Sex im Personalmarketing (Achtung: FSK 16)

Tja: Baden im Glück sollte man können, meint das Spielcasino direkt auf meinem Heimweg in meinem Wohnort in Baden. Oder zumindest auf einem gelben Delfin reiten… However, Sie ahnen es vielleicht schon, ich taste mich langsam an eines der letzten Tabus in der keimfreien HR-Welt heran: Heute geht es um Sex. Und zwar um Sex im Personalmarketing, um genau zu sein.

Wenn Sie gerade jetzt meine Zeilen lesen, können Sie davon ausgehen, dass ich mit dem breitestmöglichen Grinsen eben daran denke, dass ich Sie mit meinem Teaser erwischt habe. Klar doch, Sex in der Werbung geht (fast) immer…

… sogar die Fahrplandichte öffentlicher Verkehrsunternehmungen wird so beworben (unserem Werber Markus Ruf wird das Wienerschnitzel im Hals stecken bleiben, wenn er das sieht) – natürlich werben wir nicht in Zürich so, sondern das übernehmen dann doch ein paar Jungpolitiker in unserem östlichen Nachbarland, mit dem uns zumindest beim Skifahren eine herzliche Rivalität verbindet.

Also, Sex sells und warum also sollte es im Personalmarketing anders sein? Eigentlich wollte ich ja nicht über Sex schreiben, sondern über das Lachen. Nein, eigentlich auch unpräzise: Ich wollte darüber schreiben, dass bloggen unglaublich gesund ist und eben genau darum von der Schweizerischen Ärztevereinigung FMH auf die Liste erfolgsversprechender Therapien aufgenommen werden sollte. Aber das war mir dann wieder zu politisch. Wenn Sie nun denken, mein Text wäre etwas wirr, liegen Sie natürlich völlig richtig. Woher kommt das? Meine bloggenden Kolleginnen und Kollegen kennen es, allen anderen sei es hiermit kurz erklärt: Wer bloggt, muss öfters auch lachen und manchmal geht es dabei – eventuell, so genau habe ich das nicht verstanden – auch um so etwas wie Sex. Ich hatte soeben einen Kommentar auf einen meiner Posts (ja, Feedback ist Bloggernahrung und macht Freude, nur…). Ja, nur: Da schrieb mal wieder irgend so ein irrer Spammer (oder eine sie? Allenfalls gar ein Groupie?!) wirres Zeug. Es ging irgendwie um eine Grossmutter, dann um den Hund eines Mädchens, dann erregte der Ausdruck „I had been sexually bombarded“ meine Aufmerksamkeit und der literarische Erguss gipfelte effektive 20 und gefühlte 285766 Zeilen später mit AWESOME! Grandma’s, in normal, are pretty AWESOME!

Ja okay, schon gut. Ich blieb etwas ratlos zurück. Und nachdenklich. Hatte der Spam etwa etwas mit Erotik, gar Sex zu tun? Ja gopfertelli, fällt denn jetzt nach den Waschmaschinen, der Textilreinigung meines Vertrauens (wo mich immer samstags auf einem Plakat ein Typ mit einem beneidenswerten Waschbrettbrauch vor einem Bügelbrett anschmachtet) und den Klassikern sexistischer Werbung, den Auto- und Tuningmessen (schon besser als der Typ von der Reinigung) mit dem Personalmarketing die vielleicht letzte sexfreie Werbezone? Ok, es ist also definitiv Zeit für eine saubere Aufarbeitung des Themas und eine nicht ganz unaufregende Recherche begann…

Es war ziemlich schwierig, um ehrlich zu sein und ich habe wenig gefunden: Da wäre natürlich einmal der Klassiker aus (ja, schon wieder) Österreich – ich weiss, fast alle haben ihn schon gesehen, für alle Anderen:

Das der Spot ja eigentlich nur geklaut ist, macht ihn weiss Gott auch nicht besser (hier gibt’s das Original). Und doch geht es fast noch peinlicher – man(n) mag es kaum glauben, aber die Dachdeckerinnung Oberschwaben hat es doch tatsächlich geschafft, noch einen draufzugeben:

Auch dieser Spot wurde zurecht schon auf verschiedensten Blogs verrissen, so unter anderem von Bernd Schmitz auf dem Multimediablog. Abgesehen von diesen Vertretern von Bewegtbildern unterster Schublade oder der “süssen” Anzeige für neues Servicepersonal eines Cafés konnte ich zwar vor meinem geistigen Auge noch das eine oder andere Fundstück aus vielen Jahren Personalmarketing abgerufen, aber selbst in den Tiefen des World Wide Web wurde ich nicht mehr allzu gross fündig.  Natürlich könne ich an dieser Stelle ausführen, dass in Lutherstadt Wittenberg (kenne ich, wenn ich mit dem Nachtzug nach Berlin reise) eine Oben-ohne Kollegin für  VIP-Partys gesucht wird – will ich aber nicht. Schliesslich werden auf diesem literarisch hochwertigen Blog nicht um jeden Preis niedrige männliche Instinkte bedient (na ja, einen habe ich noch, nur ganz kurz – und nur auf eigene Verantwortung). Tut mir leid.

