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Film ab: Videos im Personalmarketing.

Am Sonntag endete in Zürich das 8. Zürich Film Festival. John Travolta war in der Stadt (Radio 24 aus Zürich kündigte dies mit der Bemerkung „Masseure aufgepasst“ an…). Oliver Stone auch, Sharon leider nicht. Immerhin, mal ein Anlass, an dem nicht ausschliesslich eine Vize-Miss Bern oder ein aufstrebender Jungpolitiker aus weiss Gott wo über den roten Teppich laufen. Das Festival startete gleich mit einem kleinen Skandal, denn meine Wenigkeit war nicht eingeladen! Muss wohl an der Post liegen, die versagt hat. Denn immerhin bringe ich es auf fast 12 Jahre Erfahrung mit Bewegtbildern, sprich Videos. Ok, vielleicht „nur“ im Personalmarketing. Aber trotzdem wohl weit mehr Kameraerfahrung als viele der Apéroschmarotzer auf den zahlreichen Partys der Sponsoren. Nun ja, so ungerecht ist halt das Leben. Was kann ich anderes tun als meinen Frust in meinem höchst eigenen Blog abreagieren und einen hoffentlich Oscar-würdigen Bericht schreiben.

Video: Ich sehe.

Video. Ich sehe. Wow, manchmal mag ich Latein, insbesondere dann, wenn es wie im Falle von Video die Wortbedeutung so gletschereiswasserklar auf den Punkt bringt. Video – ich sehe. Lassen Sie mich in meiner Euphorie über diese messerscharfe Definition noch einen Schritt weiter gehen: Überlegen Sie doch mal: Bringt „Ich sehe“ nicht perfekt auf den Punkt, worum es in der Personalwerbung geht? Wir wollen doch erreichen, dass potenzielle Mitarbeitende (Hoffnungsträger, High Potentials) unser Unternehmen und die schönen Einsatzmöglichkeiten sehen? Eben. Willkommen in Buckmann’s Videothek!

Wie alles begann.

Es war 2001. Es war Winter. Es war kalt (ist es für mich immer unter 10 Grad). Und es war im Sibirien der Schweiz. Will heissen, ich war im etwas abgelegenen Wallis, wo die Bräuche und die Leute etwas anders sind als im Rest der Schweiz (und die sind ja bisweilen schon etwas eigen). Halt halt, liebe Walliser, nicht wieder schimpfen über die „Grüezene“ – ich habe Euch nämlich in jener Zeit sehr schätzen gelernt! Darum mache ich hier sogar ein bisschen Werbung für Euch. Nun, was wollte ich eigentlich schon wieder – ah ja, über Videos und deren Einsatz im Personalmarketing berichten. Ja, in der Tat sind meine persönlichen Erfahrungen mit Video, diesem wunderguten Instrument für das Personalmarketing, schon zehn Jahre alt. Die Herausforderung damals: das brandneue, schweizweite Contact Center der SBB mit guten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wie diesen füllen. Ich meine, es waren etwa 200, die dort in einer ersten Phase von den Vorzügen des Arbeitens in (für Schweizer Verhältnisse) riesigen Hallen überzeugt werden wollten. Das Herzstück der Werbekampagne: Informationswochen, PR und für damalige Verhältnisse ein ziemliches Novum: ein Jobvideo. Dieses wurde zu meinem grossen Erstaunen in diesen Tagen in Zürichs Kinosälen nicht gezeigt – dann zeig ich es halt hier:

Ich selber komme übrigens bei 7:30 zum Einsatz (Kommentare zu meinem Aussehen sind übrigens zwecklos, diese werden nicht freigeschaltet…), bei 2:20 kommen mein Vater und meine Kinder zum Einsatz. Ja, man sparte halt schon damals wo es nur ging und da musste schon mal die ganze Famile ran – Kinderarbeitverbot hin oder her. Auf jeden Fall gefällt mir die „rüstiger-Rentner-reist-mit-wohlerzogenen-Enkelinnen-Szene“ natürlich ausgezeichnet. Was für nette Kinder, ganz der Vater… Auf jeden Fall sorgte das Video damals für Furore, für Publicity und letztlich für eine volle Bewerberpipeline.

Videos sind Alltag – fast.

Heute sind Videos fast so etwas wie Alltag geworden. Mindestens was die Technik, die problemlose Einbindung in Inserate und letztlich die Publikation auf Karrierewebseiten und Jobbörsen betrifft. Doch die Verbreitung ist noch immer – ich sag’s mal nett, viel Potenzial. Im Gespräch sind zwar fast alle HR-Kollegen voll des Lobes für Videos – doch selber…? Dabei gäbe es auch für Firmen, die  nicht voll und ganz wie dei VBZ, sondern nur punktuell für eine Stelle (z.B. einen Dauerbrenner) oder einige Wenige auf Video vertrauen möchten, professionelle „all-in-one“ Videoproduzenten.

Mutig: Livejobs.ch setzt ganz auf Videos im Personalmarketing.

