anderes, unbestritten tolles Foto gemacht und im Artikel eingepflegt. Noch viel Spass in Zürich und bis zum Nächstenmal. Beste Grüsse Jörg

  • alex götze sagt:

    Hammer Service Herr Buckmann, ich danke herzlichst :-)
    Bis hoffentlich bald, lg Alex

  • Marco De Micheli Redaktor HR-Blog sagt:

    Sehr interessant, diese Tagung und die Aussagen hier. Das HR kann viel vom Marketing lernen, auch was den Einsatz neuer Medien betrifft, was es aber bereits mehr tut als viele vermuten. Einige Fragen: Wie wird kommuniziert, welche Medien werden eingesetzt, welche Botschaften vermittelt, welche Argumente verwendet? Vor allem bei der Personalgewinnung sind genau diese Fragen von ebenso grosser Bedeutung: Nur wer in Stellenanzeigen on- und offline, auf Karriere-Websites und in Onlineforen glaubwürdig, überzeugend, sympathisch, aber auch präzise und konkret kommuniziert und mit Bewerbern in einen Dialog tritt, die Sprache seiner Zielgruppen spricht, dabei die Kommunikationsinstrumente aufeinander abstimmt und sein Profil und seine Kernbotschaft klar rüberbringt, hat Erfolg, verankert ein nachhaltiges Employer Branding und findet so die besten Talente und Mitarbeiter.

    • Jörg Buckmann sagt:

      Lieber Herr De Micheli, danke für Ihr ausführliches Feedback. Ihre Aussage, wonach HR „neue Medien bereits mehr anwendet als viele vermuten“, finde ich spannend, sie überrascht mich doch einigermassen. Mich und vielleicht auch noch ein paar andere Leserinnen und Leser würde interessieren, wie Sie zu dieser Erkenntnis gelangen. Besten Dank für’s Mitdiskutieren, herzliche Grüsse. Jörg Buckmann

  • Rückblick auf die Recruiting Convention 2012 | Eqipia sagt:

    […] etwas andere Zusammenfassung gibt es einmal mehr von der VBZ-Allzweckwaffe Jörg Buckmann (1. Halbzeit) und dem sozialen Brandmarker Dominik Hahn (2. Halbzeit). Copyright: Walter Schärer, […]

  • Recruiting Convention 2012 - re-live erleben - personalblogger sagt:

    […] Zürich, der übrigens auch selbst einen Vortrag übers Bloggen hielt, bereitete die 1. Hälfte der Recruiting Convention 2012 auf. Diese umfasst mein eigenes Referat “3 1/2 Jahre Social Media & das Ende des […]

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