Blog


Gedanken zu Ego-Marketing

VideoAusgerechnet. Ja ausgerechnet DER, werden Sie sich nun vielleicht denken. Der Buckmann, der die Bühne sucht und Kameras im Umkreis von mindestens 500 Metern mit der Zuverlässigkeit eines preisgekrönten Trüffelschweins aufspürt. Ausgerechnet der schreibt jetzt über Ego-Marketing. Ich weiss schon, dass es Menschen gibt, denen ich auf den Wecker gehe (so wie es schliesslich ja auch einige Zeitgenossen gibt, die mir gehörig auf den Geist gehen – Namen werden selbstverständlich nur auf persönliche Nachfrage hin bekannt gegeben). Die mich als Selbstdarsteller sehen, als Narziss, als Showman und Schäumer, als Egomane. Obwohl natürlich auch ich in erster Linie geliebt werden will, so freut mich dieser Umstand doch. Nicht jeder kann von sich behaupten, dass fremde Menschen eine so pointierte Meinung über sich haben.

Die Nerven jenes Teils meines Umfelds, dem ich mit meinem Sendungsbewusstsein auf den Sack gehe, wurden in den letzten Tagen arg strapaziert. Ohne dass ich selber in die Bloggertasten griff (eigentlich noch praktisch, finde ich), erschien einiges über die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) und über mich selber:

Was bringt diese Öffentlichkeit? Wozu das alles? Ist denn nicht der Teamgedanke die Basis für den Erfolg und die Mutter aller Erfolgsbilanzen? Lassen Sie mich kurz etwas philosophieren:

Die Team-Hängematte

In gefühlten neun von zehn Stelleninseraten werden teamfähige Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter gesucht. Vermutlich sind es eher zehn von zehn. Schön. Natürlich braucht es – im Sport wie im Business – meist das Zusammenspiel unterschiedlicher Talente. Von Teams. Aber überlegen Sie mal:

Was sind denn Teams ohne die Leistung Einzelner? „Ein Team leistet nichts, seine Mitglieder alles,“ sagt denn auch der Sportpsychologe Hans Eberspächer. Für ihn „lebt und produziert ein Team, weil seine Mitglieder leben und produzieren, ihr Bestes geben und sich zum Wohl des gemeinsamen Ziels einbringen“ (Quelle: Ressource Ich. Hanser Verlag, München). In dieser Reihenfolge. Dass sich Einzelne in der Gruppe gerne in einer Art Team-Hängematte gemütlich einrichten, ist schon seit über 100 Jahren erwiesen. Der französische Ingenieur Max Ringelmann wies nach, dass die Leistung einzelner Personen beim Tauziehen mit zunehmender Teamgrösse abnimmt. Und zwar um sagenhafte 50 Prozent bei einer Achter-Seilschaft.

Natürlich kenne ich auch die Beispiele erfolgreicher Teams, oder von  Fussballteams, die durch Gemeinschaftsgeist und einer optimalen Teamzusammensetzung erfolgreicher sind als zusammengewürfelte Mannschaften mit individuell starken Einzelkämpfern (ich denke da z.B. an die Färöer-Inseln, liebe fussballbegeisterte Leser/-innen aus Österreich – gemein ich weiss…). Wie auch immer: Die eigene Leistung ist wichtig für den Erfolg aller. Was ist Barcelona ohne Messi? Paris ohne Ibrahimovic. Das rückt auch das Marketing für die eigene Person, das Ego-Marketing, in ein neues Licht.

Ego-Marketing

Einer der wie fast kein Zweiter in der HR-Öffentlichkeit steht, ist Robindro Ullah, früher Deutsche Bahn (DB), jetzt bei Voith. Eine Journalistin hat ihn wegen seiner Bekanntheit auch schon mal als Celebrity-Personaler bezeichnet. Für ihn kein Schimpfwort. Robindro ist in der Tat eine Art „Menschen-Marke“ geworden. Fast 15’000 Suchtreffer listet Google im Sommer 2013 für seinen Namen. Was erfolgreiche Produkte und Unternehmen ausmacht, gilt auch für Menschen: Wer erfolgreich sein will, muss auffallen und aus der grauen Masse herausstechen. Wer als Personaler Ego-Marketing betreibt, gibt sich selber und seinem Unternehmen ein Gesicht. Und diese Visibilität ist zunehmend auch wichtig für sich selber und seine Firma.

