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Die besten Arbeitgeberauftritte der Schweiz

SUI_Gold_2013_14_neuKürzlich hatten 500 Schweizer Arbeitgeber Besuch, ja sie wurden gewissermassen sogar richtig ausspioniert. Haben Sie nichts bemerkt? Keine dunklen Gestalten mit hochgeschlagenen Mantelkrägen? Oder geheimnisvolle schöne Frauen, die ihre Ohren überall hatten? Natürlich läuft es nicht wie im Spionagethriller, wenn sich der Career Verlag auf die Suche nach den Firmen mit dem besten Arbeitgeberauftritt macht. Diese Woche wurden in Zürich erstmals die Schweizer „Best Recruiter“ ausgezeichnet. Und die Besten der Besten sind… … die Helsana. Bravo! Die Helsana hat also die „Best Recruiter“ der Schweiz. Dass der Arbeitgeberauftritt des Krankenversicherers gut ist, sehr gut, darüber habe ich bereits vor einigen Monaten berichtet. Da hatte ich wohl eine richtig gute Nase. Dabei kommt mir gerade der Kultspruch aus einem Sketch von Loriot in den Sinn: „Ich muss die Nase meiner Ollen, an jeder Grenze neu verzollen.“ Ganz einfach wunderbar, Vico von Bülow. Aber um ihn geht es ja nicht, also zurück zum Thema. „Ä gsundi Sach“ nannte ich meinen Beitrag über den Arbeitgeberauftritt der Helsana und damit lag ich ausnahmsweise also nicht so falsch.

Employer Branding und Candy Date Experience

Nicht weniger als 513 Arbeitgeber aus der Schweiz (und dem Fürstentum Lichtenstein) haben die „Spione“ von Career’s Best Recruiter unter die Lupe genommen. Dabei haben sie sich auf den Arbeitsmarktauftritt und den Umgang mit Bewerberinnen und Bewerbern fokussiert. Also quasi die Aussensicht eingenommen. Uns im HR kann es ja nicht schaden, wenn uns ab und zu (bisweilen schmerzhaft) der Spiegel vor die Nase gehalten wird. Dass dies nun nach Österreich und Deutschland auch in der Schweiz gemacht wird, macht Sinn. Denn der Schweizer Arbeitsmarkt ist speziell hart umkämpft. Es herrscht de facto Vollbeschäftigung und der Arbeitsmarkt ist definitiv zu einem Arbeitnehmermarkt mutiert. Eine Änderung ist nicht in Sicht. Die Unternehmen machen sich für ihre Zielgruppen hübsch. Employer Branding heisst das auf Neudeutsch und einer der profiliertesten Experten in diesem Fach ist Professor Dr. Armin Trost. Er bringt es auf den Punkt: „Employer Branding heisst, als Arbeitgeber erlebbar zu werden.“

Wie gut es den Arbeitgebern gelingt, ihr Unternehmen und ihre Jobs bei den potenziellen Bewerbern „erlebbar“ zu machen, genau das steht im Mittelpunkt der Untersuchungen der Studie. Sie fokussiert dabei auf den online-Auftritt der Unternehmen, also auf Karriere-Webseiten, auf die Stellenanzeigen und untersucht den Social Media – Auftritt und die Dialogfähigkeit der Unternehmen, beispielsweise auf Kununu. Und sie testet nichts anderes als die Kundenorientierung der Personalabteilungen, indem der Umgang mit Bewerbungen getestet wird. Etwas hemdsärmelig ausgedrückt geht es also um die Überprüfung, wie wohl sich die (potenziellen) Bewerber bei einem Arbeitgeber fühlen. Auch dafür gibt es einen gescheiten Ausdruck: Candidate Experience. Wobei mir die Version von Kultblogger Henner Knabenreich besser gefällt: Candy Date Experience. Jawoll, es geht darum, das Date von Bewerber und Unternehmen so „süss“ wie möglich zu gestalten.

