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Wer hat’s – mal wieder – erfunden? Der Alpenrap im Personalmarketing!

Die HR-Rapperszene erlebt gerade einen kalten Entzug vom Glauben, dass sich mit jugendlicher Rapmusik die Herzen der Stellensuchenden im Sturm erobern lassen. Wobei bis heute unklar ist, ob nur die meist aus der Zielgruppe herausgewachsenen Kommentatoren oder doch auch die Zielgruppen selber diese Form der Personalwerbung ablehnen. Auf jeden Fall sind Musikvideos hartes Brot für die Darsteller selber, für die Recruiter und ihre Agenturen. Wir Schweizer haben uns mal wieder galant aus diesem Minenfeld herausgehalten. Bis, ja bis jetzt. Was mussten sich die Produzenten von Rap- oder anderen Musikvideos von B wie BMW bis S wie Sparda gleich eimerweise Häme über sich ergiessen lassen. Deren Musikproduktionen waren ein gefundenes Fressen für die Bloggerszene und die machte auch reichlich Gebrauch davon – hier, hier, hier oder hier wurde darüber geschrieben und das ist nur eine kleine Auswahl von Beiträgen. Wir Schweizer waren mal wieder wie gewohnt zurückhaltend, auch wenn ich in meinem Gastbeitrag auf dem Blog von jobs.ch soeben meine ganz persönliche Würdigung des Sparda-Raps vorgenommen habe :-D. Doch jetzt ist Schluss mit der eidgenössischen Zurückhaltung und ich lasse die Bombe platzen: die Schweiz hat auch ein Rap-Video im Personalmarketing. Und mehr noch. Wir kreieren gleich eine neue Stilrichtung:

Der Alpenrap im Personalmarketing!

Wer wie ich mit der Musik der 1980-er Jahre seine Teenagerzeit verbracht hat, ja für den ist Rap ein alter Zopf. Wir blicken auf über 30 Jahre Rap-Erfahrung zurück. Mögen jetzt vielleicht Viele lachen. Aber meine ersten Geh- bzw. Hörversuche mit dem Sprechgesang waren der Holiday-Rap von M.C. Miker „G“ und Deejay Sven aus dem Jahr 1986, der geniale Falco mit dem Kommissar (1982) und, Trommelwirbel, die Erste Allgemeine Verunsicherung mit dem Alpen-Rap. Ja, kein Witz, diesen 1985-erschienenen Song hatte ich sogar als Single-Scheibe in meinem Repertoire und rockte damit die Ostschweizer Provinz. Oder so ähnlich. Auf jeden Fall tönte das dann so:

Schon vor knapp dreissig Jahren orakelte die E.A.V. im Songtext: „Sepp, Sepp, sei kein Depp, die Zukunft ist der Alpenrap.“ Muss man auch erst einmal darauf kommen, oder hellseherische Fähigkeiten haben, denn: fast 30 Jahre nach der Ersten Allgemeinen Verunsicherung nimmt sich die Schweiz des Alpenraps wieder an und Dr. Joe Le Po feat. MC Lukasch transformiert diesen in das Personalmarketing. Tja, die Zukunft ist der Alpenrap. Natürlich musste es ein Musiker aus einem Alpenland, der zauberschönen Schweiz, sein, der nun der Prophezeiung der E.A.V. neues Leben einhaucht. Und Roméo Michlig ist passenderweise nicht nur Schweizer, sondern ein Mann aus dem schönen Wallis, der Heimat Sepp Blatters und ein paar anderer spezieller Zeitgenossen, aber auch vieler unkomplizierter und sehr herzlicher Menschen. Viele von ihnen arbeiten im SBB Contact Center in Brig. Dort kümmert sich Roméo Michlig seit 10 Jahren um all die administrativen Belange, die in einem grösseren Call- und Contact Center mit über 200 Mitarbeitenden halt so anfallen. Michlig ist aber auch ein kreativer Kopf – ehemaliger Werber, Radiomacher, Musiker und Produzent. Und genau dieses Talent hat sein Arbeitgeber angezapft und ihn gebeten, ein Video für das Personalmarketing zu produzieren. Denn auch wenn die Fluktuation in einer Randregion der Schweiz signifikant tiefer als in den wirtschaftlichen Ballungszentren ist – auch in Brig fliegen die guten Kandidatinnen und Kandidaten nicht einfach so zu. Übrigens genau darum habe ich an diesem Ort offensichtlicher kreativer Energie 2001 meine ersten Jobvideoerfahrungen gemacht. Also, Roméo Michlig hat sich zusammen mit seinem Spezi Lukas Schmitt, ebenfalls Mitarbeiter im SBB Contact Center, an die Arbeit gemacht und das ist dabei herausgekommen:

Nun, eigentlich halte ich ja nicht gerade wahnsinnig viel von Musik- oder sogar Rapvideos im Personalmarketing. Mag ja sein, dass Musik die Herzen Liebender öffnet (man denke nur an Céline Dion in Titanic) und in Einkaufszentren zu Mehrkonsum verführt (man denke dabei an… naja, kommt mir jetzt gerade nichts in den Sinn, oder doch: André Rieu) . Aber ich mag nicht recht daran glauben, dass tanzende, hüpfende oder sogar säuselnde Mitarbeiter/-innen glaubhafte Botschafter der Unternehmenskultur, der Arbeitgebermarke oder was auch immer sind. Zumal viele der Videos so gekünstelt daherkommen, das selbst ein Eunuch im Männerchor merkt, dass das wenig mit dem wirklichen Alltag zu tun hat. Nun aber, ich gebe es zu, der Alpenrap aus dem Wallis hat irgendwie etwas. Okay, die Sprache versteht eigentlich niemand, der jenseits dem Lötschberg wohnt. Mit anderen Worten: liebe Leserinnen und Leser aus Deutschland, machen Sie sich nichts draus – auch ein durchschnittlicher Schweizer versteht den Text kaum. Die Wortfetzen, die hingegen bei mir angekommen sind, gefallen mir nicht schlecht, sie haben einen konkreten Bezug zum Arbeiten im SBB Contact Center. Und die Machart finde ich irgendwie cool.

Ich habe mit Roméo gesprochen, wie es dazu kam und wie er das Video produziert hat.

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Mit diesem Video haben die Macher im Wallis das meines Wissens erste und einzige Schweizer Musikvideo für das Recruiting produziert. Irgendwie bedaure ich es, dass es in der Personalwerbung für die freien Stellen im Contact Center offenbar nicht eingesetzt wird. Emotionaler und frischer als das aktuelle und, sorry, ziemlich langweilige Stelleninserat mit der gestreamlinten Frau wäre es definitiv. Man mag über das Werk und insbesondere über den konkreten Nutzen von Videos wie diesen für das Personalmarketing geteilter Meinung sein: meine Sympathiepunkte für etwas mehr Mut und Kreativität im Personalmareketing haben die Kollegen im Wallis auf sicher.

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Kommentare ( 11 )

  • Lutz Altmann sagt:

    Jörg, dass Video hat was. Wirkt wesentlich glaubwürdiger als viele/alle der anderen Personalmarketing Raps. 😉

    • Jörg Buckmann sagt:

      Finde ich eben auch, danke für das Feedback, lieber Lutz. Und übrigens auch danke für den seinerzeitigen Steilpass mit dem Titel (wer hat’s erfunden…). Natürlich ist der sehr spezielle Dialekt Teil des Charmes des Videos. Was mir aber eben auch sehr gefällt, ist eine gute Portion Humor bzw. Ironie im Text. An einer Stelle heisst es zum Beispiel (in Bezug auf die geografische Lage des Wallis): „Sogar Strom gibt’s hier im Wallis.“ Und weiter: „Nette Menschen, guten Wein.“ Ja das nenn ich doch mal eine konkrete Ansage, oder? Gruss aus Zürich! Jörg

