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Im Osten nichts Neues: Stelleninserate zum Abgewöhnen.

Weiter geht’s mit Teil zwei über meine Entdeckungsreise in den wilden Osten auf der Suche nach News und Trends in der globalen Personalgewinnung. Kurz vor meiner Abreise nach Moskau und Kiev haben Prospective Media und der Verlagsriese Tamedia kommuniziert, die Integration von QR-Codes in den Printprodukten Stellenanzeiger und alpha, dem Kaderstellenmagazin, vereinfachen zu wollen. Das ist weiss Gott nicht neu. Aber: In die QR-Codes haben die Tüftler von Prospective nicht nur die üblichen Zusatzinformationen verwebt, sondern auch einen vereinfachten Bewerbungsprozess mit Hilfe des Xing- bzw. Linkedin Profils.

Ob sich das direkte Bewerben mit den Apply with – Buttons auf einer breiten Front, also für viele Zielgruppen, in absehbarer Zeit wirklich durchsetzen wird, da bleibe ich nach wie vor noch etwas zurückhaltend, zumindest für die nächsten Jahre und für meine Branche (öV).  Ich denke aber schon, dass diese Applikation punktuell, zum Beispiel für gesuchte IT-Spezialisten oder Ingenieure, schon bald auch für die VBZ aktuell werden könnte. Also, liebe Prospectivler, meine Visitenkarte nicht zu weit weglegen.

So oder so: Die Idee und die von Prospective gewohnte technisch feine Umsetzung verdienen Respekt. Speziell freut mich, dass sich mit den SBB wieder ein Unternehmen unserer Branche hier als Türöffner und Innovator engagiert. Mit dieser Kooperatation weht endlich mal ein frischer Wind, zumindest ein frisches Lüftchen, durch den doch eher konservativen Blätterwald. Es besteht Hoffnung, dass sich nun endlich auch die Verlagshäuser den Trends im Personalmarketing nicht mehr ganz verschliessen. Die einbrechenden Zahlen der einstigen Cash-Cows „Stellenanzeigen“ dürften wohl bei dieser Einsicht geholfen haben.

Natürlich habe ich auch in der ukrainischen Presselandschaft Ausschau nach Stelleninseraten gehalten und mein Geheimausweis für Sonderermittler in Stellenanzeigenfragenöffnete mir sämtliche Türen (na ja, nicht ganz alle, aber immerhin)… Zumindest das, was ich in Poltava, einer Stadt mitten in der Ukraine mit ungefähr 300’000 Einwohnern, gesehen habe, war ähnlich trist wie viele Stellenanzeigen hierzulande. Eher einfachere Profile, die z.B. nicht nach der Mitgift-Methode besetzt werden, werden in Kleininseraten zwischen Hundewelpen und gebrauchten Traktoren platziert. Vermutlich ist es besser, dass ich der russischen Sprache nicht mächtig die Texte nicht lesen konnte. Bestimmt sind sie ähnlich erbärmlich getextet wie bei uns. Beim Blättern kam es sogar noch schlimmer und ich litt unter schlimmsten Anzeichen von Verfolgungswahn: Lachen mir doch tatsächlich die selben Dauergrinser wie in den Stelleninseraten in Deutschland, Österreich oder der Schweiz entgegen. Das gibt es doch nicht?! Leider doch. Also: Im Osten (auch) nichts Neues.

Bleibt zu hoffen, dass sich wenigstens die Inserate in den online-Medien in den nächsten Jahren weiter entwickeln werden und die technischen Möglichkeiten des Web 2.0 wenigstens ansatzweise genutzt werden. Einige zarte Hoffnungsschimmer leuchten am Horizont. Angebote gibt es eigentlich seit Jahren, so zum Beispiel das von Kienbaum und Prof. Dr. Christoph Beck entwickelte Job Ad 2.0. Und, trotz aller Kritik, geht für mich halt doch auch das vom Stellenportal Stepstone.de angebotene Stellenanzeige Plus in die richtige Richtung, auch wenn wichtige Marketingfeatures wie Social Plugins fehlen. Auch monster.de hat neuerdings ein passendes Angebot. Meine Kollegin Eva Zils hat zusammengetragen, was der Markt an neuen Inserateformaten derzeit hergibt – ihren äusserst lesenswerten Artikel finden Sie hier. Aber auch in der beschaulichen Schweiz tut sich etwas. Und wie: Das innovative Schweizer Unternehmen Eqipia stellt mit ihrer brandneuen Stellenanzeige das künftige Team in den Mittelpunkt. Dabei werden offene Schnittstellen zu Facebook, Xing und Linkedin genutzt und die Social Media Profile der aktuellen Mitarbeitenden bilden das künftige Team ab. Eine schöne Idee, die im Moment natürlich in erster Linie für Unternehmungen mit einem hohen Anteil Social Media vernetzter Mitarbeiter/innen interessant ist. Erster Kunde von Eqipia und ihrem findigen Geist Patrick Mollet ist, wie könnte es anders sein schliesslich ist der Kreis experimentierfreudiger Unternehmungen endlich, die Unternehmensberatung KPMG um den umtriebigen Alexander Senn. Viel Erfolg!

In eine ganz ähnliche Richtung zielen wir von den VBZ. Auch wir stellen die Menschen in den Mittelpunkt der Stelleninserate, indem die Vorgesetzten sich persönlich bewerben. Seit Anfang 2012 zeigen wir zudem, wie online-Stelleninserate eben auch aussehen können. Dass sich gerade in der Schweiz nicht mehr Unternehmungen trauen, ihre online-Stelleninserate aufzufrischen, erstaunt: Der Schweizer Stellenmarkt mit seiner homogenen online-Medienlandschaft wäre eigentliche geradezu prädestiniert für eine solche Entwicklung und Medienagenturen bieten bereits heute entsprechende Angebote an.

Ok, ich höre auf zu träumen. In einem ersten Schritt wäre nur schon viel daran getan, die Printinserate und deren online Klone sorgfältiger zu gestalten (zum Beispiel mit frischen und authentischen Bildern) und vor allem auch professionell zu texten. Es ist schier unglaublich, dass bei den Werbeinseraten für Stellen jeder, der will (oder muss), sich als Werbetexter versuchen kann. Undenkbar bei jedem anderen Werbeinserat. Ich frage mich auch, warum es nicht einen riesigen Markt an Anbietern gibt (so wie es Abertausende von Coaches und sonstigen Personaldienstleistern gibt), die für ein paar hundert Franken den Unternehmungen anständige Inserate texten (ich denke, diese Marktlücke muss ich wohl selber füllen…).

A propos texten: Was gut getextete Stelleninserate ausmacht, darüber schreibt und forscht seit Jahren Prof. Dr. Ivo Hajnal. In einer aktuellen Studie von alpha und alpha.ch weist er (nicht überraschend) nach, dass überlange Sätze, Wortballast und Fremdwörter bei den Lesenden schlecht ankommen und negative Assoziationen zum entsprechenden Arbeitgeber auslösen. Es ist schwer anzunehmen, dass dies von der HR-Fachwelt mit Kopfnicken zur Kenntnis genommen wird, und dann wieder zum business as usual (wie war das schon wieder mit den Fremdwörtern) übergegangen wird.

Nun, wie auch immer: Wie Sie wissen, schlägt mein Herz für Bewegtbilder, in Deutsch: Für Filme, für Videos. Auch wenn (wie kürzlich in Gero Hesses Saatkorn Blog) die Frage erlaubt und zu diskutieren ist, wie kreativ Stellenanzeigen denn überhaupt sein sollen – Videos gehören in den Stellenanzeigen nicht erst in Zukunft zum guten Ton bzw. Bild. Informationen darüber, wie die Verkehrsbetriebe Zürich seit nunmehr zwei Jahren Jobvideos einsetzen, was diese kosten, welchen Nutzen (und auch Risiken) sie bringen und einen exklusiven Blick hinter die Kulissen (Making of) gibt’s demnächst an dieser Stelle in einer mehrteiligen Serie.

Also, bis bald und wie immer: Auf Wiederlesen.

P.S. Ich geb’s offen zu: Sie streicheln mein Ego, wenn Sie rechts die Facebookseite zum Blog liken…

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