Blog


Von meinem neuen Sakko, einem der letzten Rätsel unserer Welt und warum bloggen nichts für frisch Verliebte ist.

Meine Teenagerzeit war in den 1980-er Jahren. Ich war wohl ziemlich interessiert an vielem, auch an Politik. Vor allem aber am Weltgeschehen, an Sport und sonst noch so ein paar Dingen, die ich hier lieber nicht näher ausführen will. Ich erinnere mich gut, dass damals einige von uns Shirts oder Aufkleber mit dem durchaus nachvollziehbaren Slogan „war – what is it good for?“ trugen. Schliesslich war es die Zeit der Ostermärsche, von Pershing zwei und so. Irgendwie – ich weiss nicht warum und einen Zusammenhang gibt’s sowieso nicht – muss ich jeweils an diese Frage denken, wenn mich Freunde fragen: Wozu bloggst Du eigentlich? Gute Frage. Hier die hoffentlich ebenso gute Antwort: Bloggen bildet! Doch eins nach dem anderen.

Bloggen – muss das jetzt auch noch sein?

Gerade erst haben wir gelernt, dass Facebook nicht nur für unser Kinder ist, wissen, dass Twitter irgendwas mit 140 oft komischen Zeichen zu tun hat und für die Fortgeschrittenen ist Pinterest kein Nachbarberg des Himalaya. Jetzt wird also auch noch gebloggt. Doch ein Blog ist etwas anderes als nur einfach eine weitere Austauschplattform. Ein Blog ist so quasi… ja sagen wir mal eine Plattform für Hobbyjournalisten (und auch ein paar Richtige). Jeder kann auf einer der grossen Plattformen wie WordPress (dieser Blog läuft auf darauf) gratis einen Blog eröffnen und loslegen. Während auf Facebook, Google+ oder Twitter Inhalte und Themen geteilt und weiterverbreitet werden, ist so ein Blog der Heimathafen der Informationen. Im Gegensatz zu den populären Social Media Plattformen ist auf einem Blog unbeschränkt Platz, man ist nicht an kurze Texte gebunden. Dementsprechend gibt es bereits Tausende von mehr oder weniger professionellen Blogs zu wahrscheinlich allen Themen dieser Welt – von A wie Aalborg Tourism Blog bis Z wie ZZ Top. Richtig gute Blogs zum Thema Personalgewinnung gibt’s hier auf meiner Blogroll. Zurück zur Ausgangsfrage, die es übrigens in reduzierter Form auch als Präsentation gibt:

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Muss Bloggen nun wirklich auch noch sein? Nein natürlich nicht, aber dieses wundergute Werkzeug der Personalkommunikation bringt ein paar unglaublich überzeugende Vorteile mit sich:

  • Selber Themen besetzen und Diskussionen aktiv anstossen.
  • Sich mit Gleichgesinnten vernetzen und austauschen.
  • Themen attraktiv und unterhaltsam aufbereiten.
  • Den Dialog aufnehmen, Fachdiskussionen führen.
  • Schnell kommunizieren. An jedem internetfähigen PC einloggen und loslegen.

Mit diesen Vorteilen wird so ein Blog nicht nur für Begeisterte eines Themas zur idealen Kommunikationsdrehscheibe, sondern auch für Firmen, Vereine und andere Institutionen. Sie nutzen Blogs für die Kommunikation mit Kunden oder setzen ihn für den internen Dialog ein. So frischen beispielsweise die VBZ im Oktober 2012 mit einem internen WordPress Blog die Mitarbeiterkommunikation auf.

Schön: Bloggen bildet.

