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Storytelling à la VBZ

Heute ist der 1. Mai, der Tag der Arbeit. So eine Art Feiertag. Die einen arbeiten, andere haben frei. Anderswo, zum Beispiel im schönen Österreich, ist es noch immer ein gesetzlicher Feiertag. Während Gewerkschaften auf die Rechte der arbeitenden Bevölkerung hinweisen und einige Vollidioten mit ihren Saubannerzügen Anwohner und Polizei in Atem halten, arbeiten an diesem Tag viele Menschen ganz normal. Schliesslich steht die Welt ja an diesem Tag nicht still. Der öffentliche Verkehr gehört zu den Branchen, die unabhängig vom 1. Mai nie still steht. Die VBZ zeigen unter anderem diesen Aspekt und viele andere rund ums Arbeiten bei der Nummer eins im Zürcher Verkehr in einer heute neu lancierten Reportage mit dem naheliegenden Namen „24 Stunden VBZ„. Was steckt genau dahinter?

Storytelling

Wir alle werden – je nach Quelle und abhängig von der individuellen Intensität der Mediennutzung – täglich mit bis zu 10’000 (!) Werbebotschaften bombardiert. In diesem Werbeorkan wird nur gehört, wer Geschichten zu erzählen hat. Geschichten fesseln die Menschen seit jeher. Denken Sie zurück ans Mittelalter, an die Minnesänger und ihre gesungenen Geschichten. In vielen Kulturen nahmen und nehmen Geschichteerzähler religiöse, kultische oder bildungserzieherische Aufgaben wahr (Quelle: Wikipedia). Und mit mir erinnern sich viele Schweizer an die kürzlich verstorbene Trudi Gerster, die liebenswerte Märlitante, die mir ihrer schönen Stimme und den ebensolchen Geschichten ganze Generationen von Kindern ans Radio gefesselt hat. Storytelling ist mittlerweile auch im Pesonalmarketing angekommen. Aus meiner Sicht ist dieses Thema eines der ernsthaftesten und wichtigsten der letzten Jahre – und nicht einfach eine neue Sau, die durch das Personalmarketingdorf getrieben wird. Es ist schlicht und einfach eine Kompetenz oder von mir aus eine Technik – aber halt erfrischenderweise keine neue Plattform oder App.

Storytelling im Personalmarketing

Einer, dem das Storytelling im Blut liegt, ist Robindro Ullah. Er beherrscht es wie wenig Andere, Geschichten rund um seinen (noch) Arbeitgeber Deutsche Bahn zu erzählen. Ich denke da zum Beispiel an die Nacht im DB Museum. Einen Einblick in seine Gedankenwelt gibt es hier zu lesen. Eine gute Einordnung des Themas in die Kanalvielfalt im Employer Branding hat Jan Pötzscher geschrieben und Helge Weinberg berichtet über Storytelling bei Audi. Auch Facebook eignet sich als Trägermedium für Storytelling, das zeigt Henner Knabenreich anhand der Siemens Fanpage. Die Wollmilchsau berichtet über gezeichnete Scribbles (ich glaube die heissen so, die hingezeichneten Comics) und der preisgekrönte Saatkorn-Blogger Gero Hesse zeigt, wie mit Bildern (Visual Storytelling) komplexe Inhalte verständlicher gemacht werden können. Und in einem schönen Artikel fasst Nina Kalmeyer die Vorteile des Storytelling-Ansatzes für das Personalmarketing wie folgt zusammen:

  • Das Gedächtnis speichert Geschichten deutlich besser als nackte Auflistungen und Zahlen
  • Geschichten erregen unsere Neugier und Anteilnahme
  • Gute Geschichten berühren Herz und fesseln den Geist
  • Storytelling eignet sich besonders gut für soziale Medien, da Dritte mithelfen die   Geschichte weiter zu verbreiten (sofern sie interessant ist)
  • Mit Geschichten können Emotionen und Interesse geweckt werden

Danke, liebe Nina, für die Vorarbeit.

