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Hoffentlich ansteckend: Frische Personalwerbung für Pflegeberufe.

Bitte entspannen Sie sich. Atmen Sie durch. Schliessen Sie die Augen, ich aktiviere jetzt Ihr Kopfkino mit einem kleinen Trailer. Also, stellen Sie sich einmal vor: Ihr Unternehmen liegt abseits der Zentren. Ihre Branche ist nicht gerade als Hochlohninsel bekannt. In Ihren Berufsfeldern herrscht Fachkräftemangel. Die Konkurrenz ist – nicht nur in der Schweiz – gross und sucht ebenfalls händeringend Nachwuchs. Okay, Film gestartet? Das ist gut, denn nun kommt’s personalmarketingtechnisch knüppeldick: weil Sie ausbauen, suchen Sie in kürzester Zeit 50 neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (und das auf gerade einmal 320 Mitarbeitende / 200 Stellen). Dieser Film läuft aktuell im „Reusspark“, einem Pflegezentrum für kranke und betagte Menschen ab. Dort stehen die Weichen auf Expansion und dafür werden zusätzlich 50 Mitarbeitende gesucht.

Was für eine Ausgangslage, wenn Sie sich also mitten in der Aargauer Provinz
(man möge mir verzeihen, aber der Standort Niederwil/Gnadenthal und Nachbarorte wie Fischbach-Göslikon oder Sulz bei Künten sind selbstsprechend und selbst vielen Schweizern unbekannt) mit einem so aussergewöhnlich hohen Rekrutierungsbedarf konfrontiert sehen. Und das auf einem Arbeitsmarkt, der „chronisch krank“, sprich ausgetrocknet ist. Denn in den Pflegeberufen ist die Situation derart angespannt, dass bereits heute Personal aus den Philippinen in die Schweiz geholt wird, um die Unterbesetzung zu lindern. Trotz der aktuellen Zuwanderungsdebatte in der Schweiz wird derzeit laut darüber nachgedacht, die entsprechenden Kontingente weiter auszudehnen – das ist nachvollziehbar, schliesslich ist die Pflege angesichts der demographischen Entwicklung auf lange Sicht hinaus ein Wachstumsmarkt.

Also zurück zu den findigen Köpfen des Pflegezentrums Reusspark. Dort hat man verdammt (sorry) viel verdammt (sorry) gut gemacht. Und was mir daran speziell gefällt: Die Verantwortlichen haben nicht einfach für teures Geld eine Armada an Personaldienstleistern mit der Suche beauftragt, sondern das Heft selber an die Hand genommen und sich quasi selber behandelt. Was mich beeindruckt: Das Pflegezentrum verfügt natürlich über keine Personalmarketing-Ressourcen. Eine pfiffige Kommunikationschefin, ein innovativer Direktor und generell eine gegenüber Neuem offene Geschäftsleitung machen hier in Verbindung mit guten Umsetzungspartnern (Maybaum Film / Küttel-Laubacher Werbeagentur) die Rezeptur für die gelungene Umsetzung aus.

Herzstück der Personalgewinnungskampagne für die 50 neuen Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen ist die eigens geschaffene Microsite http://www.50pflegestellen.ch (was für ein schöner weil selbstsprechender Name). Diese Seite ist natürlich keine alles umfassende Karriere-Webseite, sondern enthält das Wichtigste in Kürze – das dafür aber frisch und einfach schön gemacht. Herzstück sind die Videoclips. Drei davon sind witzige, ja eigentlich fast schon freche Werbespots (Wehrmutstropfen: Die Hauptdarstellerin ist wie auf den Plakaten ein Model – immerhin aber wirkt sie glaubhaft und geht durchaus als Mitarbeiterin aus dem Pflegebereich durch – zumindest in meinen Augen). Hier mein Favorit:

Dieser und die beiden anderen Spots sind ungewöhnlich, witzig ja sogar frech (glauben Sie nicht? Dann sehen Sie gefälligst hier). Der absolute Hammer (Achtung, ich gerate ins Schwärmen!!!) ist aber der Spot, der in einer Minute die vielen Vorzüge des Reussparks als Arbeitsplatz zeigt. Frisch, schnell und immer konkret. Ich finde diesen „Wir bieten – Clip“ schlicht hervorragend. Ach was: Für mich das Beste, was ich diesbezüglich gesehen habe.

Mit dieser Darstellung der Anstellungsbedingungen hängt der Reusspark seine regionalen Mitstreiter um begehrte Fachkräfte um Längen ab. Diese stellen sich noch immer so dar:

Gefunden bei einem Konkurrenten wenige Kilometer vom Reusspark entfernt. Aber die ganz grossen Arbeitgeber mit viel mehr HR-Power machen es sicher genau so gut wie ihre Mitbewerber aus der Aargauer Provinz. Oder? Denkste: so tönt es im ansonsten so selbstbewussten Zürich:

Aber in Bern vielleicht?

Ich sage nur: Grüääääässsseeeeech. Gäähn…

Weitere mehr oder weniger gelungene Beispiele aus Deutschland gibt es hier auf dem Blog von Henner Knabenreich – aber Achtung: Wie immer mit viel Ironie!

Ein Lichtblick immerhin: Das Jobvideo der Stadt Uster:

Auch in der Zürcher Vorortsstadt versucht man offensichtlich, dem Fachkräftemangel mit neuen Ansätzen in der Personalwerbung zu begegnen. Aber selbstverständlich haben auch die Reusspärkler schon mit Jobvideos experimentiert und gute Erfahrungen gemacht.

Zurück in das hier und heute und nach Gnadenthal/Niederwil. Die Rekrutierungswebseite des Reussparks wird unter anderem mit lokalen Plakaten beworben. Ich persönlich bin der Meinung, dass Plakate als Kommunikationsmittel in der Personalwerbung unterschätzt werden. Gerade für Kampagnen sind sie eine interessanter Blickfang und Zubringer fürs Internet. Der crossmediale Mix aus bewährten Kommunikationskanälen (Plakate) und neuen Formen (spezielle Webseite, Video, Youtube) sorgt für Aufmerksamkeit – auch in den Medien, die über dieses Vorzeigebeispiel frischer Personalgewinnung berichten und so für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgen. Das mutige Vorgehen der Pflegeleitung funktioniert denn auch tatsächlich, wie die Verantwortliche für Kommunikation und Werbung, Luzia Fischer, bestätigt: Mit der Kampagne konnte die Zahl an Bewerbungen in den letzten drei Monaten um 70% (in Worten: Siebzig!) gesteigert werden, verglichen mit der Vorjahresperiode. Chapeau! Einzelne Bereiche konnten bereits das „komplett“ Schild an ihre Abteilungstüre hängen.

Nachtrag vom 26. Oktober 2012

Noch etwas zeichnet die Reusspärkler um Luzia Fischer aus: sie bleiben dran und halten Wort. Unter der bewährten Regie der Maybaum Filmemacher aus Baden wurde die Trilogie witziger Filme um einen neuen Spot erweitert. Diesen will ich Ihnen nicht vorenthalten:

Mit diesem Ausflug in die Welt der Pflege grüsse ich herzlich und sage wie immer: auf Wiederlesen.

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