Robindro Ullah erhielt für seine Ideen Auszeichnungen und gewann Awards. Klar, letztlich sind es überzeugende Ideen, die den Erfolg ausmachen. Aber nicht nur. Im Dienstleistungsmarketing – dem Personalmarketing sehr nah – werden die klassischen vier P’s (Price, Product, Place, Promotion) um ein fünftes P ergänzt: dem P für People. Und People, Menschen, sind nun mal keine abstrakten Begriffe, sondern reale Menschen mit einem Namen, mit einem Gesicht und einer pointierten Meinung. Es sind Köpfe wie Robindro Ullah, die im Personalmarketing dem Produkt Stelle Profil und einen Ansprechpartner geben. Mit anderen Worten. Die Pflege des eigenen Egos stärkt das fünfte „P“ im Marketing. Und davon profitiert auch der Arbeitgeber.

Ego-Branding ist Employer Branding

Unter dem manchmal fast schon inflationär verwendeten Begriff des Employer Branding („wir machen jetzt Employer Branding“ hört man allenthalben – gemeint ist oft: Wir überarbeiten unsere Stellenanzeigen. Naja, oder wir planen es mindestens. Im nächsten Jahr – wenn wir Budget erhalten. Oder so…) versuchen Unternehmen, ihre Bekanntheit und ihre Attraktivität als Arbeitgeber zu erhöhen. Man möchte sich in den Köpfen der Zielgruppen als attraktive Marke, als bevorzugte Arbeitgeberin, festsetzen. In diesem Branding spielen die bestehenden Mitarbeiter eine wichtige Rolle. Mit ihrem Verhalten in der Arbeit, an der Schnittstelle zu den Kunden („Touch-Points“), aber auch in dem, was und wie sie auch privat kommunizieren, prägen sie das Image ihres Arbeitgebers mit. Die Mitarbeitenden sind Teil der Employer Brand – ein wichtiger Mosaikstein im facettenreichen Gesamtkunstwerk Arbeitgebermarke. „Diese muss von Innen kommen, um nach Aussen strahlen zu können“, fasst der Wiener Markenexperte Ralf Tometschek die Bedeutung jedes Einzelnen für das Arbeitgeberimage heraus.

Jeder Mitarbeiter ist mit dem, was er tut oder nicht tut, Teil der Arbeitgebermarke, ein Markenbotschafter. Im Positiven wie im Negativen. Mitarbeitende, die ganz bewusst an ihrem Ego, also an sich, ihrem Netzwerk und ihrer Wirkung arbeiten, strahlen als Markenbotschafter auch positiv auf das Unternehmensimage ab – und übernehmen dadurch nicht nur Verantwortung für sich selber, sondern auch für die Arbeitgebermarke.

In Verbindung mit der Erkenntnis, dass erfolgreiche Teamarbeit bei sich selber beginnt, löst sich dadurch das Ego-Marketing aus der negativ besetzten Egoisten-Ecke. Wer an sich und seinem Ego arbeitet, ist ein Teamplayer und denkt unternehmerisch!