Soll denn nun Jede/r auch noch bloggen? Um’s Himmels Willen nein. Denn: man sollte schon auch noch etwas zu sagen haben. Oder besser gesagt zu schreiben. Denn Content is King. Blogs erreichen nur dann eine anständige Reichweite, sprich interessante Leserzahlen, wenn es etwas Interessantes zu Lesen gibt. Wie beim Fernsehen – die Quote lügt nicht. Darum sollte mit einer gewissen Regelmässigkeit gepostet werden. Dabei sind eigene Gedanken, eigene Überlegungen und selber aufgelesene „Fundstücke“ gefragt. Das Verlinken zu anderen Bloggern ist erwünscht, kopieren und abschreiben aber genau so verpönt wie in der realen Welt (gerade eben ist dies wieder Bloggerkollege Carl-Christoph Fellinger passiert, dessen spannender Beitrag inklusive Fotos praktisch eins zu eins abgekupfert wurde). A propos Fellinger. Dieser arbeitet bei Beiersdorf. Wie er sind einige der in der Personalmarketingsuppe bloggenden Kollegen (z.B. Dominik A. Hahn von der Allianz, Robindro Ullah von der Deutschen Bahn, Bernd Schmitz von Bayer) hauptberuflich bei grossen Firmen tätig, bloggen daneben aus Leidenschaft.

Beim Bloggen kommt es meist auch auf die Schnelligkeit drauf an, wenn es darum geht, aktuelle Themen aufzugreifen und zu kommunizieren. Drei weitere Lerneffekte, die das Bloggen mit sich bringt:

  • Ein aktuelles Fachwissen durch die länderübergreifende Vernetzung mit Gleichgesinnten und interessante Impulse für den eigenen (Berufs-) Alltag.
  • Man muss (wieder) lernen, eine Botschaft pointiert und klar zu formulieren – sonst verstehen die Leser nicht und springen ab.
  • Und der meines Erachtens grösste Vorteil: Das Verständnis für Marketing und die Verkaufskompetenzen wird geschärft. Als Schreiber ist man gezwungen, vom Leser oder der Leserin (Kunden, potenzielle Bewerber etc.) aus zu denken: welches Stories sind für ihn interessant, welchen Nutzen kann ich ihm bieten, was interessiert ihn in welcher Tiefe. Und dann erst die Schlagzeile, das Verkaufsargument Nummer 1: Wie kann ich Interesse schaffen. Ist ganz einfach Marketing pur. Lernt man beim Bloggen. Cool, oder?

Der Blogger-Humus

Wie jedes andere Pflänzchen braucht natürlich auch so ein Blog guten Humus, damit er gedeiht (oder heisst es eigentlich „das Blog“? auch so eine alte Diskussion…). Um es vorwegzunehmen: ein Blog ist nichts für frisch Verliebte. Er braucht nämlich Zeit, viel Zeit. Da ist eine gefestigte Beziehung von Vorteil (oder noch besser gar keine…). Dann braucht es die Leidenschaft für ein Thema, das einen spür- bzw. lesbar begeistert. Ideen und auch Ideengeber (wie meine Blogger Friendly Companies), um zu kommunizieren. Dann braucht es auch Freude am geschriebenen Wort, am Formulieren, am Gestalten und Verfeinern mit anderem Content aus dem Internet, mit Videos und Fotos. Und dann, ja dann sicher auch die Bereitschaft, sich zu exponieren und öffentlich für seine Meinung einzustehen. Was ja, wie ich gerade merke, noch ein weiteres starkes Argument für das Personalentwicklungsinstrument Blog ist.

Und was hat das mit meinem neuen Sakko zu tun?

Einiges, denn eigentlich, ja eigentlich sind kleinkarierte (Denk-) Muster nicht gerade das, was erstrebenswert ist. Die Karos stehen für Engstirnigkeit, für Denken in engen Grenzen, für Bünzlitum, für ein Leben in veralteten Konventionen. Bloggen hingegen ist eine ganz andere Form der Kommunikation, von über den Gartenhag denken, des Teilens von Wissen, von Witz und Humor auch. Viele der Blogger, die ich kenne, haben Humor, können lachen, nicht zuletzt auch über sich selbst. Darum: Wer unkonventionell denkt und auch über sich selber lachen kann, ja der darf kleinkarierte Sakkos tragen. Finde ich mindestens.

Übrigens: Dieser Beitrag erscheint auch wieder parallel auf Personalblogger.net, einer Vereinigung von Bloggern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Auf Wiederlesen.

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