Ich werte es als positiv, dass die Vermarktung freier Stellen bzw. die Positionierung  der Arbeitgeber weitgehend frei von billiger Effekthascherei erfolgt. Doch ein bisschen aufregender dürfte das Personalmarketing in der heutigen Zeit weiss Gott schon sein. In diesem Zusammenhang bin ich auf einen interessanten Artikel und eine Umfrage meines Kollegen Stephan Hürlimann gestossen. Aufgrund der Aussagen der von ihm befragten Schweizer HR-Manager kam er zum Schluss, dass der Einsatz von neuen Technologien wie mobilen Kommunikationsmitteln (Mobile Recruiting) oder Video auf dem Vormarsch ist und die HR-Leitenden davon kräftig Gebrauch machen. Mittlerweile sind Job-Portale Mobiltelefon-tauglich, Videos auf den Unternehmensseiten eingebaut, Stellenbeschriebe für gewisse Vakanzen verfilmt und Publikationen auf Youtube, Xing und Co. geschaltet, führt er weiter aus. Sicher gibts die Entwicklung, aber von einem kräftigen Gebrauch spüre ich mit Verlaub noch ziemlich wenig. Wohl ist der Fachkräftemangel in aller Munde, wie diese kleine Umfrage der Personal Swiss 2012 zeigt:

Doch wie sagte bzw. klagte mir in diesen Tagen ein innovativer HR-Kollege: „Die HR-Leute sind das Konservativste, das es gibt“.  Vermutlich hat er Recht – leider. Ich bin soeben bei zwei Schweizer Firmen vorbeigesurft – nicht gross, nicht klein, eine vierstellige Mitarbeiterzahl. Unglaublich, aber sowohl bei einem Detailhändler wie auch bei einem der grossen Schweizer Telekommunikationsunternehmen, und das hat mich dann doch seeehr überrascht, waren auf der Jobseite keinerlei Informationen über den Arbeitgeber und den Nutzen einer Anstellung zu finden. Ganz einfach nichts! Und doch gibt es sie, die Lichtblicke am Horizont. In der Tat entdecken immer mehr Arbeitgeber die Vorteile von Video, darunter erfreulicherweise Unternehmen aller Branchen. Mein ehemaliger Arbeitgeber SBB investiert stark in ihre Arbeitgeberpositionierung, unter anderem auch mit diesem aussergewöhnlichen und toll gemachten Video für Lokführer:

Aber auch verschiedene Polizeikorps machen mit frischer Personalwerbung auf sich aufmerksam. Dazu gehört zum Beispiel die ungewöhnliche Kampagne der Kantonspolizei Zürich, die auf eine tolle Art den Personalbedarf aufgrund der demographischen Entwicklung thematisiert. Oder auch die Basler Kantonspolizei, die Facebook sehr erfolgreich und intensiv nutzt. Und das ist dann halt doch wieder irgendwie ziemlich sexy und definitiv cooler als das dreirädrige Personalwerbevehikel der Polizei in Mettmann. Ist aber vielleicht ja auch Geschmacksache.

Es gibt aber noch weitere Beispiele für anregende Personalwerbung. So bereitet mir der Flirt von Coca Cola Schweiz mit ihren potenziellen neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern viel Freude. Nun, der Limonaderiese heisst aus unerfindlichen Gründen in Ländern wie der Schweiz Coca Cola Hellenic (was ja in Zeiten wie diesen nicht eben gerade positive Assoziationen hervorruft), but who cares. Auf jeden Fall ist in unserem schönen Lande Kollege Men Keller für das Personalmarketing zuständig und so ganz nebenbei ist er auch ein lässiger Typ. Er verbindet Social Media gekonnt mit “Real Social” und das heisst dann (natürlich in der Sprache vom Coca Cola Land) Job Dating Day. An dieser Veranstaltung treffen sich potenzielle Mitarbeitende mit ihren künftigen Chefs (und natürlich ein paar HR-Leuten). Auf bisweilen spielerische Art wird dort die mögliche Eignung für einen Aussendienstjob bei Coca Cola und ganz allgemein die Passung zwischen Kandidat und Unternehmensphilosophie gecheckt. Das ganze ist attraktiv verpackt und wird unter Anderem auf Twitter und Facebook beworben – wobei vor allem Facebook-Ads ausgezeichnet funktionieren, wie mir Men Keller verraten hat. Mir gefällt die Verbindung von Social Media mit einer gut aufgezogenen Veranstaltung in der realen Welt. So kann’s gehen. Am Ende des Besuchs am Job Dating Day wissen die Kandidaten nicht nur einiges mehr über die Company und den Job, sondern auch direkt und ehrlich, ob sie die erste Hürde im Auswahlverahren gepackt haben oder nicht. “Fadegrad”, nenn ich das und es ist das Gegenteil vom verlogenen Verstecken hinter Absagefloskeln im Stil von leider-erfüllen-andere-Kandidaten-das-Profil-noch-ein-bisschen-besser. Yep, Coca-Cola is it – aber was erzähle ich hier lange, schliesslich gibt’s dazu den passenden Clip:

