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Macho-Anforderungsprofile: Wie blöd ist das denn?

Frauenstimmrecht neinDer mühsame Weg zum Frauenstimmrecht in der Schweiz – was kümmert uns das heute, das war doch eine andere Zeit. Darüber können wir heute vortrefflich lachen. Wirklich? Welche Kompetenzen denken Sie, liebe Leserinnen und Leser, braucht es, Tätigkeiten wie „Überwachung der Parkgarage“, „Entgegennahme und Weiterleitung von Telefonanrufen“ oder „Ablage und Archivierung“erfolgreich ausführen zu können? Ja klar, Sie als HR-Profi wissen es: Sie müssen attraktiv sein, gut aussehen und eine Frau, wenn es geht bittschön unter 35. Im Stelleninserate-Speech heisst das dann: Repräsentativ. Ich nenne es einfach: Blöd. 

Mein letzter Artikel über Ego-Marketing hat ganz schön eingeschlagen. Fast 700 Leserinnen und Leser, weiterführende Gedanken von Svenja Hofert, anerkennende Kommentare, aber auch Kritik. Und einzelne Leser waren richtig angesäuert. Frank Waltritsch zum Beispiel bezeichnete auf meiner Facebookseite meine Schreibe als eine „Elende Gehaltlose Oberflächlichkeit„. Kann man so sehen, klar. Wobei ich den Leitspruch des Coaches aus Villach „Der Mensch gleicht einem Bergwerk, reich an Edelsteinen von unschätzbarem Wert“ auch nicht gerade wahnsinnig gehaltvoll finde. Für alle, die meine Texte nicht so mögen, habe ich darum mal wieder ein paar Bildli zusammengesucht.

Oberflächlichkeit, oder: Wie blöd ist das denn?

Eines habe ich mit Leser Waltritsch gemeinsam: Mich ärgert Oberflächlichkeit. Und mir geht die Oberflächlichkeit gewisser Unternehmen und ganzer Branchen ganz gehörig auf den Geist. Wenn Professionalität an Krawatten, Glaspalästen, Berater-Speech oder repräsentativen Sekretärinnen festgemacht wird, dann kommt mir als passioniertem Jeansträger die Galle hoch. So wie heute. Da habe ich mir beim gemütlichen Zigarrenplausch auf der Terrasse (ausgerechnet, ich weiss, DEM Statussymbol der Branche der Nassgekämmten, sprich der Berater) vor lauter Kopfschütteln doch fast den Hals verstaucht. „Wie blöd ist das denn?“, habe ich mir gesagt.

Hübsch sein für… die Überwachung der Parkgarage!

Zuerst einmal hat mich ISS, ein grosser Dienstleister für Facility Services so ziemlich… sagen wir mal verblüfft. Warum zum Teufel muss ein Mensch, der Besucher in Empfang nimmt und Telefone ans richtige Ort weiterleitet, zwingend eine „repräsentative“ Frau sein? Warum kann das nicht ein fünfzigjähriger Mann genau so gut, zuverlässig und freundlich tun? Auf jeden Fall habe ich den ISS-Unternehmenswert „Qualität: Wir liefern“ in meinen wildesten Gedanken plötzlich unter einem ganz anderen Blickwinkel gesehen…  😳

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Kleiner Zwischengedanke: Wie wäre es, wenn weibliche Kundinnen und Auftraggeberinnen vermehrt Druck auf die Hochglanzbranchen ausüben und verlangen würden, von einem knackigen Schönling mit breiten Schultern und einem veritablen Sixpack in Empfang genommen zu werden? Übrigens, liebe Leserinnen und Leser aus Deutschland und Österreich: Ja, auch in der Schweiz gibt es ein Gleichstellungsgesetz, welches solche Rekrutierungsaktivitäten verbietet. Eigentlich.

Zwischendurch kurz etwas Musik zur Stärkung, bevor wir noch ein Beispiel anschauen:

Debitoren und Kreditoren verwalten: Bitte recht kontaktfreudig und repräsentativ!