Die „Best Recruiter“ Studie

Welche Schweizer Arbeitgeber reagieren auf den gefürchteten Fachkräftemangel richtig und setzen überzeugende Recruiting-Strategien um? Genau diese Frage hat sich Best Recruiters, die grösste Recruiting-Studie im deutschsprachigen Raum, zu Eigen gemacht. Sie untersucht die Recruiting-Qualität der 500 Top-Arbeitgeber Deutschlands, Österreichs und seit neuestem auch der Schweiz. Und so funktioniert deren 3-Säulen Untersuchung:

Drei Säulen

Was fällt auf? Ich picke kurz drei interessante Erkenntnisse der Untersuchung über die Arbeitgeberauftritte in der Schweiz heraus:

Erstens: Den Arbeitgeberauftritten in der Schweiz fehlt es fast flächendeckend an Emotionen. In sieben von zehn Firmen gibt es weder Bild noch Ton:

Bild und Ton in Karriere-Webseiten

 

Zweitens: Die Mobile-Entwicklung wird bis jetzt komplett verschlafen:

Mobile

 

Drittens: Das „Candy Date“ der Kandidaten mit ihren möglicherweise künftigen Arbeitgebern gleicht eher noch häufig dem Biss in einen sauren Apfel:

Antwortfrist

Die überzeugendsten Schweizer Arbeitgeberauftritte 2013/2014

Foto-22Am Mittwoch fand nun also – nomen est omen – im Zürcher Prime Tower die Würdigung der „Best Recruiters“ statt. Studienleiter Helmuth Stöber begrüsste die Besten ihrer Branche, um ihnen die Studienergebnisse persönlich zu erläutern. Viele gutgelaunte Personaler/-innen kamen, um ihr Zertifikat entgegen nehmen – und sich auch ein bisschen feiern zu lassen.

Auf dem Siegertreppchen der besten Recruiter der Schweiz sind die Swiss Life (Platz 3) und, auf dem Bild unten, die sympathische Truppe von der KPMG (Platz 2). Chapeau, ich gratuliere herzlich.

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Verdiente Siegerin jedoch ist die Helsana, vertreten von Personalchefin Heidi Widmer und der Personalmarketingverantwortlichen Kathrin Zimmermann, hier bei der Übergabe der Zertifikate durch Markus Gruber, dem Initiator von Best Careers und Kuno Ledergerber, dem wissenschaftlichen Beirat (lesen Sie hier das Kurzinterview mit ihm im Vorfeld der Veranstaltung).

Und hier noch die Top Twenty:

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The winner takes it all: Siegerinterview mit Kathrin Zimmermann von Helsana

Was bedeutet Euch dieser Sieg, Kathrin? Und bitte keine falsche Bescheidenheit…

Kathrin Zimmermann: „Die Auszeichnung macht uns sehr stolz! Sie ist eine Bestätigung unserer täglichen Arbeit, ein Wegweiser, dass wir auf dem richtigen Weg sind und motiviert uns zusätzlich, es künftig noch besser zu machen.“

Was macht ihr gut, was ist Euch wichtig?

Foto 4Kathrin Zimmermann (links im Bild): „Die „ausgezeichnete Arbeit“ der Arbeitgeberin Helsana basiert auf mehr als einer Massnahmenliste. Es ist ein Puzzle aus vielen Teilen, das als stimmiges Ganzes wahrgenommen wird. Neben Innovation liegt der Fokus unserer Arbeit auf Kontinuität, Professionalität und Kundenorientierung. Wir setzen uns in der Rekrutierung realistische Ziele. Im Zentrum steht die Kundenorientierung, sowohl intern als auch extern. Weiter unterliegen alle unsere Abläufe und Massnahmen einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess. Dieser basiert unter anderem auf einem Ideenmanagement, an welchem sich Mitarbeitende und Vorgesetzte aber auch Bewerbende beteiligen können.“

Wo habt sogar Ihr noch Luft nach oben?

Kathrin Zimmermann: „Wir messen, hinterfragen und optimieren unseren Rekrutierungsprozess laufend. So beschäftigt uns unter anderem die Thematik einer noch passgenaueren Ansprache der Kandidaten. D.h. gezielter ausschreiben und damit die Anzahl der Bewerbenden einschränken. Dies bedeutet einerseits eine Optimierung der Aufwendungen und andererseits eine Reduktion von enttäuschten Bewerbenden. Auch Themen wie die direkte Ansprache von geeigneten Kandidaten steht auf unserer Agenda. Wir sind uns bewusst, dass unsere Messlatte nun noch höher liegt – wir werden alles daran setzen, unsere potenziellen neuen Mitarbeitenden weiterhin kompetent und zuvorkommend zu behandeln.“

Danke, Kathrin.

