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Personalmarketing, das Fäden zieht: Auf ein Fondue mit Matthias Mäder.

In der Netzwoche wurde vor kurzem ein Gespräch mit Matthias Mäder, Chef der Prospective Media Services AG und mir publiziert. Unter dem  Oberbegriff Recruiting 2.0 ging es um das Personalmarketing der Verkehrsbetriebe Zürich, um die Zusammenarbeit der beiden Zürcher Firmen und um das Thema Recruiting ganz allgemein. Als begeisterte Personalmarketer hätten wir natürlich gerne noch viel mehr gesagt. Denn ein gutes Interview ist irgendwie wie ein Fondue: Es zieht Fäden, es kommt immer mehr, will nicht aufhören. Darum haben wir das Interview einfach auf eigene Faust weitergeführt. Wo? Kein Thema: Natürlich im Fonduetram der VBZ.

Intro mit Christkind und Glühwein

«Die Crew der Kramer Gastronomie serviert zur Begrüssung einen hausgemachten Glühwein. Willkommen daheim. Es ist Freitag, der 30. November 2012, ein grauer, neblig-kalter Vorabend, um die Null Grad. Zürich, die Frisur hält.»

Jörg Buckmann: Salü Matthias, fast hätte ich Dich nicht gesehen – die süssen Begleiterinnen nebenan beim Märlitram haben mich kurzzeitig etwas abgelenkt… Willkommen im schönsten und beliebtesten Tram Zürichs. Gefällt es Dir?

Matthias Mäder: Danke, cool hier. Wenn es nur noch solche Trams auf Zürichs Strassen gäbe, ja dann hätte es wohl bald gar keinen Individualverkehr mehr. Wobei: Morgens würde ich dann doch wohl eher ein Gipfelitram dem Fonduetram vorziehen. Mir gefällt das Fondue Tram. Okay, etwas eng ist es, aber das dient ja der Atmosphäre und dem unkomplizierten Austausch. Irgendwie ist dadurch das Fondue Tram ja auch ein Social Media Tram.

Jörg Buckmann: Wir haben ja kürzlich der Netzwoche ein Interview gegeben. Lass uns doch die Chance nutzen und ein paar Themen noch etwas vertiefen.

Matthias Mäder: Mit dem allergrössten Vergnügen.

Vorspeise; das interaktive Stelleninserat.

«Es gibt einen Bündner Vorspeisenteller. Wir bestellen dazu Wasser und eine Flasche exzellenten Weisswein.»

Jörg Buckmann: Die VBZ nutzen ja ein interaktives Stelleninserat, das Prospective unter dem Begriff Job Ad+ auch allen anderen interessierten Arbeitgebern anbietet, im Interview haben wir davon gesprochen. Sehr oft ist diese Inserate aber noch nicht auf den einschlägigen Plattformen zu sehen – wie erklärst Du Dir diese Zurückhaltung, das Festhalten am Bestehenden? Liegt es an den Kosten?

Matthias Mäder: Ich glaube nicht, dass es an den Kosten liegt. Viel mehr fehlt den Firmen oder HR Abteilungen der Content. Die wenigsten Firmen in der Schweiz haben schon ein professionelles Personalmarketing. So fehlt es dann auch vielmals an Inhalten, die dem Job Ad+ Leben einhauchen würden. Zudem werden bei Rebranding Kampagnen die Stelleninserate meist vergessen und so kann dann auch keine Innovation stattfinden.

Jörg Buckmann: Im Zusammenhang mit unserer Zusammenarbeit sprichst Du von der „mediengerechten Auslieferung“, für die ihr von Prospective zuständig seid. Was können sich meine Leserinnen und Leser darunter konkret vorstellen?