Der professionelle Anbieter von Videocontent für das Personalmarketing heisst in der Schweiz Livejobs.ch. Roger Bucher ist der Kopf des Unternehmens und wirbelt seit über zwei Jahren mit viel Herzblut für die Sache. Ich habe mit dem Chef himself (ich glaube, heute würde man dem wohl „CEO“ oder vielleicht sogar „Founder“ sagen) ein kurzes Gespräch geführt. Natürlich hat er gleich per Video geantwortet. Aufgenommen übrigens per iPad. Das zeigt die enormen Möglichkeiten, die heute rund um Videos möglich sind.

«Roger, Du bis erfolgreicher Unternehmer in der Personaldienstleistungsbranche. Was bringt Dich ums Himmels Willen auf die verwegene Idee, in einer eher konservativen Branche eine Firma wie livejobs zu gründen?»

 

«Welche Rolle spielen denn Jobvideos künftig im Personalmarketing?»

 

«Mit der Erfahrung von über 100 Videos – Hand auf’s Herz. Welches ist Dein persönliches Lieblingsvideo?»

Gründe, die für Video im Personalmarketing sprechen.

Schön und gut, aber warum soll man denn gopfriedstutz endlich auf Video setzen? Die Emotionen sind’s, ja, die vor allem. Und die nicht oder nur schwer in Worte zu fassenden Aspekte rund um die Arbeit selber, die Arbeitskolleginnen und -kollegen, die Chefs. Videos sind glaubwürdiger, sie bleiben länger im Bewusstsein und ja, sie steigern sogar die Bewerbungsbereitschaft der Betrachter. Sage nicht ich, doch ich natürlich auch, sagt aber vor allem Professor Sven Pagel von der FH Düsseldorf. Und der muss es ja wissen, schliesslich ist die Kommunikationswissenschaft sein Spezialgebiet. Ein anderer Professor, nämlich der von mir hoch geschätzte Christoph Beck von der FH Koblenz, erfolgreicher Buchautor und Vordenker in Sachen modernem Personalmarketing, bringt die Vorzüge ganz einfach wunderbar auf den Punkt:

Videos lassen Menschen zu Menschen sprechen.

Wow, hätte ich auch gerne so gesagt. Das bringt es auf den Punkt. Wenn Menschen zu Menschen sprechen, erhält die Botschaft eine Stimme, ein Gesicht, einen Namen. Sie wirkt glaubwürdig, authentisch, wie man so schön sagt (beziehungsweise eben nicht sagt, oder sprechen Sie doch mal drei mal nacheinander das Wort Authentizität nach: Authentizität – Authezizität – Authenthithizität… sehen Sie…). Ein Beispiel gefällig? In beinahe jedem der langweiligen pdf-Stelleninserate (im Web 2.0…!!!) werben die Firmen mit guten Aufstiegsmöglichkeiten? Vielleicht stimmt’s ja. Vielleicht auch nicht so ganz. Aber wie kommt die selbe Botschaft bei Ihnen an, wenn ein Mitarbeiter oder Vorgestzter im Video von seinem beruflichen Aufstieg, vielleicht auch von den vom Unternehmen geförderten Weiterbildung erzählt? Keine Frage, oder?!

Videos sind alltags- und massentauglich.

An der Alltagstauglichkeit kann es nicht liegen, dass sich Videos noch nicht auf breiter Front durchgesetzt haben. Selbst mit Smartphones neuerer Bauart lassen sich passable Sequenzen drehen. Aber auch die Werke vom Profi sind erschwinglich geworden und kosten um 3000 bis 5000 Franken. Viel?  Nun ja, was zahlen Sie für ein Printinserat, einen Consultant für einen Tag, einen entgangenen Top-Bewerber? Auf der Anwenderseite tummeln sich bereits 90 % der Schweizer im Erwerbsalter regelmässig im Netz, immer mehr surfen Mobile. Youtube gehört dabei zu des Schweizers Liebling. Es gibt wohl nur eine Erklärung für die Zurückhaltung: HR ist halt doch ziemlich konservativ (bitte jetzt nicht über mangelnde Ressourcen, Budgets oder technische Voraussetzungen klagen – das zählt nicht). Gilt auch für mich: genug gemotzt. Denn es gibt sie, die Firmen, die auf Video setzen und es gut machen. Das Schweizer Vorzeigebeispiel Baloise zum Beispiel. Die Lehrlingswerbung von Coop. Und mein neuer Liebling, der Liftbauer Schindler. Dort begrüsst nicht nur der Head HR persönlich per Video die Besucher der Karriere Webseite, sondern auch künftige Liftmonteure werden auf der wunderschön gemachten Homepage mit einem Video angesprochen. Wundergut! Aber gerade auch bei Livejobs finden sich erfreulicherweise bereits viele Unternehmen, die immerhin einige ihrer Jobs mit einem Video erlebbar machen. Darunter Firmen und Funktionen, die man nicht unbedingt erwarten würde: Gefängnisaufseher, Polizistinnen, Lehrer oder sogar Steuerbeamte.

