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Mach kleine Dinge zum Grössten für Dich: Karrierewebseite mit Stil von A. Lange & Söhne.

«Der Sommer schafft noch einmal 30 Grad». Und weiter: «Heute wird es noch einmal sommerlich mit viel Sonnenschein.» Tja, liebe Leserinnen und Leser, beim aktuell miesen Wetter wird man ja wohl über die Sommertage des vergangenen Jahres ein wenig tagträumen dürfen, oder? Die Wetterbeschreibung für den 29. August 2012 habe ich natürlich nicht zufällig gewählt. An jenem schwül-warmen Sommertag habe ich in einem grösseren Artikel über den Arbeitsmarktauftritt oder zumindest die Karriere-Webseiten einiger der bekanntesten Schweizer Uhrenfirmen berichtet und ein vernichtendes Urteil abgeben müssen. Ja, müssen, denn diese Branche und deren Produkte liegen mir sehr am Herzen – dasselbige blutet geradezu, wenn man anstelle der Zeitmesser sich nach einer Arbeitsstelle umschaut. Und das in einer Branche, die unentwegt über den Arbeitskräftemangel und Nachwuchsprobleme gerade bei den Uhrmachern lamentiert.

Leider hat sich in der Zwischenzeit nur gerade das Wetter verändert – das Personalmarketing in der Schweizer Uhrenindustrie präsentiert sich unverändert in einem schlechten Klima. Das Tiefdruckgebiet mit Zentrum über dem Schweizer Jura hält sich hartnäckig. Beweis dafür ist der Branchenprimus Swatch Group, der sonst so viel Grossartiges leistet für den Uhrenstandort Schweiz. Die Worthülsen in der kümmerlichen Rubrik „Arbeiten bei der Swatch Group“ sind ja eigentlich schon wieder so schräg, dass sie beinahe schon an den Kultcharakter des Welterfolgs der Swatch Uhr heranreichen. Immerhin orientiert sich die Optik der Seite konsequent am tiefen Niveau der Texte:

Ein kurzer Überblick über die 2012 bereits unter die Uhrmacherlupe genommenen Seiten zeigt ganz generell wenig bis gar keine Veränderungen. Bei Omega habe ich gelesen, dass offenbar Betrüger mit Mails oder auch bei Linkedin gefälschte Stellenangebote posten. Das Unternehmen schreibt dazu: „Dies sind KEINE offiziellen Stellenangebote von Omega, sondern Nachrichten mit betrügerischen Absichten. Omega wirbt keine Mitarbeiter über persönliche E-Mails.“ Ehrlich gesagt habe ich den Eindruck, dass Omega generell um keine Mitarbeiter wirbt – die so genannte „Karriereseite“ des Unternehmens erweckt bei mir zumindest den Anschein.

Nicht aufgeben, positiv denken: Vielleicht klappt’s bei Blancpain oder Longines?

Wenn ich doch gerade schon dabei bin, dann schaue ich doch einmal bei Longines und Blancpain vorbei. Auch die machen wundergute Zeitmesser und sind mir sowohl im erwähnten Artikel als auch in der neuen, erweiterten Weihnachtsedition bisher durch die Lappen gegangen. Sie ahnen es vermutlich schon: Wir alle haben nichts verpasst. Longines, das Traditionsunternehmen aus St. Imier, bietet weder Informationen zum Unternehmen als Arbeitgeberin noch zu den freien Stellen. Sprich: Longines hat gar keine Karriere-Webseite. Bei Blancpain sind wir da ja fast schon froh, wenigstens die freien Jobs aufgelistet zu erhalten. Merci beaucoup.

Aber der Vertrieb, der hat seine Hausaufgaben doch gemacht. Oder?

Nun, die edlen Zeitmesser müssen ja auch vertrieben werden. Nummer 1 in der Schweiz ist die Firma Bucherer mit 16 Filialen an den edelsten Standorten der Schweiz und zudem mit der Marke Carl F. Bucherer selber als Uhrenfabrikant aktiv. Das erfolgreiche Unternehmen hat aktuell (am 20.4.2013) nicht weniger als 13 freie Stellen zu besetzen. Und so werden die Vakanzen schmackhaft gemacht:

Immerhin haben wir nun gelernt, dass „leistungsbereite Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Schlüssel zum Erfolg sind“. Gähn.

Fazit: Im Gegensatz zu ihren Produkten bewegt sich die Uhrenbranche in der Schweiz in Sachen Personalmarketing nicht. Ich geb’s auf und verspreche, nicht’s mehr darüber zu schreiben – ausser über positive Beispiele. Entsprechende Prognosen bitte bei mir melden, ich schreibe gerne darüber. Bis dahin, liebe Personalmarketer in Grenchen, Luzern, Biel, St-Imier, La Chaux-de-Fonds oder sonstwo: Bitte aufwachen!

Immerhin – wenigstens hat sich auch beim absoluten Personalmarketingüberflieger IWC nichts verändert – und das ist gut so. Die Seite ist der Benchmark für die Schweizer Konkurrenz.

Musterschüler A. Lange & Söhne

Nun, wenn sich ja nichts verändert hat, warum schreibe ich denn schon wieder über diesen urschweizerischsten aller Industriezweige? Erstens, weil ich heute im Zürcher Tages-Anzeiger schon wieder davon gelesen habe, dass in der nach wie vor boomenden Uhrenindustrie Fachkräfte fehlen und in einzelnen Unternehmungen bis zu 30% Grenzgänger beschäftigt werden. Und zweitens wegen dieser Nachricht, gesehen auf www.new-business.de:

Es ist kaum zu glauben. Während die (meisten) Schweizer Uhren-unternehmen weiterhin friedlich in ihrem Personalmarketingtiefschlaf sind, hat die deutsche Edel-manufaktur A. Lange & Söhne ihren schon vorher sehr guten Auftritt weiter aufgefrischt und professionalisiert.

Diese Seite begeistert mich einfach. Sie hat Stil – nicht nur in Design und Bildsprache, sondern auch inhaltlich. Damit meine ich unter anderem das:

Wow. Schöne Worte mit einer klaren Aussage – und einer wichtigen dazu. Bravo. Überhaupt nimmt man sich bei den Sachsen spürbar Zeit und investiert offensichtlich viel Herzblut in die Ausbildung des Nachwuchses. Das zeigt sich auch am gelungenen und informativen Azubi-Film:

Bei soviel liebevollem Personalmarketing schaut man auch mal gerne über ein paar noch nicht ganz stimmige Details in den online-Stelleninseraten hinweg.

Grosses Kompliment an das HR-Team um Personalleiterin Christine Land (Bildmitte) und die Agentur Scholz & Volkmer.

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