Matthias Mäder: Es macht ja keinen Sinn, wenn das schöne und animierte Inserat nur auf meiner eigenen Karrierewebseite oder einer spezifischen Onlineplattform gefunden wird. Wichtig ist, dass das JobAd+ auf sämtlichen Onlineauftritten aufrufbar ist. Sei dies auf meinen eigenen Karriereseiten, sämtlichen online Stellenportalen oder auch auf den Social Media Plattformen. Zudem sollte auch eine Adaption des Inserates für Mobile verfügbar sein, damit auch über das Smartphone der Auftritt voll zur Geltung kommt. Diese vollautomatische Auslieferung der freien Stellen lässt sich übrigens auch problemlos und vollautomatisch in Facebook integrieren.

Jörg Buckmann: So wie zum Beispiel auf unserer Fanpage auf Facebook?

Matthias Mäder: Genau. Wichtig ist doch, dass erstens alles aus einem Guss kommt wie unser Fondue, welches uns schon bald serviert wird. Und wichtig ist auch, dass es in der Handhabung einfach ist. Der Recruiter sollte sich keine Gedanken dazu machen müssen wie jetzt die Stelleninserate auf Facebook kommen, sondern mit einem Click die Stellen auswählen, die auf Facebook erscheinen sollen.

Hauptgang: Fondue – what else?!

«Es ist nicht mehr zu übersehen überriechen – der Hauptgang kündigt sich an. Auf den Tischen brennen die Rechauds, das Fondue wird auf den Tisch gestellt. En guete.»

Jörg Buckmann: En Guete Matthias. Lass es Dir schmecken. Während Du das erste Brotmöckli kreisen lässt… Sag mal, die Printinserate gehen immer mehr zurück, das ist ja nichts Neues. Bei den online-Inseraten scheint die Welt noch in Ordnung zu sein, aber die Suchmaschinen kommen immer mehr auf und die ersten „Rufer“ prophezeien denn auch schon das Ende der Bezahlinserate auf den Stellenbörsen, weil sich die Stelleninserate auch auf Google oder bei kostenlosen Jobsuchmaschinen wie Jobagent.ch finden lassen.

Wie siehst Du diese Entwicklung?

Matthias Mäder (mit vollem, leicht schmerverzerrtem Mund – das Fondue ist wahrlich heiss): Lass uns doch nachher weiterreden, wäre schade.

Jörg Buckmann: Okay, natürlich. Gastfreundschaft ist wohl etwas anderes, Entschuldigung.

Dessert; Über Suchmaschinen, Social Media und die Zukunft.

«Eine Stunde und gefühlte 20 Kilo Körpergewicht später wird abgeräumt und das Dessert aufgetischt. Ananas mit Mandeln. Auf den Schnaps nach dem Fondue verzichten wir – schliesslich führen wir hier ein seriöses Gespräch.»

Jörg Buckmann: Also Matthias, wie siehst Du das nun mit den Suchmaschinen?

Matthias Mäder: hmmmmm…. ein spannendes Thema bei welchem der Ausgang noch nicht bekannt ist. Also, lass mich versuchen, etwas den Durchblick zu verschaffen:Ich glaube nach wie vor an das bezahlte Stelleninserat. Dass es eventuell wie in Holland temporär durch Agregatoren substituiert wird, ist möglich. Aber gerade Holland zeigt, dass früher oder später doch wieder eine harte Währung eingeführt wird. Irgend jemand muss für die Technologie und die Bewerbung dieser Plattformen aufkommen. Werbung kann man leider noch nicht mit Luft bezahlen. Es ist aber klar, dass es neben den klassischen bezahlten Stelleninseraten immer mehr auch alternative Möglichkeiten gibt, die es früher nicht gegeben hat. Aktives Sourcing auf Socialmedia Plattformen oder auch Kampagnen mit Location Based Lösungen waren vor 4-5 Jahren noch kein Thema. Heute werden diese Möglichkeiten geprüft und von einigen auch schon angewendet

Jörg Buckmann: Im Gespräch mit der Netzwoche bezeichnest Du Social Media als grosse Chance für HR und fügst an, dass HR lernen muss, damit umzugehen. Bietet Prospective nun auch bald Social Media Anwenderkurse an? Oder an was denkst Du konkret?

Matthias Mäder: lacht… das mit den Kursen für Social Media Fitness für Recruiter machen wir schon! Uns geht es einfach auch darum, den Recruiter/-innen auch etwas die Augen zu öffnen, damit sie im derzeitigen Medienwandel nicht den Überblick verlieren. Es wäre auch für uns spannend, wenn noch mehr Innovation statt finden würde.

Okay, keine Facebook-Kurse, aber: kann ich bei Proscpective Unterstützung beim Aufbau einer Facebook- oder Twitterseite holen? „Baut“ ihr solche Seiten selber für Eure Kunden?

Matthias Mäder: Doch, doch, schon Kurse, aber nicht nur Facebook isoliert, sondern ganz konkret, wie ich Social Media in der Rekrutierung oder im Personalmarketing einsetzen kann. Da sind wir auf breiter Front tätig. Bei Kunden vor Ort, mit unserer Veranstaltung Recruiting Convention, wir werden wie Du auch immer mehr an Veranstaltungen als Referenten eingeladen und mit unserem Trend Report Online Recruiting Schweiz welcher im 2013 zum 5. Mal erscheint, betreiben wir auch noch ein bisschen Forschung im diesem Bereich.

Welche Firmen in der Schweiz überzeugen Dich eigentlich in Sachen Arbeitsmarktauftritt – natürlich ausser den VBZ ;-)?

Matthias Mäder: Baloise, KPMG und ganz neu auch die SBB. Leider sind es noch nicht so viele in der Schweiz. Irgendwie ist das Thema Personalmarketing im Gegensatz zum Thema Mobile Recruiting noch nicht ganz angekommen. Aber es gibt auch immer wieder positive Ausnahmen von Firmen bei denen man es nicht erwartet hätte. Wie zum Beispiel die Kantonspolizei Zürich mit Ihrer Kampagne „Schicken Sie mich in Pension“ oder die Kampagne von der Klinik Reusspark „50Pflegestellen.ch“ – das sind solche Trouvaillen, die Du ja selber entdeckt hast.

Ihr seid ja in den letzten Jahren stark gewachsen, habt jetzt ja sogar eine Repräsentanz in Berlin. Mal ganz unter uns – welchen Kunden hättest Du gerne unbedingt in Eurem Prospective Kundenportfolio?

Matthias Mäder: Du erwartest vermutlich, dass ich nun die grossen SMI und DAX Firmen aufzähle. Diese hätte ich sicher auch gerne. Ich wünsche mir aber vor allem Kunden die uns fordern, herausfordern und challengen. Die mit uns zusammen Unmögliches möglich machen wollen um erfolgreich zu rekrutieren. Der Austausch und das gemeinsame Entwickeln von Ideen finde ich eigentlich das Schönste an unserer Tätigkeit. Wenn sich dann der Rekrutierungserfolg einstellt und wir für unsere Arbeit mit dem Kunden erst noch ein Award gewonnen wird, dann fühlen wir uns im 7. Himmel…

Wie sieht es eigentlich mit Mobile aus? Spürst Du etwas davon, dass jetzt im Schweizer HR nicht nur davon gesprochen, sondern auch umgesetzt wird?

Matthias Mäder: Ja konkret die SBB und Migros – und ihr verfügt ja nunmehr über fast ein Jahr Erfahrung mit mobileoptimierten Stelleninseraten.

Jörg Buckmann: Du bist oft unterwegs, bist gut vernetzt und holst Dir neue Inspirationen: Du hast, wie man so schön sagt, die Nase gut im Wind der anstehenden Trends. Ich finde es wichtig, dass man seiner Zeit immer einen Schritt voraus ist. Manchmal habe ich aber fast den Eindruck, dass Du eher zwei Schritte voraus bist und die Mehrheit fast ein bisschen abhängst. Du sprichst von Mobile-Bewerbungen und anderem – viele sind aber noch nicht einmal im Web 2.0 angekommen.