Noch mehr über dieses spannende Format gibt’s hier und bald an der Recruiting Convention in Zürich, womit ich wieder einmal Schleichwerbung platziert habe, was ja eigentlich wiederum ziemlich unsexy ist (mir aber vielleicht einen Gratiseintritt bringt, mal sehen…). Bis bald und … auf Wiederlesen!

19 Gedanken zu “Sex im Personalmarketing (Achtung: FSK 16)

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    • Lieber Robindro, Dein Lob ist ein Riesenaufsteller, vielen herzlichen Dank. Jetzt muss ich natürlich etwas aufpassen, dass mir das alles nicht allzu sehr in den Kopf steigt… Erste Anzeichen wären Da, meint unsere Comiczeichnerin auf meinem Blog…

  3. Lieber Herr Buckmann, ich gebe Ihnen Recht – oft wirkt das Personalmarketing etwas verstaubt oder übertrieben flippig. Es ist auch eine Kunst, denn es muss zum Unternehmen passen, soll politsch korrekt (AGG lässt in Deutschland grüßen), zielgruppengerecht aber auch pfiffig sein. Traurig ist es, wenn große Unternehmen mit den entsprechenden Budgets es trotzdem nicht auf die Reihe kriegen. Da Sie sich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt haben, würde mich Ihre Meinung zum neuen Look unserer Stellenanzeigen interessieren… Herzliche Grüße!

    • Liebe Frau Arruda, ich danke Ihnen für Ihr Feedback. Ich habe mich darüber sehr gefreut. Gerne habe ich mir Ihre Stelleanzeigen angesehen (und erst noch eine Zweitmeinung – die meiner Frau – eingeholt). Der erste Eindruck, sehr subjektiv: Schön, ruhig, gute Farben und Schriftart. Sehr gut die Informationen zum Bewerben und die Auswahlmöglichkeit Elektronisch-Post. Die Anzeige lebt natürlich von ihrem Chef – die Boss-Kaffeetasse, der schmissige Spruch. Finde ich super (und meine Frau Gemahlin auch). Dieses Bild vermittelt mir in Sekundenbruchteilen Eindrücke Ihres Unternehmens: Hier scheint es humorvoll zu und her zu gehen und selbst der Chef nimmt sich nicht allzu ernst. Ich assoziere einen unkomplizierten, freundschaftlichen Umgang untereinander. Wirklich cool! An meiner Lobeshymne auf das Chef-Bild setzen aber auch meine Verbesserungsvorschläge an: Grundsätzlich zu viel Text, auch wenn dieser sorgfältig formuliert wurde. Ich habe Ihnen kurz mein Kopfkino geschildert, welches beim Bild des Chefs abging. Ich wünsche mir mehr solche Kopfkinomomente beim Lesen. Durch die Textlastigkeit bleiben die Emotionen auf der Strecke. Generell fehlen mir konkrete Informationen, wie es ist, bei Mission-One zu arbeiten. Ich finde im Karriere-Bereich schlicht überhaupt nichts dazu und so bleiben die wenigen “Mehrwerte” in der Anzeige inhaltlich leer und nicht greifbar. Als Sofortmassnahme würde ich den Karriere-Bereich Ihrer Webseite mit Informationen und Emotionen zum Leben erwecken. Die Basis mit dem tollen und sympahtischen Bild von Ihnen ist ja gelegt – genau so will ich es als potenzieller Mitarbeiter haben: Ich sehe die Menschen hinter den Namen und erhalte erst noch ein paar persönliche Informationen wie bei Ihrem Beispiel. Geben Sie mir aber unbedingt konkrete Informationen über den Nutzen den ich habe, wenn ich bei Ihnen arbeite. Überlegen Sie sich doch einmal den Einsatz von Video: Wäre doch für mich echtes Infotainment, wenn Sie mir Ihre Agentur, die Räume, den Kaffeebereich, die offene Türe des Chefs, usw. zeigen würden. In Ihrer Anzeige schreiben Sie von einem motivierten Team und einem guten Betriebsklima – das schreiben Alle, also zeigen Sie’s doch?! So jetzt bin ich wie immer etwas lang geworden. Ich hoffe, das Feedback hilft Ihnen weiter. Ich wünsche Ihnen und Ihrem Sohn einen tollen Sommer!

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