Was die Kritiker sagen.

Videos ein Allerheilmittel gegen die Schwindsucht bei den Zielgruppen? Natürlich gibt es auch Punkte, die hinterfragt werden können oder müssen und echte Nachteile. Die Kosten sind je nach Betrachtung hoch, liegen bei rund 1000 Franken / Euro je Minute. Die Vorarbeiten kosten Zeit (und manchmal Nerven). Expertinnen wie Simone Janson zweifeln zumindest am wissenschaftlichen Beweis des Nutzens von Bewegtbildern im Personalmarketing. Andere monieren, dass Bewerber eigentlich ganz einfach an übersichtlich aufgemachten Fakten interessiert seien. Ich teile die Meinung der Puristen nicht oder nur zu einem Teil. Ich persönlich bin überzeugt. dass ein gut gemachtes, sprich unterhaltsames und informatives Jobvideo den Kauf- bzw. Bewerbungsentscheid sehr wohl positiv beeinflussen kann. Warum? Ganz einfach: Wenn Sie sich zwischen zwei Hotels, zwei Friseuren, zwei Fahrrädern oder zwei Rasierapparaten entscheiden müssen – wählen sie dann wohl eher das mit Bildern oder Videos gezeigte Produkt oder das mit Worten beschriebene? Eben – und sagen Sie mir jetzt bloss nicht, dass Stellen halt etwas ganz anderes wären.

Lehrgeld zahlen.

Unter den Videos auf den Karriere Webseiten gibt es die ganze (qualitative) Bandbreite. Wer neue Medien ausprobiert, muss manchmal auch Lehrgeld zahlen. Dies scheint gerade auf die derzeit stark in Mode scheinenden „Flashmobs“ zu gelten. Der Nutzen dieser Musik- und Tanzvideos scheint mir persönlich sowieso eher gering. Vielleicht mag es ja mal kurz lustig sein, einen echten Impact auf die Arbeitgebermarke dürften diese Werke jedoch kaum haben. Auch hier ist die Grenze zwischen „sofort wegzappen“ und „ein Brüller“ oft dünn. Und wer den Schaden hat, muss dann für den Spott nicht sorgen. Hier ein nicht gerade hochgelobtes Beispiel von Karstadt, eingepackt in einen sehr lesenswerten Blogartikel von Personalmarketing2Null zum Thema Videos. Auch hier bei meinem Kollegen Sebastian Manhart aus Österreich gibt’s was auf bzw. für die Augen und Lehrgeld haben auch diese Unternehmungen gezahlt – der Spiegel berichtete prominent darüber.

Es gibt sie aber, die Videos singender Mitarbeiter jenseits der Peinlichkeitsgrenze. Die guten Beispiele aus Deutschland kennt man mittlerweile – mein Lieblingsvideo kommt aber, wie könnte es anders sein, aus der Schweiz. Überraschend: Das Video wurde von einer Entsorgungsfirma produziert. Aber sehen und hören sie doch selber.

Sind doch einfach coole Typen, oder? Den Song gibt es natürlich auch zum Download – als Rock oder als Dance-Version. Verrückt!

Etwas Spannendes ist derzeit in Österreich zu beobachten: Dort ist mit Whatchado ein spannendes Projekt „auf Sendung“. Das Unternehmen hat sich nichts weniger als die vollständige Abbildung aller Berufe zum Ziel gesetzt – natürlich per Video. Bereits sind hunderte von Berufsportäts aktiv. Zurecht wurde immer wieder darüber berichtet, so unter anderem auch vom Queb, dem Verein für „Qualitiy Employer Branding“ und von Jörn Hendrik Ast.

Herrjeh, wie doch die Zeit wieder vergeht – bzw. wie dieser Beitrag nun doch wieder lang geworden ist. Höchste Zeit also für einen kurzen Ausblick auf den zweiten Teil meiner kleinen Videoserie. Dort mache ich dann ein VBZ-Special. Schliesslich setzen wir von den VBZ als vermutlich einziges Unternehmen in DACH ganz auf Videos – und auf eine Umkehr im Bewerbungsprozess, indem sich die Chefinnen und Chefs der VBZ persönlich bei den Interessenten bewerben. Diese Idee ist in ihrer Einfachheit und Logik so einfach, so naheliegend, so sympathisch. Kein Wunder, dass sie bereits kopiert wird.

Definitiv nicht das Original, aber immerhin: auch hier bewirbt sich die Chefin persönlich.

Auch im folgenden, diesen ersten Teil meines grossen Videozweiteiler abschliessenden Video, bewirbt sich eine Chefin bei künftigen Mitarbeiterinnen – wobei – ich schwöre! -wir damit definitiv nichts zu tun haben. Nicht dass Sie uns noch das städtische Büro für Gleichstellung auf den Plan rufen.

http://www.youtube.com/watch?v=OdUVkrZoBEU

Auf Wiederlesen, bis bald.

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