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Tierisch gut: Social Recruiting im Rössli, im Adler und im Löwen

5.3_PohoNicht einmal im Fitness-Studio (ja, fünf Kilo müssen weg, bevor das Schwimmbad öffnet – wo ich zwar sowieso nie hingehe, aber das ist eine andere Geschichte) ist man vor Ideen für das Bloggen sicher. Denn der Folterkeller meines Vertrauens ist im Hotel Limmathof in Baden, gleich um die Ecke. Und an der Rezeption machte man mich freundlich auf eine gelungene Idee des Branchenverbandes Hotelleriesuisse aufmerksam. Name: Please Disturb. Ziel: Nachwuchs gewinnen. Mittel: Social Media Recruiting – aber für einmal einfach ohne das Media. Eine tierisch gute Geschichte.

Mit diesem Beitrag vertrete ich die Schweizer Farben für die vom Hamburger Unternehmer, Buchautor und Bloggerkollegen Jo Diercks ausgerufene Blogparade zum Jahr der Berufsorientierung. Das Anliegen liegt auch mir am Herzen – auch darum, weil ich als Vater direkt betroffen bin. Fakt ist: Mit dem (wirklichen oder angeblichen) Fachkräftemangel ist die Nachwuchssicherung definitiv in die Champions League des Recruitings aufgestiegen. Dabei hält in der Schweiz der Mangel an Lehrlingen an. Jede elfte Lehrstelle blieb 2013 unbesetzt. Diese Knappheit ist gerade für Branchen, die auf dem Wunschzettel der Jungen (und ihrer Eltern und anderer Mulitplikatoren) nicht zuoberst auf der Wunschliste stehen, ein Problem. Umso wichtiger sind frechmutige Ideen, um für die nötige Aufmerksamkeit zu sorgen und Vorurteile abbauen zu können.

Das Comeback eines guten alten Rekrutierungskanals

Wenn es um den Kampf um die Talente von morgen geht, werden fast schon hysterisch die aktuellsten Buzz-Words ausgepackt: Employer Branding. Active Sourcing. Social Media Recruiting. Mobile. One Click Bewerbung. Die Schlagwörter unserer Zeit tönen ja schon mal ganz gut. Wie viele andere HR-Kollegen auch versuche ich, mit den Entwicklungen in der Personalgewinnung einigermassen Schritt zu halten. Das Internet und der Mobile-Trend eröffnen fast täglich neue Möglichkeiten. Pfiffige Start-up’s schiessen wir Pilze aus dem Boden – ihre Lösungen mögen noch so gut sein, sie überfordern viele. Wie wohltuend ist es da, über eine schöne Kampagne zu berichten, die wohl auch Social Media Elemente enthält, aber stark auf zwei ganz wesentliche Elemente der (Personal-) Werbung setzt:

  • Erlebnisse schaffen.
  • Geschichten erzählen.

Wenn es darum geht, Erlebnisse zu ermöglichen und Geschichten zu erzählen und somit einen authentischen und emotionalen Einblick in die Berufswelt zu geben, dann ist der gute alte Tag der offenen Türe nach wie vor ein fantastisch guter Kommunikations- und Recruitingkanal. Dass so ein Event keinesfalls verstaubt daher kommen muss, haben die über 270 Hotels bewiesen, die am 30. März 2014 ihre Hoteltüren geöffnet haben und im wahrsten Sinne eindrückliche Einblicke in den Alltag eines Hotels ermöglichten. So wie in „meinem“ Limmathof direkt vor der Haustüre. Oder eben im Wellness Hotel Rössli in der Nähe von Luzern, im Hotel Adler oder im Löwen (und vielen anderen tolle Häusern ohne zoologisch inspirierten Namen). Ich habe generell den Eindruck, dass aufgefrischte Formen des Tags der offenen Türe ein Revival erleben. In aller Munde ist derzeit das H&M Starting House in Berlin. Feines Recrutainment, würde ich sagen. Und auch das Careerloft-Netzwerk enthält starke Elemente des realen Austauschs – bis hin zur real existierenden Loft in Berlin Kreuzberg. Nun aber zurück in die beschauliche Schweiz.

Please Disturb – die Hotellerie macht’s vor

Das Hotelgewerbe gehört zu den wichtigen Stützpfeilern des Schweizer Tourismus. Über 60’000 Vollzeitstellen bieten die Übernachtungstempel in der Schweiz an. Mit dem „Tag der offenen Zimmertüren“ wollen die Betriebe Jugendlichen im Berufswahlalter ermöglichen, sich vor Ort ein Bild der verschiedenen Hotelberufe ermöglichen und Interesse, ja Begeisterung wecken. Das die Berufe in den Hotels Spass machen, zeigt auch dieses Fundstück aus einem Hyatt Hotel:

Die hiesige Hotelindustrie macht mit ihrem Tag der offenen Zimmertür vor, wie Personalwerbung funktionieren kann und wie einzelne Unternehmen und eine ganze Branche mit einem frischen Auftritt am Arbeitsmarkt überzeugen. Da könnten sich andere eine grosse Scheibe abschneiden. Dabei setzen die Hoteliers auf verschiedenste Kanäle, um ihren Anlass zu bewerben und auch im Nachgang die Berufswelt erlebbar zu machen.