Zweites Beispiel: Eine Personalberatung in Zürich sucht für ihre Auftraggeberin, eine (angeblich) moderne Wirtschaftskanzlei, eine repräsentative Assistentin. Oho… Hier wird es fast noch skurriler. Oder können Sie mir erklären, wozu das Aussehen bei der Ablage und Archivierung, der Korrespondenz ab Diktat wichtig sein sollte? Naja, vielleicht liegt der Schlüssel ja in der Aufgabe „persönliche Assistenz des Geschäftsleiters“. Glauben Sie mir, ich habe auf Youtube ein paar sehr passende Streifen zu diesem Thema gefunden… Aber lassen wir das, schliesslich ist das ein seriöser Blog (die entsprechende Playlist gibt es bei mir für nur gerade 10 Fränkli zu kaufen…). Nun aber zu diesem tollen Fundstück:

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Ich bin weiss Gott kein Feminist (cooler Ausdruck übrigens, finde ich) und die vielerorts übertriebene Gender-Aktivismus geht mir so was von auf den Wecker. Genauso gehen mir aber diese Macho-Firmen, Macho-Auftraggeber und Macho-Vorgesetzte gegen den Strich. Das ist doch einfach blöd und so was von gestern. Hätten die ganz bestimmt männlichen Auftraggeber doch wenigstens die Eier, ein klares Anforderungsprofil zu formulieren und auf den Punkt zu kommen. Anschauungsmaterial gäbe es im Netz frei und franko:

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Das ist Ihnen zu billig? Okay, dann vielleicht dieses Stelleninserat aus Russland. Ziemlich schräg, macht einen auf lustig (?) und man hat sich sogar die Mühe genommen, den Job im Rotlichtmillieu mit Versen zu versehen. Wir sind uns einig: Noch blöder.

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Auf Wiederlesen.

P.S. Kleiner Nachtrag: Vergessen Sie, als Mann gegen diese Diskriminierung Klage einzureichen – die Juristen sind nicht besser…

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Kommentare ( 3 )

  • Neues Anforderungsprofil für Bewerber: Hollister Models mit Sixpack und breiten Schultern | Crosswater Job Guide sagt:

    […] Beispiele solcher Stellenanzeigen gesammelt und seziert sie in seinem neuesten Blog-Beitrag “Macho-Anforderungsprofile: Wie blöd ist das denn?” Die Chancen stehen nicht schlecht, dass einige dieser Exemplare in die […]

  • Jakob Schulz sagt:

    Generell fällt bei vielen Ausschreibungen auf, dass es an Anforderungen nicht mangelt (21 Jahre jung, Berufserfahrung, Studium, Auslandsaufenthalte, 3 Sprachen fließend, sozial engagiert und bitte flexibel), wohingegen keinerlei „Benefits“ geboten werden, mal abgesehen von einem „Wir bieten Ihnen eine Stelle (als Praktikant?) in einem jungen dynamischen Team…BLA“.

  • GEON Karriere: Fachkräftemangel, Machogehabe und Minderheiten im Berufsleben sagt:

    […] Frauen stoßen in der heutigen Zeit immer häufiger auf Macho-Anforderungsprofile bei der Jobsuche. Oberflächlichkeit ist hierbei vorherrschend. Professionalität leitet sich oftmals nur noch vom äußeren Erscheinungsbild ab. Von Klischees getrieben legen viele Unternehmen Wert darauf, dass zum Beispiel Sekretärpositionen oder der Empfang von einer Frau besetzt sein müssen. Der Schweizer Blogger Buckmann regt sich in seinem Blog gehörig über die Rolle der Frau in Unternehmen auf und darüber, dass gewisse Berufsbilder nicht nach Kompetenz sondern nach Aussehen und Geschlecht besetzt werden: buckmanngewinnt.ch […]

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