Sichtbarkeit und Bekanntheit öffnen Türen

Die Bekanntheit, das Netzwerk und die Visibilität eines Mitarbeiters schaffen Vertrauen bei den Zielgruppen. Das kann aber durchaus auch Türen bei Stakeholdern öffnen. Denn das Unternehmen gut vernetzter Markenbotschafter wird nicht nur für Arbeitnehmer interessant, sondern auch für Partner und Lieferanten, die sich attraktive Unternehmen als Kunden auf die Fahne schreiben wollen. Gut vernetzte Markenbotschafter sind also Türöffner, auch für neue Produkte. So kann sich das Unternehmen als First Mover, als innovatives und aufgeschlossenes Unternehmen profilieren – und oft auch von guten Konditionen profitieren. Ein Beispiel einer solcher win-win Zusammenarbeit ist diejenige der VBZ mit Prospective – die mobilefähige Stellenanzeige ist ein ganz konkretes Beispiel dieser Partnerschaft. Diese Anzeigen sind übrigens bei allen Vorteilen nicht ganz ungefährlich:

strip_extra_3of5

Die VBZ stellten sich als Pilotuser zur Verfügung; wertvolle Erfahrungswerte statt teures Geld war die für beide Seiten interessante Devise. Bekanntheit schafft Kontakte und öffnet Türen.

Einstellungssache: Personalgewinnung mit Frechmut und Können

Diese Gedankensplitter zum Ego-Marketing habe ich nicht ganz zufällig niedergeschrieben. Sie sind DEM Highlight dieser Tage für mich geschuldet: Der Lancierung meines ersten Fachbuchs. Das Baby hat auch schon einen Namen. Einstellungssache: Personalgewinnung mit Frechmut und Können.

Bildschirmfoto 2013-12-08 um 12.30.15Ja, denn äs bitzeli meh Frechmut dürfte es in der Personalwerbung schon geben. Und „Ego“ ist eine meiner fünf Essenzen von Frechmut, Robindro Ullah die Gallionsfigur zu dieser Essenz. Im Buch berichten Robindro Ullah und ich gemeinsam ausführlicher über den Nutzen von Ego-Marketing und wir lüften das Geheimnis um den „Turner-Effekt“. Vier weitere Persönlichkeiten stehen für die anderen Essenzen von Frechmut: Für Mut (Barbara Artmann, CEO und Besitzerin der Schweizer Schuhfabrik Künzli), für eine Portion Frechheit (Markus Ruf, zweifacher Schweizer Werber des Jahres), für Leidenschaft (Ali Mahlodji von Whatchado) und letztlich für das Tun (Hans-Christoph Kürn von Siemens). Das Buch wird eine Art Geschichtenbuch, schliesslich schreibe ich die frechmutigen Geschichten dieser fünf charismatischen Persönlichkeiten ganz einfach auf. Dafür, dass die Praxis und viel HR-Knowhow nicht zu kurz kommen, stehen 13 Gastautoren mit ihren frechmutigen Projekten und Ideen. Jo Diercks, Matthias Mäder, Gero Hesse, Katharina von Wyl, Henner Knabenreich, Ralf Tometschek und viele andere sind mit dabei. Und was mich ganz speziell freut: Das coole, ja frechmutige Vorwort von Professor Dr. Armin Trost. Lassen Sie sich überraschen.

Das Buch erscheint im Februar 2014 und ist ab sofort vorbestellbar. Und damit hätte ich dann schon wieder ein bisschen (Ego-) Marketing gemacht.

So, und schon wieder habe ich ein bisschen Ego-Marketing gemacht…

Zum Schluss: Man kann nicht immer gewinnen

Ein weiteres Highlight fehlt in der eingangs erwähnten Liste der Publikationen der letzten Tage: Meine Nomination zum HR Blog des Jahres an den HR Excellence Awards in Berlin, gemeinsam mit den Bloggergrössen Marcus K. Reif und Henner Knabenreich. Darauf bin ich mächtig stolz. Auch wenn es nicht ganz zum Sieg gereicht hat – Henner Knabenreich, der Dirty Harry der Bloggerszene, ist ein verdienter Sieger (unter uns: natürlich hätte ich es viel mehr verdient als er, aber ich bin natürlich ein fairer Verlierer und habe ihm freudig gratuliert…).

Foto-13

Im Ernst: Henner, Du hast verdient gewonnen. Du bist nicht nur bildlich, sondern auch im übertragenen Sinne der Grösste und auf jeden Fall DER HR Blogger des Jahres!

Auf Wiederlesen.

Kommentare ( 5 )

Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *