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Lachende Unternehmen

anne-m-schueller_portrait-mit-hutDer Mann, der lächelte. Nein, bei Ihnen ist noch alles okay. Die charmante Dame auf dem Bild ist natürlich eine Frau – eine Powefrau, um es genau zu nehmen. Ihr Name: Anne M. Schüller. Ihre Profession: Autorin und Speakerin. In ihrem neuen Buch bin ich über den wunderbaren Ausdruck der lachenden Unternehmen gestossen. Und habe dabei prompt an den fesselnden Krimi mit Kommissar Wallander gedacht. Der Zusammenhang? Lassen Sie mich kurz überlegen…

Um ehrlich zu sein, ich habe spontan keinen Zusammenhang zwischen „lächelnden Unternehmen“ à la Schüller und dem Krimi um Kurt Wallander gefunden. Ach so, wobei… doch, was erzähle ich da, der gemeinsame Nenner: ich mag beide, sowohl Anne M. Schüller, die ich schon live auf der Bühne erlebt habe, als auch die spannenden Schwedenkrimis um Kurt Wallander. Na also, geht ja.

Anne M. Schüller im Gespräch

Die Münchner Buchautorin ist in vielerlei Hinsicht im Gespräch. Weil sie eine gefragte Speakerin zum Thema Vertrieb und Marketing ist. Weil sich ihre Bücher gut verkaufen. Und natürlich weil sie hier auf meinem Blog im Gespräch ist. Voilà:

Frau Schüller, Sie sind ja eigentlich Expertin für Kundenloyalität, Empfehlungsmarketing und kundenfokussierte Unternehmensführung. Was hat Ihr Themenschwerpunkt mit HR zu tun?

anne-m-schueller_portrait-mit-hutAnne M. Schüller: „Die wahren Blockaden, weshalb es draußen mit den Kunden nicht klappt, liegen meist drinnen in den Unternehmen. Während sich nämlich draußen alles digital transformiert, vertrödeln drinnen in den Unternehmen die Manager mit „gängigen“ Verfahren und verbrauchten Ritualen aus dem letzten Jahrhundert wertvolle Zeit: Topdown-Formationen, Silodenke, Abteilungsegoismen, Hierarchiegehabe, Budgetierungs-marathons, Anweisungskultur, Kontrollitis, Kennzahlenkult. Dies, ein antiquiertes Führungsverständnis und der kundenfeindliche Standardisierungswahn sind die größten Bremsklötze auf dem Weg in die Zukunft. Außerdem sind Phänomene wie Mitarbeiter- und Kundenloyalität oder das Empfehlungsmarketing nach drinnen und draußen eng miteinander verwoben. Man muss nämlich empfehlenswert sein, um empfohlen zu werden. Und wo die Mitarbeiter wechseln wie im Taubenschlag, da gibt es auch bald keine treuen Kunden mehr. Wie drinnen, so draußen, könnte man ganz platt dazu sagen.“

Was können wir Personaler denn von Vertrieb und Marketing lernen?

Anne M. Schüller: „Die Themen, mit denen die Personaler heute konfrontiert sind, beschäftigen Sales & Marketing schon seit Jahren: der Wandel vom Anbieter- zum Käufermarkt, die Markenbildung, Bewertungsportale, die schwindende Kundentreue, der Kunde als Botschafter, Empfehlungsprogramme – um nur einige Aspekte zu nennen. Passende Mittel, Wege und Lösungen wurden dort schon längst gesucht und gefunden. Und diese lassen sich oft nahezu eins zu eins auf den HR-Bereich übertragen.“

In Ihrem neuesten Buch schreiben Sie, wir würden mitten drin im grössten Change-Prozess aller Zeiten stecken. Übertreiben Sie da nicht ein bisschen?

#schueller_touchpoint-unternehmen (Page 1)Anne M. Schüller: „Die Hochzeit zwischen dem Social Web und dem mobilen Internet hat uns mit Höchstgeschwindigkeit in die Web-3.0 Welt katapultiert. Ihr vielleicht wichtigstes Plus: eine digitale Informationsschicht, die sich per Fingerwisch über unsere Offline-Welt legt. Hierdurch werden die Menschen mit dem kompletten Online-Wissen nahezu überall auf der Erde in Echtzeit vernetzt. Diese neue Konstellation hat das Kräfteverhältnis zwischen Anbietern und Nachfragern endgültig auf den Kopf gestellt. Die Macht ist zu den Mitarbeitern gewandert. Und die Kunden haben, von vielen nahezu unbemerkt, die Macht schon längst übernommen. Was das bedeutet? Heute entscheiden vor allem die eigenen Kunden darüber, ob neue Kunden kommen und kaufen. Und die eigenen Mitarbeiter entscheiden maßgeblich mit, wer die besten Talente gewinnt.“

Was zeichnet für Sie ein lachendes Unternehmen aus?

Anne M. Schüller: „Lachende Unternehmen sind quicklebendig und hochkreativ. Ihre Mitarbeiter sind lebensfroh, kerngesund, motiviert und bereit, sich für die Firma mächtig ins Zeug zu legen. In lachenden Unternehmen herrscht Spaßgesumme, ein Treibhausklima für Glanzleistungen und ein Biotop für gute Ideen. Lachende Unternehmen ziehen die Besten wie magisch an. Sie legen damit eine perfekte Basis für Top-Performance und wirtschaftlichen Erfolg. Bei solchen Unternehmen kaufen Kunden immer wieder gern. Und sie erzählen der ganzen Welt, warum das so ist. Eine lachende Unternehmenskultur entspringt also keinem sozialromantischen Kuschelkurs, sondern einem unverkennbar betriebswirtschaftlichen Kalkül.“

… kennen Sie welche?

Anne M. Schüller: „Im Kreis erfolgreicher Startup-Betriebe und bei den Internetanbietern finden sich die meisten lachenden Unternehmen. Denn Kreativität ist die Schlüsselressource der Zukunft. Sie kann aber nur in heiteren Hirnen entstehen. Schon allein das Maß an Lachen in der Kaffeeküche, auf den Gängen, in Meetings und bei Anwesenheit des Chefs ist ein gutes Maß für ein lachendes Unternehmen. Weitere gute Zeichen sind durchgängig gezeigte Wertschätzung, Offenheit für die Ideen anderer, Verbundenheit und Vernetzung über alle Abteilungsgrenzen hinweg.“

Zu guter Letzt: Ihr Ratschlag an Personaler – ausser natürlich, Ihr Buch zu lesen?

Anne M. Schüller: „Das kommt auf die Branche und die Unternehmensgröße an. Den Personalern kleinerer Unternehmen würde ich empfehlen, sich schleunigst mit der digitalen Transformation und intensiv mit den sozialen Medien zu befassen, denn die jungen Talente finden sie genau dort. Unternehmen, die da nicht auf der Höhe der Zeit sind, kommen für erstklassige GenY-Kandidaten nicht in Betracht. Den größeren Unternehmen würde ich empfehlen, ihre tradierten Strukturen um mindestens 50 Prozent zurückzubauen: klassische Mitarbeiterbefragungen, standardisierte Jahresgespräche, Planspiele und ausufernde Budgetierungsprozesse, Regelorgien, Formularwesenmonster und die furchtbare ABC-Mitarbeiterbewertung, all das und vieles mehr muss weg und durch schnellere, unkompliziertere und modernere Methoden ersetzt werden. Denn solange man mit sich selbst beschäftigt ist, kann man sich nicht mit den Kunden befassen. Und Manager sollten besser den Kunden hinterherlaufen statt den Budgets.“

Was für ein leidenschaftliches Feuerwerk an Argumenten, ja fast schon eine Tirade gegen endlose Prozessschlaufen und den grassierenden Absicherungswahnsinn.

Lächelnde Unternehmen, also solche mit einer ausgewählt guten Stimmung, wo sind sie. Ich habe nachgefragt, und zwar bei Kununu. Die Seite ist ja gewissermassen der Seismograph für den Umgang der Arbeitgeber mit ihren, wie sagt man ja so schön denglisch, humanen Ressourcen. Ich habe Tamara Frast von Kununu explizit nach den Unternehmen gefragt, die mit einer tollen Arbeitsatmosphäre punkten.

Die Top 3 Arbeitgeber in der Kategorie „Arbeitsatmosphäre“

Deutschland:

Eventiv KG: Gesamtnote 4,96
Die Jobhelden GmbH & Co KG: Gesamtnote 4,85
UC Point GmbH: Gesamtnote 4,84

Österreich:

Unitis Personalberatung: Gesamtnote 4,88
Foryouandyourcustomers Wien GmbH: Gesamtnote 4,80
Compuware Austria GmbH: Gesamtnote 4,64

Schweiz:

Stier & Partner GmbH: Gesamtnote 4,75
Innovation Process Technology: Gesamtnote 4,67
Webrepublic AG: Gesamtnote 4,66

Kriterien: Höchstnote in der Kategorie „Arbeitsatmosphäre“, Status Top Company, bestimmte Anzahl an Arbeitgeber-Bewertungen;
Stand: 05.05.2014, Quelle: www.kununu.com

Studie bestätigt: Glückliche Unternehmen sind im Vorteil

Die Vorteile lachender oder eben glücklicher Unternehmen und ebensolcher Mitarbeitenden belegt auch eine Stepstone-Studie. Das signifikant höhere Mitarbeiterengagement schlägt über die Schärfung der Arbeitgebermarke letztlich bis hin zu einem grösseren Marktanteil durch.

Vorteile glücklicher AN

In der Stepstone-Studie wurden auch die „Glücksmacher“, also die Stellhebel, die lachende Unternehmen prägen, abgefragt. Fazit: Die Top-Treiber sind soft. Nicht Lohn oder Fringe Benefits, Ferien oder Boni zählen, sondern die Unternehmenskultur. Der Umgang zählt. Werte wie Respekt, Wertschätzung, Anerkennung. Und, auf Platz 2, eine interessante Tätigkeit. Auch darin finden sich die Überlegungen von Anne M. Schüller zu modernen Touchpoint-Unternehmen wieder: Vertrauen statt Überwachung, Entscheidkompetenzen und rasche Entscheidwege, flache Hierarchien statt Silos.

Glücksfaktoren

 

Zum Abschluss, ja fast schon im Sinne eines Fazits: Anne M. Schüller 3 Minuten live:

 

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