Storytelling bei den Verkehrsbetrieben Zürich

Die VBZ setzen seit längerem schon darauf, Menschen Geschichten erzählen zu lassen. Die über die Landesgrenzen hinaus bekannten Jobvideos mit den Chefinnen und Chefs, die sich persönlich bei ihren Zielgruppen bewerben, sind Storytelling. Mit dem wöchentlichen Facebook-Comicstrip mit den Abenteuern von Tinka, der Tramführerin, betreten die VBZ zumindest für das Personalmarketing noch wenig ausgetretene Pfade und sammeln wertvolle Erfahrungen. Diese kommen nun im neuesten „Baby“ der Zürcher zum Tragen.

24 Stunden VBZ

Die VBZ lancieren – nicht zufällig am Tag der Arbeit – eine neue Microsite:
24 Stunden VBZ.

Dieses neueste Projekt muss hohe Erwartungen erfüllen – es ist fast so etwas wie die eierlegende Wollmilchsau im Arbeitsmarktauftritt der VBZ. Das Zürcher Verkehrsunternehmen mit 2400 Beschäftigten und einem Personalbedarf von über 200 neuen Mitarbeitenden pro Jahr verfolgt damit nämlich gleich drei Dinge gleichzeitig:

  • Die grosse Vielfalt an Berufen und spannender Menschen anschaulich machen.
  • Schichtarbeit und ihre Vor- und Nachteile aufzeigen.
  • Die guten Anstellungsbedingungen und die Vorzüge der Arbeitgeberin VBZ authentisch, ja fast schon spielerisch, kommunizieren.

24 tolle Menschen – 24 interessante Geschichten

24 ganz unterschiedliche Menschen lassen Interessierte genau eine Stunde an ihrem Berufsalltag teilnehmen. Mit Start am 1. Mai 2013 erzählen 16 Mitarbeitende aus ihrem Berufsalltag, danach kommt jede Woche ein zusätzliches Porträt neu dazu. Die Stunde aus dem realen Berufsalltag der Mitarbeitenden ist mit einem kurzen „Protokoll“ beschrieben. Auf einem zweiten Kanal ist der Alltag bebildert – so wird das Kopfkino der Betrachterin oder des Betrachters zusätzlich unterstützt. Dabei setzen die VBZ auf Fotos, auf Videos und auf Comics.

Mit diesem aussergewöhnlichen Medienmix wird die von der Zürcher Agentur Xeit umgesetzte 24 Stunden Seite noch abwechslungsreicher, farbiger und interessanter. 24 Geschichten auf einer Seite – wahrlich Storytelling und Recrutainment vom Feinsten (bitte entschuldigen Sie, dass ich meine Freude und einen gewissen Stolz nur schlecht verbergen kann). Mit der Dokumentation des Berufsalltags ihrer Mitarbeitenden kombinieren die VBZ Information mit Unterhaltung. Das ist Storytelling à la VBZ. Die schöne Idee stammt weder von einer Agentur (Geld gespart) noch von mir (schon wieder nicht…), sondern von Linda Bornhövd, die bei den VBZ Personalmarketing macht. Sie erzählt ein bisschen aus dem Nähkästchen:

Warum eine Microsite?

Schön und gut, nur warum ist die Idee nicht Bestandteil der VBZ Karrierewebseite? Das hat technische Gründe, die aktuelle VBZ Jobseite ist für die optisch schöne Einbindung der 24 Stunden Idee einfach noch nicht parat. Darum behelfen sich die VBZ bis auf weiteres mit der Microseite und verlinken dementsprechend dahin.

Zukunftspläne

Wie bereits erwähnt werden nun in den nächsten Wochen die acht noch fehlenden Porträts geschaltet – jede Woche eines. Gleichzeitig wird die Seite noch in gewissen Details optimiert – so ist zum Beispiel die Grösse der Comics bei kleineren Bildschirmen kritisch. Die Verlinkung mit anderen Kommunikationstools der VBZ und auch mit der „Mutterseite“ vbz.ch wird laufend verbessert. Und künftig sollen einzelne Mitarbeitende auch „live“ von ihrem Berufsalltag berichten. Flickr, Twitter oder Facebookchannels sind denkbar. Und dann planen die VBZ, quasi als Gesellenstück, die Einbindung von 24 Stunden VBZ in die online-Stelleninserate. Bei den Tüftlern von Prospective rauchen auf jeden Fall bereits die Köpfe…

Auf Wiederlesen.

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