  • personalmarketing2null sagt:

    Lieber Jörg,
    nun muss ich dich leider wirklich, wirklich enttäuschen. Wirklich. Fällt mir schwer, dir zu widersprechen. Aber wir wollen doch bei der Wahrheit und die Kirche im Dorf respektive die Krone des Alpenraps da lassen, wo sie hingehört. Nämlich nach Deutschland. Denn den Alpenrap dürfen leider nicht die zauberschönen Schweizer für sich proklamieren, sondern, ja sondern, und das dürfte umso härter sein: die Deutschen. Genauer die Allgäuer. Und die Allgäuer Alpen sind ja nun mal wie der Name schon sagt, Teil der Alpen. Und aus diesem wunderschönen Teil der Republik gab es schon im April (also vier Monate vor dem Schweizer Versuch) einen sagenhaften Alpenrap im Personalmarketing. Und das Ganze in Allgäuer Mundart. Here we go!
    http://www.youtube.com/watch?v=s7jMV4bOgMU&feature=player_embedded
    Grüße ins zauberschöne Ennetbaden,
    Henner

    • Jörg Buckmann sagt:

      Lieber Henner, vielen Dank für das aufmerksame lesen meines Beitrags (ach DU bist dieser Leser :-)). Nun, leider kann ich Deine Bemerkung, ja Aberkennung des Erfinderstatus aus zwei Gründen nicht gelten lassen: Erstens ist es ganz einfach: Berge bzw. Alpen gibt in der Schweiz und in Österreich. Basta. Ihr in Deutschland habt das Meer, die Sächsische Schweiz und sonst noch viele tolle Ecken. Aber richtige Bergländer sind wie gesagt nur A und CH. Und Zweitens: Der von Dir verlinkte Video wurde von Musikern gemacht, die nicht bei der gezeigten Firma arbeiten. Dieser Rap mag auch gut sein – läuft aber definitiv nicht in der Kategorie selbstgemachter Alpenrap. Ich rappe herzlich zurück ins schöne Wiesbaden.

  • personalmarketing2null sagt:

    Yo, Bruder – ja, ich bin’s 🙂
    Nun gut, das mit den Alpen lasse ich mal gerade so gelten. Das mit den Musikern ist richtig. Aber eins möchte ich mal richtig stellen: Ich habe nie behauptet, dass ich das Video gut finde. Letztendlich ist das nach Edeka ein weiteres Plagiat des BMW-Raps, bzw. „dramaturgisch“ ähnlich aufgebaut. Ob man seinen Nachwuchs per Rap- und Tanzeinlagen erreichen kann – ich würde es mal im Wesentlichen bestreiten. Egal, ob nun in Deutschland, Österreich oder der Schweiz.
    Klar, fühlt sich der ein oder andere von so etwas angesprochen, keine Frage. Bei der breiten Masse aber überwiegt doch der Fremdschäm-Faktor. Und dieses durchaus auch in der avisierten Zielgruppe 🙂 Und ob es das wert ist im Verhältnis zur negativen Außenwirkung – da kann man glaube ich noch bis zum Sanktnimmerleinstag drüber diskutieren…
    Peace!

  • Suppen Report KW 48 – 51 « Employer Branding von morgen sagt:

    […] vom SBB Contact Center aus Brig. Darauf aufmerksam machte Jörg Buckmann in seinem Beitrag “Wer hat’s mal wieder erfunden – der Alpenrap im Personalmarketing“. Sind diese Rap Songs mittlerweile zu Must-haves aufgestiegen? Ich muss Jörg recht geben, […]

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    […] Als Jurymitglied war ich angenehm überrascht: in Zeiten, wo man meinen könnte, dass nur noch mehr oder weniger gelungene Musikvideos im Personalmarketing zum Einsatz kommen, war die Auswahl in […]

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