SCHWEIZ ZUERICH AUSZEICHNUNG BEST RECRUITERSFoto 1Zusätzlich zu den Gesamt-siegern wurden die Besten ihrer Branche ausgezeichnet, so wie Judith Oldekop von der Swisscom (links) oder, was mich speziell freut, von den Stadtzürcher Elektrizitätswerken (ewz) meine Kollegen/in Philipp Hatt und Barbara Bigler. Und dann wäre da noch mein wunderbares Team des VBZ-Personalmanagements…

SCHWEIZ ZUERICH AUSZEICHNUNG BEST RECRUITERS

Das Branchenranking Transport/Verkehr/Logistik

Natürlich kann ich es nicht lassen, eine ganz bestimmte Branche etwas genauer anzuschauen. Die Verkehrsbranche gehört nicht zu den bevorzugten Wunschzielen der Berufstätigen. Umso wichtiger ist es also für die Unternehmen, mit einem infomativen, emotionalen und auch ein bisschen frechmutigen Arbeitgeberauftritt auf sich aufmerksam zu machen und Vorurteile abzubauen. Das gelingt noch unterschiedlich gut. Ein bisschen Selbstlob muss sein – Platz 1 in dieser Kategorie: Die Verkehrsbetriebe Zürich. Was uns speziell freut: Der 11. Platz im Gesamtranking (von 513). Wobei… dass es nicht für die Top Ten gereicht hat, wurmt mich schon etwas.

Branchenranking

Zurück zur Veranstaltung im Prime Tower. Ich habe die Gelegenheit genutzt und Verlagsleiterin Julia Hauska über die Studie selber, die Ergebnisse der ersten Durchführung in der Schweiz und Unterschiede zwischen den DACH-Ländern befragt.

Interview mit Julia Hauska, Verlagsleiterin von Career Verlag / Best Recruiters

Frau Hauska, kununu-Top Company, Universum, Friendly Workspace, Great Place to Work und so weiter – brauchen wir jetzt wirklich noch ein Siegel?

Foto jJulia Hauska: „Die Frage ist berechtigt und auch sehr leicht zu beantworten. Ist Ihnen ein anderes Siegel bekannt, das den Umgang von über 500 Arbeitgebern eines Landes mit ihren BewerberInnen so umfassend untersucht und die Qualität des Recruitings auf insgesamt 82 Kriterien testet, und zwar bei jedem Arbeitgeber? Ich kenne auch keine Studie, in welcher gleich vier Spontanbewerbungen pro Arbeitgeber versendet werden und auch ein Anruf durchgeführt wird, um sowohl die Kompetenz als auch den professionellen und wertschätzenden Umgang mit BewerberInnen zu überprüfen. Alle Reaktionen und Rückmeldungen werden protokolliert und nach einem genauen und fairen Massstab bewertet. Wir nehmen die BewerberInnen-Sicht ein und halten den Recruitern einen Spiegel vor Augen.“

In der Schweiz ist Helsana BEST RECRUITER. Was macht die Helsana besonders gut?

Julia Hauska: „Von der Gestaltung und dem Informationsangebot der Karriere-Website und ihrem Social-Media-Auftritt über die Online-Stellenanzeigen bis hin zur Kommunikation mit ihren BewerberInnen konnten durchgängig ausgezeichnete Leistungen beobachtet werden. Insbesondere die Karriere-Website zeigt sich bewerbernah. Videostatements von Mitarbeitenden und Fotos von Lernenden geben authentische Einblicke. Trotz umfangreicher Informationen ist die Website übersichtlich gestaltet, und es muss nicht lange nach bestimmten Inhalten gesucht werden. Jede Zielgruppe, egal ob Professionals, Absolventen oder Lernende, bekommt schnell Auskunft darüber, welche Möglichkeiten und Vorteile Helsana als Arbeitgeber bietet und für welche Werte das Unternehmen steht. Insgesamt also ein wundervoll unkomplizierter und sehr durchdacht gestalteter Internet-Auftritt.“  

Wenn Sie die Ergebnisse der Schweiz mit jenen aus Österreich und Deutschland vergleichen – gibt es da Auffälligkeiten?