Die Event-Microsite http://www.pleasedisturb.ch/

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… mit sinnvollen Verlinkungen auf bestehende, (gut gemachte!) Karriere-Webseiten…

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… und ihren Unterseiten zu den einzelnen Berufsgruppen…

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… und Videos zu den einzelnen Berufsbildern.

Facebook…

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… und die am Anfang des Artikels erwähnten Flyer im typischen Zimmertürenhänger-Look:

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Am Tag der offenen Hoteltüren selber – einem Sonntag – konnten dann viele Eindrücke gesammelt, Informationen eingeholt und Kontakte geknüpft werden.

5.1_Poho_Touristen aus DE13.4 Hotel Glockenhof 2

 

 

 

 

 

 

 

 

 

13.7 Hotel Storchen 2

3.4_Seedamm Plaza

3.10_AlinaHurter_IsabelleKwik_NicoleBecher

Im Talk mit Elian Schmid

Elian Schmid ist Projektleiterin Marketing & Verkauf Bildung bei Hotelleriesuisse und hat den Tag der offen Hoteltüren zusammen mit ihrem Team und den teilnehmenden Regionalverbänden organisiert.

Frau Schmid, wie schwierig ist es für die Hotellerie in der Schweiz, die freien Lehrstellen zu besetzen?

Elian SchmidElian Schmid: „Generell ist die Nachfrage bei bestimmten Berufen wie Köchin/Koch EFZ, Hotelfachfrau/mann EFZ und Kauffrau/mann EFZ konstant. Aus den Rückmeldungen unserer Schnupper- und Lehrstellenbörse besetzen sich Lehrstellen im Beruf Restaurationsfachfrau/mann EFZ weniger gut. Durch die verschiedenen Kochsendungen ist der Beruf des Koches sehr „trendy“ und für Jugendliche spannend. Für Hotelfachleute ist vor allem die Vielseitigkeit dieses Berufes zentral.“

Wie viele Lehrstellen bietet Ihre Branche in der Schweiz an?

Elian Schmid: „Pro Jahr sind es rund 4000 Lehrstellen in allen Berufen zusammen.“

Sind die Berufe zu wenig bekannt bei den den jungen Menschen oder zu wenig attraktiv, zum Beispiel weil anderswo mehr verdient werden kann?

Elian Schmid: „Diesen Trend merken wir an den Berufswahlmessen nicht. An den Berufswahlmessen sowie an den Berufsorientierungen besuchen zahlreiche Jugendliche unseren Informationsstand. Die Jugendlichen interessieren sich sehr für die Berufe in der Hotellerie. Mit dem L-GAV haben wir auch in unserer Branche gute Verdienstmöglichkeiten. Jedoch bemerken auch wir ein wenig, wie alle Branchen, die demographische Entwicklung.“

Wie sieht es denn mit Weiterbildungs- und Laufbahnmöglichkeiten aus, wenn sich ein junger Mensch für eine Ausbildung in einem Hotel entscheidet?

Elian Schmid: „Weiterbildungs- und Laufbahnmöglichkeiten sind in unserer Branche sehr zahlreich. Sei dies mit der Berufsmaturität (integriert in der Ausbildung oder nach der Ausbildung) und der anschliessenden Möglichkeit eine Fachhochschule zu besuchen (EHL) oder das absolvieren einer Hotelfachschule. Nach 2-3 Jahren Berufserfahrung kann auch eine Berufsprüfung und danach eine höhere Fachprüfung absolviert werden. Diese werden zu 80 Prozent von unserem L-GAV finanziell unterstützt. In der Übersicht im Anhang sind die unterschiedlichen Ausbildungswege aufgezeigt. Auch die Aufstiegsmöglichkeiten sind in unserer Branche sehr gross. Mit einer Ausbildung in der Hotellerie kann man bereits während und vor allem nach der Ausbildung sehr schnell Verantwortung übernehmen.“

Mit ihrem „Tag der offenen Hoteltüren“ setzen Sie auf einen „alten“ Informationskanal. Warum fokussieren Sie nicht zum Beispiel auf Facebook oder andere derzeit „hippe“ Kanäle?

Elian Schmid: „Wir haben «Please Disturb» auch auf Facebook beworben und zudem die Schulen angeschrieben. Die Lernenden einiger Hotels informierten direkt in den Schulen. Wir möchten aber auch die Eltern und Bezugspersonen der Jugendlichen ansprechen, den diese haben einen grossen Einfluss bei der Berufswahl. Deshalb setzen wir auch auf Informationskanäle wie Zeitungen, Radio und SBB/Railaway.“

Am Sonntag fand der Tag der offenen Hoteltüren“ statt – Ihre Bilanz?

Elian Schmid:Um eine definitive Bilanz zu ziehen, ist es noch zu früh. Wir führen derzeit eine Befragung bei den teilnehmenden Hotels durch. Die ersten Rückmeldungen sind sehr positiv und viele Hotels freuen sich schon auf den Event im 2015. Durch die Rückmeldungen erfahren wir auch, in welchen Regionen der Anlass bei der nächsten Durchführung noch mehr „gepusht“ werden muss.

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Schmid, und noch einmal „Chapeau“ für Ihre tierisch gute, sympathische Aktion.

Auf Wiederlesen.

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