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Seitenblicke: Personalmarketing mit Blaulicht.

Tatütata, gutes Personalmarketing ist da! Okay, mag sein, vielleicht etwas kindisch meine Einführung. Aber so ist das halt mit dem Kind im Manne und so. Gestern morgen im Nachtzug aus Berlin habe ich mich mal wieder so richtig gefreut. Natürlich auf das Wochenende, auf meine Frau, über den vorzüglichen Service des Chefstewards, der mir in Basel nicht nur das Frühstück servierte, sondern gleich auch noch den Blick am Abend vom Vorabend organisierte. Ja, Nachzugreisen sind eine feine Sache, kein Vergleich zu den ordinären Billigfliegern (ok, ein ziemlich teurer Spass, so ein Grand Class Abteil, zumal dem Interieur die Jahre schon ziemlich stark anzumerken ist, meistens irgend etwas klappert und scheppert und die Klimatisierung oft zwischen Sahara und Antarktis schwankt – ohne gutschweizerischen Mittelweg notbabene). Wäre durchaus auch einmal ein Thema für meinen Lieblingsreiseblog. Nun, worüber wollte ich schon wieder schreiben? Ach ja, im Blick am Abend stach mir wieder einmal eine Anzeige ins Auge:

Schicken Sie mich in Pension

„Schicken Sie mich in Pension“, sagt da also Dienstchef Jakob Müntener. Ziemlich aussergewöhnlich, so ein Aufmacher für ein Stelleninserat. Ziel somit schon einmal erreicht (AIDA… Attention… alles klar?). Die Kantonspolizei macht eine der grossen Herausforderungen der nächsten Jahre im wahrsten Sinne des Wortes plakativ: die demografische Entwicklung und den Umstand, dass jetzt und in den nächsten Jahren in der Tat viele Polizistinnen und Polizisten in Pension gehen. Die Zürcher haben auch noch andere passende Inserate im Einsatz: oder gar: „Lösen Sie mich ab“. Oder gar: „Beenden Sie meine Karriere“. Ich finde die Anzeigen hervorragend gemacht, diese Kampagne überzeugt mich von der Grundidee, der persönlichen Ansprache und auch von der Bildersprache her sehr. Eine kleine Optimierungsmöglichkeit orte ich höchstens beim Einsatz eines QR-Codes, mit dem der elegante Brückenschlag vom Printinserat zur Schatzkammer der kompletten Informationen, der Karriere-Webseite, gemacht werden könnte. Bestimmt haben viele Leser/-innen ihr Mobile zur Hand.

Informativ und klar: die Karriere Webseite

Neugierig geworden, habe ich mich etwas auf der Internetseite umgeschaut. Und auch dort spricht mich an, was ich sehe. Die Jobs sind prominent im Header aufgeführt. Die Struktur unaufgeregt und ziemlich übersichtlich. Und die Interessentinnen und Interessenten, die als Polizist/-in einsteigen und später vielleicht in die Fussstapfen von Dienstchef Müntener treten wollen, werden auf der Infoseite bestens mit Fakten und Emotionen versorgt. Die Informationsveranstaltungen sind übersichtlich aufgeführt und das Anmelden einfach gemacht, die Löhne sind auf den Franken genau aufgeführt (fast schon wie in Österreich, dort sind Gehaltsangaben in den Stelleninseraten obligatorisch!) und ein interessantes Jobvideo bringt Emotionen in die Personalwerbung (auch wenn es für meinen Geschmack in einzelnen Passagen und mit der Musik einen Tick reisserisch daherkommt – aber Gott sei Dank rappen die Polizisten nicht auch noch).

Was mir ganz generell auffällt, dass viele Polizeikorps in der Schweiz im Personalmarketing gut aufgestellt sind. Da könnten sich manche eine Scheibe abschneiden. Viele nutzen neue Medien, so zum Beispiel die Stadtpolizei Zürich, die TV-Werbung schaltet. Oder die Kantonspolizei Basel-Stadt, die eine hervorragende Facebook-Karriereseite betreibt. Und auch die Kantonspolizei in St.Gallen wirbt standesgemäss mit einem Jobvideo, produziert von Livejobs. Und professionell tritt auch die Kantonspolizei Waadt auf: mit einer interessant gestalteten Seite, einem ziemlich actiongeladenen Kurzvideo und sogar mit Recrutainment.

Auch in Deutschland, so habe ich auf meinem kurzen Streifzug durch die Blaulichtwelt entdeckt, gibt es viele teils unkonventionelle Vorgehensweisen, um junge Menschen für den Polizeiberuf zu gewinnen. Der Inspector Clouseau der deutschen Personalmarketingblogger, Henner Knabenreich, hat dazu bereits 2011 einen ausgezeichneten Artikel geschrieben und hier finden Sie in meinem Gastartikel bei den Personalbloggern ein paar Beispiele aus Deutschland und Österreich. Zum Abschluss noch etwas zum Schmunzeln, denn: bei den Anforderungen an künftige Polizist/-innen der Kantonspolizei Zürich habe ich nichts über allfällige Fremdsprachenkenntnisse gelesen. Gut möglich also, dass diese halt ganz einfach später vermittelt werden…

http://www.youtube.com/watch?v=SwmSWcGrRx8&feature=related

Mit bleibt, wie auch die Kollegen von HR-Today vor den HR-Kollegen der Kantonspolizei Zürich für ihre schöne Kampagne den Hut zu ziehen und wünsche ihnen viele gute Bewerbungen. Auf Wiederlesen.

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