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Eine Art „Frechmut-Studie“ über Social-Media-Nutzung

IMG_2408Dar’s ein bisschen mehr sein? Dieses Motto scheint mir bisweilen bei Studien der Fall zu sein. Da noch eine, dort noch eine, und noch eine und noch eine… Sie merken es, ich bin nicht unbedingt ein Fan von so genannten Studien. Darum, ich gebe es schon jetzt zu, stammt die im Titel erwähnte „Frechmut-Studie“ auch nicht von mir. Meine nennen wir es kritische Distanz rührt daher, dass oft allein schon der Name eine Mogelpackung ist und sich die so genannte Studie bei näherem Hinsehen als simple Umfrage ohne valide Aussagekraft, geschweige denn einem Mehrwert, entpuppt. Die Studie zur Social-Media-Nutzung von ADP Deutschland bestätigt mich in meiner tendenziell kritischen Haltung. Weniger die Studie selber, als vielmehr die Expertise des Studienherausgebers ADP Deutschland selber zum erforschten Thema lässt aufhorchen. Ich muss schon sagen: Ziemlich frechmutig, eine Studie zu einem Thema herauszugeben, von dem man selber ganz offensichtlich ziemlich wenig versteht. Mal nett ausgedrückt.

Der Personaldienstleister ADP Deutschland analysierte im Rahmen einer Studie zur Social-Media-Nutzung im Personalbereich die Karrierewebseiten und Social Media-Auftritte von 87 Unternehmen. Das Ergebnis: Deutsche Unternehmen müssen im Social Web deutlich nachbessern. Das habe ich in verschiedenen Online-Medien gelesen. Der Vorsitzende der Geschäftsführung des HR-Dienstleisters, Professor Andreas Kiefer, wird in der Pressemitteilung wie folgt zitiert: „In Zeiten des Fach- und Führungskräftemangels müssen deutsche Unternehmen wesentlich mehr tun, um für hochqualifizierte Mitarbeiter zu werben.“ Wie wahr, Herr Kiefer.

Ich konnte der Versuchung nicht widerstehen und bin bei ADP Deutschland vorbeigesurft. Schliesslich sagte auch der Studienleiter, Professor Dr. Walter Gora, etwas Gescheites dazu, nämlich: „Der Fokus vieler Unternehmen liegt mit Abstand auf der eigenen Karrierewebseite. Potenzielle Interessenten müssen diese aber erst einmal finden.“ Yes, auch das ist gekauft, kann man laut sagen. Die Mauern um die HR-Abteilungen gehören eingerissen. Also, bei ADP sieht die Auffindbarkeit dann so aus:

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Ganz unten der Link zum Karrierebereich – damit Sie nicht zu lange suchen müssen. Naja, nicht so schlimm, ist anderswo auch so. Also, wie werden wir nun im Karriere-Bereich empfangen? So:

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Unübersehbar eine Open Company von Kununu. Und noch ein Top-Rating, jenes rechts unten, nicht zu übersehen. Kennen Sie nicht, gell?! Darum hier noch in gross, inklusive der Erklärung:

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Top-Rating 1 für Kreditwürdigkeit. Finde ich cool. Die Botschaft: Hier ist Deine Gehaltszahlung gesichert. Wer dachte, der Focus-Xing-Award sei der neueste Schrei, ist hoffnunglos von gestern.

Bildschirmfoto 2014-02-07 um 22.42.14Eine weitere Erkenntnis der Studie: „Videos versprechen hohen Nutzen bei geringem Aufwand“. Einverstanden, von Videos halte ich auch viel – ich würde mich gar als Fan outen. Nicht so ADP. Das Unternehmen selber setzt  auf der eigenen Karriere-Webseite viel lieber auf den seit vielen Jahrzehnten „bewährten“ Flyer. Dieser erscheint beim Klick auf „Das können Sie von ADP erwarten“. Immerhin löst der pdf-Prospekt, ich gebe es zu, eine Art Heimatgefühl bei mir aus – die darauf abgebildeten glücklichen iStock-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommen mir allesamt bekannt vor. Ich bin ihnen so oft begegnet, sie sind mir bestens vertraut. Obwohl: Für mich definitiv ein Fall für Verdi, José Bové oder wen auch immer. Denn die Ärmsten sind, so schätze ich, auch noch bei gefühlten 1549 anderen Arbeitgebern im Einsatz.

Dafür wird es am Schluss des Flyers so richtig persönlich und authentisch: Mitarbeiter-Stimmen. Das tönt dann so.

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Aussagekräftig und authentisch… Aber prüfen wir das doch einfach mal bei Kununu nach, schliesslich ist der entsprechende Banner nicht zu übersehen. Das ist wichtig, und dieser Meinung ist auch Studienleiter Professor Gora: „Obwohl zunehmend Bewertungen und Kommentare auf Arbeitgeber-Bewertungsportalen vorhanden sind, nutzen die Unternehmen diese Plattformen noch nicht aktiv.“ Laut Professor Gora ein folgenschwerer Fehler: „Viele HR-Leiter unterschätzen immer noch den Einfluss von Arbeitgeber-Bewertungsportalen auf potenzielle Bewerber.“ Stimmt, wie ADP selber beweist. Auf Kununu hat das Unternehmen über 100 Bewertungen, ein sehr respektabler Wert. Ich verzichte auf das Ratespiel, wie viele dieser Kommentare von ADP beantwortet oder kommentiert werden.

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Dialog Fehlanzeige.

Letzte Hoffnung: Die Stellenanzeigen – bestimmt punkten hier die Neu-Iserlohner. Also, mal ganz zuversichtlich die Auswahl freier Stellen aufgeblättert, sich für die Stelle des Account Managers in Bremen entschieden und… hmm…

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Textwüsten… Sorry, aber ein Mindestmass an Vorleben dessen, was man aus der Analyse anderer Arbeitgeberauftritte zieht, hätte ich erwartet. Eine solche Studie zu veröffentlichen und damit der HR-Welt den Spiegel vorzuhalten – ja, das ist auch eine Art Frechmut. Aber definitiv nicht den, den ich meine.

Mit der Schlagzeile „Social Media im Personalmanagement immer noch Neuland“ trifft ADP Deutschland den Nagel auf den Kopf – den eigenen…

Auf Wiederlesen

Quellen: Alle Screenshots www.de-adp.com vom 7.2.2014

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