Matthias Mäder: Das sehe ich genau gleich wie Du, wenn wir das Thema Social Media anschauen. Mit diesem Thema sind wir bei unseren Kunden und im Schweizer Markt schon sehr lange unterwegs. Aber gerade das Thema Social Media ist auch nicht immer ganz einfach zu verstehen und es braucht seine Zeit bis man die Kunden darüber aufgeklärt hat und diese die Möglichkeiten sehen und entsprechende Inhalte generieren und zur Verfügung stellen. Hier haben es die Schweizer Firmen sicher etwas schwerer, da es meistens keine dezidierte Personalmarketingabteilung im Unternehmen gibt. In den meisten HR Abteilungen ist das klassische Businesspartnermodell noch weit verbreitet und dann ist es schwierig neben sämtlichen anderen Aufgaben sich auch noch professionell um das Personalmarketing zu kümmern. Ganz anders sieht es beim Thema Mobile Recruiting aus. Hier waren wir sogar fast etwas spät dran. Die Zahlen der Nutzer, welche das Internet über das Smartphone nutzen, explodieren zur Zeit in der Schweiz. Auch das Interesse der Recruiter ist da und wir haben bereits die ersten Lösungen umgesetzt. Warte, ich zeige Dir gleich mal die Neueste der SBB…

Zum Kaffee; das Geheimnis (exklusiv für Frau Mäder).

Jörg Buckmann: Social Media hat ja immer auch etwas Unterhaltendes, manchmal Überraschendes. Jetzt überrasche ich Dich einfach mal mit meiner nächsten Frage.

Matthias Mäder: Da bin ich ja mal gespannt.

Jörg Buckmann: Bist Du wirklich bereit?

Matthias Mäder: Mach’s jetzt nicht so kompliziert, schiess los!

Jörg Buckmann: Also gut, Du willst es ja nicht anders: Was schenkst Du eigentlich Deiner Frau zu Weihnachten? Immerhin sind es nur noch wenige Tage – und meine Leser sind sicher froh um den einen oder anderen Geheimtipp.

Matthias Mäder: Nein, meine Frau liest Deinen Blog auch!!!

Jörg Buckmann: Das freut mich, aber… vielleicht einen kleinen Anhaltspunkt? Einen ganz kleinen Wenigstens?

Matthias Mäder: flüstert Jörg etwas ins Ohr.

Jörg Buckmann: Tolle Idee, Matthias, das mit dem Collier von Chopard bleibt unter uns, versprochen. Wir Männer können schliesslich Geheimnisse für uns behalten.

Die Rechnung

«Unsere aufmerksame Bedienung bringt die Rechnung. 93 Franken für das Essen inklusive Kaffee sind nicht wenig, aber gut investiert. Es war sehr gut. Die Crew hier im Fonduetram sind regelrechte Akrobaten – ein Wunder, das während der Fahrt nichts ausleert und kein Glas zu Bruch geht.»

Jörg Buckmann: So, das war’s. Auf geht’s in die kalte Zürcher Nacht. Schön war‘s, danke. Und auf ein Neues, lieber Matthias. Schöne Festtage.

Matthias Mäder: Ich danke Dir. Eine tolle Idee, dieses Fondue-Tram. Weiterhin viel Erfolg, ich freue mich auf eine weiterhin tolle Zusammenarbeit. Und für einmal sage ich an Deiner Stelle Deinen Leserinnen und Leser:

Auf Wiederlesen!

P.S. Ein paar Gedanken zu unserer Schweizer Winternationalspeise Fondue exklusiv für meine Freunde aus Deutschland finden Sie bei Personalblogger.net.

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