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Mehr Hafenkräne für das HR

Foto einsWenn ich für Frechmut ein Logo kreieren müsste, ja dann wäre vielleicht darin ein stilisierter Hafenkran zu sehen. Ein Hafenkran? Ja, genau, ich spreche vom Zürcher Hafenkran, der ja eigentlich ein Rostocker ist. In seinen rostigen Beinen steckt also ganz viel frische Ostsee-Meerluft. Und diese schmeckt nicht allen Zürcherinnen und Zürchern. Denn der mitten in Zürich als temporäres Kunstprojekt aufgebaute Hafenkran polarisiert. Ein rostiger Haufen mitten im putzigen Züri, so etwas geht doch nicht?! Der Tages-Anzeiger bringt es auf den Punkt: Der Hafenkran lässt niemanden kalt: Er zieht Hass auf sich und begeistert.

FotovierJa, in der Tat. Der Hafenkran lässt kaum jemanden kalt – auch mich nicht. Er ist definitiv das Stadtgespräch, weit über die Grenzen von Zürich hinaus. Warum? Weil er von der Norm abweicht. Er fällt auf. Er ist irgendwie schräg. Rostig sowieso. Und auf seine Art fasziniert er alle. Wäre es nicht auch erstrebenswert, als Arbeitgeber für seine Jobs eine derartige Aufmerksamkeit zu erreichen, ja gar zum Stadtgespräch zu werden? Kein Zweifel: Die Zeit ist reif, ja überreif, für ein paar Gedanken über Hafenkräne im Personalmarketing (ein Wunder und Glück, ist die Schweizer Bloggerkonkurrenz noch nicht darauf gekommen…).

Think big: Nicht auf vermeintliche Sicherheitslösungen vertrauen

In der Personalwerbung geht es zuallererst einmal darum, Aufmerksamkeit zu erregen (vielleicht haben wir hier schon einmal eine grosse Parallele zur Kunst). Ist ja logisch, wie sonst wollen Sie Ihre guten Arbeits- und Anstellungsbedingungen denn sonst an den Mann oder an die Frau bringen? Also, Grundregel Nummer eins: Sich erst einmal Gehör verschaffen. Personalwerbung, die von der Norm abweicht und darum auffällt, ist natürlich nie ganz risikolos. So wie beim Projekt „Hafenkran“. Das braucht ein bisschen Mut und eine Portion Frechheit, kurz Frechmut. Der Zürcher Markus Ruf, zweifacher Werber des Jahres in der Schweiz, rät, in der Personalwerbung nicht auf (vermeintliche) Sicherheitslösungen zu vertrauen: „Man kann Werbung mit einem Auftritt in der Mange vergleichen: Das Publikum liebt Kunststücke, die hoch oben unter der Zirkuskuppel vorgeführt werden. Wer sein Stück nur 10 Zentimeter über dem Boden aufführt und auch noch ängstlich ein Auffangnetz darunter zieht, darf sich nicht wundern, wenn kein Mensch hinguckt.“

Also, think big ist die Losung. Nicht nur im Zirkus und nicht nur beim Hafenkran, sondern auch in der Personalwerbung. Wenn schon, denn schon. Überhaupt – das Abweichen von der Norm ist für Markus Ruf der Inbegriff für Frechmut, wie er anlässlich der Buchpräsentation in Zürich erklärte:

Weitere Anregungen von Markus Ruf zum Thema Frechmut in der Personalgewinnung gibt es in Buchform – und hier schon mal vorab als etwas wilde Kunstinstallation Inspiration:

Frech

 

Personalwerbung mit Hafenkran-Essenz

Es gibt erfreulicherweise schon heute viele Unternehmen, die ihre Personalwerbung mit Hafenkran-Essenzen anreichern, verfeinern und würzen. Die verstanden haben, dass man von der Norm abweichen muss, um im „war for eyeballs“ auf sich und seine Jobs aufmerksam zu machen. Mir fällt auf, dass unterschiedliche Polizei-Korps oft dazugehören. Aktuell gefällt mir die reduzierte Kampagne der Kollegen der Stadtpolizei Zürich sehr gut:

Mal was anderes, finde ich. Aber auch die Polizei des Kantons Zürich macht gute Werbung, oft mich einem Schuss Ironie gewürzt:

Und so richtig speziell und definitiv von der Norm abweichend gehen die Berner Polizisten mit dem durchaus zweifelhaften Detektiv Maloney (er möge mir verzeihen)  auf VerbrecherMitarbeiterjagd.