Julia Hauska: „Insgesamt betrachtet schneiden die deutschen Arbeitgeber deutlich besser ab als jene in Österreich und der Schweiz. Ein tiefergehender Blick auf einzelne Bereiche zeigt, dass die einzelnen Ländern unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Schweizer Arbeitgeber zeigen sich fortschrittlicher bei der Gestaltung und Formulierung von Online-Stellenanzeigen, deutsche Arbeitgeber hingegen setzen einen Fokus auf Karriere-Websites und Social-Media-Präsenzen. Österreichische Arbeitgeber wiederum zeigen sich insbesondere im Umgang mit Bewerbern und Bewerberinnen, also im direkten Kontakt per E-Mailoder auch telefonisch, professioneller.“

Was hat Sie bei den VBZ speziell überzeugt?

Julia Hauska: „Bei den VBZ gefällt uns besonders gut, dass hier nicht bloss Recruiting-Trends aufgegriffen werden, sondern zudem innovative, ja sogar unkonventionelle und vor allem zukunftsweisende Möglichkeiten der Umsetzung gewählt werden, Stichwort Mobile Recruiting und Video-Stellenanzeigen. Mit der mobil optimierten Karriere-Website und ebensolchen online-Stellenanzeigen nehmen Sie bei den VBZ derzeit noch eine Vorreiterrolle ein. So können potenzielle Bewerberinnen auf der Karriere-Website der VBZ mit mobilen Endgeräten problemlos navigieren, und zudem sind auch die offenen Vakanzen optimiert. Weiters wird auch das Recruiting über Social-Media-Plattformen bei den VBZ grossgeschrieben. Ein eigenes Job-Profil auf Facebook, genauso wie ein kununu-Profil und Karriere-Videos auf YouTube gehören schon seit Jahren zum Recruiting-Repertoire der VBZ. Wenn Sie mich persönlich fragen, was mich bei den VBZ am meisten fasziniert, sind es eindeutig die genialen Stellenangebote, bei welchen sich der zukünftige Chef bzw. Chefin beim Bewerber bzw. der Bewerberin vorstellt — und das auch noch per Video. Als ich das VBZ-Recruiting zum ersten Mal gesehen habe, war ich, auch wenn ich dem sich bewerbenden Chef aufgrund seines Schwizerdütsch nicht ganz folgen konnte, hin und weg von dieser bahnbrechenden Idee. Die VBZ haben es mehr als nur verstanden, dass der Trend künftig vermehrt in Richtung Arbeitgeber-Bewerbung geht, um am Markt erfolgreich bestehen zu können.“

Ich könnte noch stundenlang zuhören, loben Sie ruhig weiter… Ernsthaft: Gibt es auch 2015 wieder ein Schweiz-Ranking? Schliesslich wollen wir mindestens in die Top 10!

Julia Hauska: Ja, das wird es geben, und wir freuen uns jetzt schon auf die nächste Erhebung. Die Entwicklung der einzelnen Arbeitgeber zu verfolgen, was die jährliche Durchführung der Studie ermöglicht, finde ich persönlich besonders spannend und bereitet mir die wahrscheinlich grösste Freude. Neben dem jährlichen ist der vorhin erwähnte internationale Vergleich interessant. Gerade durch die vielen Vergleichsmöglichkeiten, sei es international, regional, branchenspezifisch oder auch zeitlich, können wir Arbeitgeber mit dem BEST-RECRUITERS-Paket unterstützen, deren Recruiting-Massnahmen und Qualität zu optimieren.“

Vielen Dank, Frau Hauska.

So, genug für heute. A bisserl Musik zum Abschluss wäre jetzt sicher angebracht. Was passt besser als die inoffizielle Helsana-Hymne…

Auf Wiederlesen.

Bildnachweis: PHOTOPRESS; Alexandra Wey, Best Recruiter/Career Verlag, Jörg Buckmann

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