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Die Berlinale der HR-Zunft: Prämierte Arbeitgebervideos.

In wenigen Tagen beginnen in Berlin die 63. Internationalen Filmfestspiele. Regisseure, Stars und Sternchen geben sich die Ehre und kämpfen mit ihren Filmen um einen goldenen Bären und natürlich um Geld, Ruhm oder zumindest ein bisschen Aufmerksamkeit. Um Aufmerksamkeit geht es auch den Personalmarketing-Strategen, wenn sie mit mehr oder weniger ausgefeilten Videokonzepten um die Gunst potenzieller Zuschauer – äähh ich meine natürlich Bewerberinnen und Bewerbern werben. Was der Berlinale der Talent Campus, ist bei den HR Excellence Awards die Kategorie „Arbeitgebervideo“. Die hoffnungsvollsten HR-Regisseure wurden kürzlich in Berlin ausgezeichnet.

5. Dezember 2012, Ritz Carlton Berlin. Strahlende Gesichter bei den HR-Verantwortlichen der Techniker Krankenkasse um Projektleiter Nils Becker. Sie haben soeben den HR Excellence Award für das beste Arbeitgebervideo (Konzerne) gewonnen. Zu recht, wie ich finde, denn das Video musste sich gegen eine starke Konkurrenz behaupten. Als Jurymitglied war ich angenehm überrascht: in Zeiten, wo man meinen könnte, dass nur noch mehr oder weniger gelungene Musikvideos im Personalmarketing zum Einsatz kommen, war die Auswahl in dieser Kategorie wohltuend. Schlussendlich obsiegte das gelungene Konzept der Techniker Krankenkasse (TK). Mich sprechen die Machart und die Dramaturgie des Films sehr an – für einen Arbeitgebervideo meines Erachtens nicht selbstverständlich und auf jeden Fall aussergewöhnlich. In nur 22 Sekunden gibt’s nun hier einen ersten kleinen Einblick:

http://www.youtube.com/watch?v=vbTTeXg8-4M

Sympathisch dabei ist nicht nur das Resultat (hier gibt’s den ganzen Film zu sehen), sondern auch dessen Entstehung. Wie ich schon auf meinem Gastblog auf jobs.ch geschwärmt habe (Achtung: inklusive „Bonustrack“ meiner heissgeliebten ABBA!), wurde der Film massgeblich von den Trainees der Techniker Krankenkasse gestaltet und produziert. Somit suchen die Nachwuchskräfte der zweitgrössten Krankenkasse Deutschlands ihre Nachfolger/-innen gleich selber. Offenbar hat das nicht nur Arbeit, sondern auch viel Spass gemacht:

 

Viel Aufwand – und der Ertrag?

Viel zu viel unnötiger Aufwand für „nur“ knapp zwanzig gesuchte Trainees, werden nun die Videokritiker und Printfetischisten sagen. Nicht für Projektleiter Nils Becker. Er hält wie auch andere Arbeitgeber (zum Beispiel die VBZ) grosse Stücke auf das Medium Video. „Durch die neue Form der Ansprache werden hoffentlich auch einige Hochschulabsolventen auf die TK aufmerksam, die uns bislang vielleicht nicht als potenziellen und interessanten Arbeitgeber, sondern nur als ihre Krankenversicherung wahrgenommen haben“, meint er dazu. Ausserdem hat für ihn das Projekt „Traineevideo 2013″ einen doppelten Effekt: Einerseits geht es um die frische und unkonventionelle Ansprache von Hochschulabsolventen als Trainees, andererseits war das Filmprojekt für die bestehenden Trainees auch ein grosses Lernfeld, um praktische Erfahrungen in der Projektarbeit zu sammeln und sich themenübergreifend stärker zu vernetzen. Nils Becker spricht denn auch von einer „klassichen Win-Win-Situation für alle Beteiligten“.

Auffallen um jeden Preis?

Wer neue Wege beschreitet, ruft oft auch Neider auf den Plan. Das gilt im Speziellen bei öffentlich-rechtlichen Unternernehmen, wo mit Vorliebe ultraliberale oder erzkonservative Heckenschützen gerne eine Verschwendung öffentlicher Gelder vermuten. Ich meine, dass es gerade für Unternehmen wie die TK ein Muss ist, aufzufallen und etwas Neues zu wagen. Sich selber anzupreisen und seine Leistungsfähigkeit dazustellen, ist schliesslich nicht verboten, klappern gehört zum Marketinghandwerk. Das ist auch bitter nötig, denn bei den „Young Professionals“ stehen starke (Konsumgüter-) Marken ganz oben auf ihrem Arbeitgeberwunschzettel. Eine Krankenkasse, zumal eine öffentlich-rechtliche, findet sich in keiner Hitliste, wie auch vor kurzem „die Welt“ berichtete.