Verzichten Sie in der Personalwerbung auf Pre-Tests

Ein weiterer Tipp von Werber Markus Ruf: „Verzichten Sie auf Pre-Tests.“ Für den Werbeprofi haben sie nur wenig Aussagekraft. „Das Aufnehmen einer Werbebotschaft erfolgt in Wirklichkeit ja beiläufig. In einer Testsituation fehlt diese Beiläufigkeit. Wenn Menschen aufgefordert werden, ihr volles Augenmerk auf eine Kampagne zu richten, werden sie oft zum Musterschüler und suchen eifrig nach Kritikpunkten, die sie bei normalem Werbekonsum gar nicht stören würden. Oft werden gerade jene Punkte kritisiert, die eine Kampagne erst überraschend und eigenständig machen – also entscheidend sind für ihren Erfolg im Markt.“

Die Devise lautet also gerade auch in Bezug auf die Personalwerbung: Einfach mal machen. Oder um es mit dem Credo von Dr. Hans-Christoph Kürn zu sagen: „Just do it“. Bei Siemens ist er mit dieser Haltung meist gut gefahren und er konnte durch das Schaffen von Tatsachen bemerkenswerte und aufsehenerregende Dinge bewegen. Oft war er sogar Pionier – sei es in der Nutzung von Podcasts, von Facebook oder als Mitbegründer einer eigenen Jobplattform für deutsche Grosskonzerne. Dass er dabei auch ab und an „verprügelt“ wurde, soll Sie, liebe Leserinnen und Leser, nicht abschrecken…

Oft lohnt es sich also, bei Entscheidungen einen heissen Reifen zu fahren.

Wer wagt, gewinnt immer

… schön wär’s. Natürlich geht der Verzicht auf Pre-Test’s auch schon mal in die Hosen. So mussten die Verkehrsbetriebe Zürich die geplante auffällige Bemalung eines Fahrschulbusses in letzter Minute stoppen. Die Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer selber legten ihr Veto ein, weil eine zusätzliche Aufmerksamkeit beim Üben von engen Wendemanövern und beim Parkieren in den Wohnquartieren schon heute nicht von allen Anwohnern gern gesehen wird. Irgendwie nachvollziehbar.

19.SchnellerLernbus

Oder denken Sie an die Versuche verschiedener Firmen, mit Rap musikalisch bei den Zielgruppen zu landen. Viele wurden mit Spott überhäuft (und riesig viel Aufmerksamkeit bedacht) und einige schafften es gar zur zweifelhaften Ehre der Auszeichnung mit einer goldenen Runkelrübe.

Interessant gerade an den auf den ersten Blick missglückten Versuchen, sind die Diskussionen, die daraus entstehen. Da ist er also wieder, der „Hafenkran-Effekt“. Unter diesem Aspekt beleuchtet auch Kult-Werber Markus Ruf das kontroverse Kunstobjekt.

Markus Ruf: „Das Interessante am Hafenkran sind die Diskussionen, die er provoziert, und die sich – typisch zürcherisch – vorwiegend ums Geld drehen. Dank dem Hafenkran weiss ich zum Beispiel, dass Stadtrat Waser sich nicht mit Cervelats begnügen muss, wenn er 120’000 Franken aus dem eigenen Sack spendet. Und dass die anderen Stadträte nicht mal eine La-Ola-Welle für ihn gemacht haben. Ich würde mit den Diskussionen und Kommentaren rund um den Hafenkran eine Ausstellung machen, in der natürlich auch das Waser-SMS an seine Frau nicht fehlen dürfte.“

Waser

Wussten Sie eigentlich, dass Kranführer/-in ein gesuchter Beruf ist? Jobagent.ch listet allein für die Schweiz über 600 Suchtreffer auf. Dieser Beruf ist nicht zu unterschätzen, wie ich finde – und belegen kann:

http://www.youtube.com/watch?v=RhThC0OKUiQ&feature=player_embedded

Fazit

Versuchen Sie doch auch einmal, eine „hafenkranorientierte Personalwerbung“ zu machen. Eine, die auf- und ge-fällt. Oder auch nicht. Oder vielleicht sogar einmal eine Personalwerbung mit sanfter Lust an der Provokation. Setzen Sie auf jeden Fall auf ein Quäntchen mehr Emotionen. Oder, um es mit Werber Markus Ruf zu sagen: Verwechseln Sie Seriosität nicht mit Langeweile. Tasten Sie sich an frechmutige Personalwerbung heran und wagen Sie einfach mal etwas. Genau so wie beim Thema Hafenkran. Ich hätte da sogar eine ganz konkrete Idee, so als eine Art Trainingslager, bevor Sie unseren Zürcher Hafenkran besuchen: Wie wäre es zum Beispiel mit einer Übernachtung auf einem Hafenkran? Geht nicht, gibt’s nicht! Im holländischen Harlingen ist das möglich. Sieht eigentlich ganz gemütlich aus, finden Sie nicht auch?

hafenkranhafenkran2

Bildnachweis und mehr Informationen: http://www.vuurtoren-harlingen.nl/nl/index3b.php

Oder kommen Sie ganz einfach nach Zürich.

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