Öffentlich-rechtlichen Arbeitgebern hängt noch zu oft der Makel des langweiligen, bürokratischen Beamtenapparats an. Diese Meinung ist mittlerweile vielerorts überholt und viele dieser Arbeitgeber wie die TK überzeugen mit einer grossen Berufsvielfalt, einem für viele vielleicht überraschend grossen Handlungsspielraum und tollen Entwicklungsmöglichkeiten. Diese Arbeitgebervorteile müssen, um etwas vom Image wegzukommen, auch dementsprechend frisch kommuniziert werden. Also, alles richtig gemacht, liebe Techniker-Krankenkasse.

Wer mehr über die Hintergründe des Trainee-Videos erfahren möchte, dem sei das grosse Interview mit Nils Becker auf dem Personalmarketingblog von Lutz Altmann empfohlen.

Ebenfalls überzeugend: Das Arbeitgebervideo von s.Oliver

Ebenfalls sehr gut gemacht ist aus meiner Sicht das emotionale, fröhliche Arbeitgebervideo von s.Oliver. Eine spezielle Herausforderung der in den letzten Jahren stark gewachsenen Marke ist die Internationalität. Mit der schön umgesetzten Idee – Mitarbeitende aus aller Welt hielten ihr Arbeitsumfeld auf 5’000 Polaroids fest – kommt dieser multikulturelle Aspekt auf eine sympathische Art sehr gut zur Geltung. Das professionelle (und wie ich vermute ziemlich aufwändige Video) passt aus meiner Sicht ausgezeichnet zu einer Modemarke wie s.Oliver. Die Musik spielt auch hier eine wichtige Rolle und passt perfekt zum schnellen Schnitt des Films.

Wie die Techniker Krankenkasse setzt auch s.Oliver bei der Bewerbung ihrer Trainee-Stellen auf Video. So zeigt hier Marie-Christine, was sie in ihrem Trainee-Jahr im Bereich Design erlebt und auf der Karriereseite des Unternehmens werden auch andere Traineeprogramme per Video bewoben. Vorbildlich.

Stark.Stihl.

Ebenfalls auf der Berliner Shortlist der drei besten Arbeitgebervideos mit dabei die Personaler von Stihl mit ihrem Recruitingfilm. Das deutsche Traditionsunternehmen macht schon seit Jahren mit einem ausgezeichneten Personalmarketing auf sich aufmerksam – was angesichts des schwierigen Arbeitsmarktes und der übermächtigen Konkurrenz der süddeutschen Autokonzerne eine schiere Notwendigkeit ist, zumal die Produkte des Marktleaders nicht bei jedem spontan nur positive Assoziationen auslösen – weil sie zum Beispiel laut und nervig sind (aber auch, wie es der Kampangnenname sagt, stark sind – was bewiesen weden kann).

Nun, zurück zu Stihl. Die haben wie bereits erwähnt einen richtig guten Arbeitgeberauftritt. Sie sind auf allen wichtigen Kanälen aktiv und bespielen diese sehr gekonnt auch crossmedial. Auch hier haben mir andere bereits viel Arbeit abgenommen und darüber gebloggt, so zum Beispiel Eva Zils oder – schon wieder er 😈  – Lutz Altmanns Personalmarketingblog. Der Recruitingfilm ist denn auch Teil einer ganzen Kampagne, welche auch Print und neuartige online-Stelleninserate mit einschliesst.

Der Film ist ein Art „Making of“ dieser Print- bzw. Stellenanzeigen. Eine schöne Idee, die natürlich so gut und professionell umgesetzt ist, dass das Video weit mehr als ein zufälliges „Making of“ ist. Schöne Idee, so kommt das Video frisch und leicht daher, es wirkt authentisch.

http://www.youtube.com/watch?v=Stkcdvdc_7w

Das „Making of“ ist aber nicht das erste Video des Unternehmens – mein Favorit ist eigentlich schon zwei Jahre alt. Es ist vielleicht das beste Werbevideo für Ingenieure. Ich bin begeistert, wie elegant die Stihleraner (oder wie sagt man das wohl?) ihre Arbeitgebervorteile für Ingenieure in diesen interessanten Film einpacken und sich dabei geschickt gegen die Konkurrenz der Autobauer abgrenzen.

http://www.youtube.com/watch?v=-OJrlb_F440

So, ich glaube, das reicht für heute. Die inoffizielle Berlinale für HR-Regietalente schliesst und auch ich mache Feierabend. Sonst heisst es wieder, meine Beiträge wären episch. Wenn Sie noch etwas mehr Musik haben wollen, dann schauen Sie bei den Personalbloggern vorbei.

Auf Wiederlesen.

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